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Bistum Görlitz

Eine Zeit, die das ganze Leben prägte

Ein Kurs des Görlitzer Katechetenseminar feierte 40-jähriges Abschlussjubiläum

Teilnehmer des Katechetenseminars trafen ihren früheren Rektor, Bischof Müller, wieder. Foto: Gisela Bursch Görlitz - Sie kamen aus allen Bistümern der DDR – vor allem, um ihren Glauben zu vertiefen. Für viele war das Görlitzer Katechetenseminar prägend fürs Leben. Jetzt traf sich ein Kurs, der vor 40 Jahren den Abschluss machte.

"So etwas wäre heute nicht mehr möglich", ist sich Bischof Rudolf Müller sicher. Er leitete von 1964 bis 1972 das Katechetenseminar für Männer in der Görlitzer Emmerichstraße. Später gab es für Frauen eine Einrichtung im Cottbuser St.-Johannes-Haus. Katholische Christen aus der ganzen DDR kamen hierher, um ihren Glauben zu vertiefen, aber vor allem auch, um sich für die geistige Auseinandersetzung mit dem Marxismus zu rüsten. In Görlitz trafen sich unlängst 13 Teilnehmer, die das Seminar vor 40 Jahren besucht haben.

Eine von ihnen ist Marlies Burghardt aus Görlitz, die durch diese fünfmonatige Zeit zu ihrer kirchlichen Berufung gefunden hat. Seit ebenfalls 40 Jahren ist sie Haushälterin beim emeritierten Dompropst Wolfgang Gerlach, den sie heute noch betreut. "Der Unterricht, aber vor allem die Gemeinschaft mit den anderen haben mein ganzes Leben geprägt", erzählt Frau Burghardt. Das Treffen in Görlitz sei nicht nur eine Wiedersehensfeier gewesen, sondern auch eine Erinnerung an jene Zeit, die es wohl so nicht mehr geben wird.

Über 500 Frauen und Männer haben das Katechetenseminar abgeschlossen. Für die Teilnehmer eine sehr intensive Zeit, bestätigt Bischof Müller im Rückblick: "Der Seminar-Alltag war vergleichbar mit dem in einem Priesterseminar." Dogmatische, biblische, liturgische sowie katechetische Fächer gehörten zur Ausbildung. Am Ende gab es ein Zertifikat.

"Wichtig war es uns, ein gediegenes Glaubenswissen zu vermitteln", erinnert sich Müller. Dazu gehörte die Bereitschaft der Teilnehmer, "als mündige Christen in Beruf und Familie zu leben." Dass sich einige wie Marlies Burghardt für einen kirchlichen Beruf entschieden haben, sei nicht nur eine angenehme Begleiterscheinung gewesen, sondern der Beweis für die Qualität der Ausbildung. Die Einführung der Wehrpflicht, veränderte berufliche Bedingungen und die nachlassende Bereitschaft, sich solch einer intensiven Zeit zu widmen, sind nach den Worten des Bischofs die Hauptgründe dafür, dass die Einrichtung schließen musste.

Und dennoch schien auf dem einstigen Katechetenseminar ein besonderer Segen gelegen zu haben: Drei Rektoren, Gerhard Schaffran, Bernhard Huhn und Rudolf Müller, sind später Bischöfe geworden.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 20 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 18.05.2006

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