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Bistum Erfurt

Familie - Quellgrund des Lebens

Frauenwallfahrt zum Kerbschen Berg

Mal vorwärts, mal zurück oder auch mal stehenbleiben - 'Das Spiel des Lebens' treibt es nicht nur auf der Bühne bunt. In der Rückschau wird jedoch Gottes Zuwendung deutlich. Bischof Wanke sagte: Dem Leben zugewandt - das heißt für mich: Gott, der Quelle des Lebens, dem Erfinder des Lebens zugewandt. Kerbscher Berg - Unter dem Motto "Dem Leben zugewandt" fand am 21. Mai die Frauenwallfahrt des Bistums Erfurt zum Kerbschen Berg bei Dingelstädt statt. Bischof Joachim Wanke machte den Frauen Mut für ihren Alltag, fand in seiner Predigt aber auch kritische Worte zur Zeit.

Im Jahr 2005 gab es im Freistaat Thüringen 4406 registrierte Abtreibungen. "In einem Land also, in dem Kinder dringlichst erwünscht wären", wie es Bischof Joachim Wanke in seiner Predigt in Dingelstädt betonte. Weiter sagte er: "Das ist kein Zeichen für Lebenszugewandtheit. Das ist ein Todeszeichen – ein Hinweis darauf, dass mit unserer Gesellschaft etwas fundamental nicht stimmt. Mich macht nicht nur die hohe Zahl bestürzt, sondern mehr noch die Tatsache, dass die Öffentlichkeit das als scheinbar ganz normal hinnimmt."

"Junge Leute riskieren ihr Leben..."

Joachim Wanke wies auf weitere "Todeszeichen" in der Gesellschaft hin, die nicht zu übersehen sind: "Junge Leute riskieren ihr Leben; die Suchtabhängigkeiten breiten sich aus; über die Möglichkeit der Euthanasie wird offen diskutiert …." Zudem gebe es inzwischen ein Menschenbild, das von der Werbung diktiert werde. Menschen von heute, so sei es im Fernsehen immer wieder zu sehen, seien "jung, gesund, stark und schön." Bischof Wanke: "Menschliches Leben auf der Schattenseite gerät da zunehmend unter Legitimitätsdruck. ,Warum bist du nicht stark und gesund? Vielleicht bist du gar selbst daran schuld?‘ Für manche Mitbürger wird diese Angst schon sehr konkret, nicht mehr erwünscht, nicht mehr daseinsberechtigt zu sein."

Ein Gegenmodell dazu bilde die christliche Familie, die für Bischof Joachim Wanke ein Quellgrund einer bleibenden und unangreifbaren Wertschätzung des Lebens ist und bleibt. "Die Mutter bleibt die Mutter, auch wenn sie hinfällig wird. Und das eigene Kind bleibt das Kind, auch wenn es mit Behinderungen leben muss."

Thematisch aufgegriffen wurde ndie Zeitstimmen in einem Anspiel zur Eucharistiefeier. Dabei betonte eine werdende Mutter ruhig und standhaft, dass sie voller guter Hoffnung ist. Sie ließ sich nicht niederringen von den zahlreichen Gegenargumenten, die alles nur negativ sehen wollen.

Gottes Zuwendung im Leben erfahren

Vorbereitet wurde die Wallfahrt von einem Kreis von Frauen, der von Sabine Stephan – Referentin für Erwachsenenseelsorge –geleitet wurde. Sabine Stephan sagte: "Es ist heutzutage modern pessimistisch zu sein. Wir klagen auf hohem Niveau, Ängste werden geschürt. Uns ging es gerade deshalb um ein Ja zum Leben. Was nicht bedeutet blauäugig zu sein. Wir wollen vielmehr deutlich machen: Steh trotz der Ungewissheit des Lebens und der Zukunftsprognosen positiv zum Leben. Lebe das Leben und lass dich nicht blockieren von Zukunftsängsten."

Die abschließende Feierstunde begann mit einem kleinen Stück zum Schmunzeln. Vier Frauen unterschiedlichen Alters spielten das "Spiel des Lebens, wo es mal gut vorangeht, mal muss ausgesetzt werden, mal geht es rückwärts. Sabine Stephan dazu: "Wer sich dem ,Leben zu wendet‘ – wer die alte Mutter pflegt, für die Kinder da ist, Zeit investiert ins Ehrenamt – der erlebt zunächst womöglich, dass er Sinne des ,Vorankommens‘ stagniert. Oder aber: Das Leben spielt manchmal Situationen, die uns rausswerfen, aus dem Tritt bringen, wo wir am liebsten nicht mehr mitspielen." Andererseits, "wer auf sein Leben zurückschaut, kann mitunter nur staunen, wie viel Kraft und Ideen aus den scheinbar unnützen Situationen erwachsen sind. In dieser Kraft sehen und erfahren wir Gottes Zuwendung."

Nach dem sakramentalen Segen und der Einladung des Bischofs zum Elisabethjahr 2007 erhielten die Wallfahrer zum Andenken eine kleine Tüte Samen. Dieser erinnerte daran, dass alles, was blühen und wachsen soll, der Zuwendung bedarf – was nicht nur bei den Blumen so ist. Bleibt der Samen in der Tüte, so wird sich gar nichts verändern. Sabine Stephan: "Darum soll jede Teilnehmerin den Samen zu Hause ausstreuen, Freude haben am Wachsen und Blühen der Pflanzen und sich daran erinnern lassen: Wir wollen uns dem Leben zuwenden."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 21 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 25.05.2006

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