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Bistum Dresden-Meißen

Woche für das Leben

Eröffnung im Dresdner Hygienemuseum

Das Familiengeld könnte den Kinderwunsch fördern, meint Yvonne Wilke von der evangelischen Kirche. Foto: Andreas Schuppert Dresden - Kinder sind ein Segen. Das ist die Botschaft der Woche für das Leben, die in diesem Jahr für Sachsen im Dresdner Hygienemuseum eröffnet wurde. Das Interesse hielt sich in Grenzen.

Die Deutschen bekommen zu wenig Kinder. Die Nachricht ist nicht neu, wiegt aber um so schwerer, wenn man sich den demographischen Wandel betrachtet. In der Gesellschaft müsse sich grundsätzlich etwas verändern, fordert der Erlanger Theologe Hans G. Ulrich: Hin zu einer Kultur, in der "Kinder nicht mehr als eine unter vielen Optionen" gesehen werden.

Der Beginn der Woche für das Leben am 29. April im Dresdner Hygienemuseum kann als symptomatisch für die derzeitige Situation angesehen werden: Gerade mal ein Dutzend Interessierter hatte sich zu den Vorträgen und Diskussionen im Lesesaal eingefunden. Neben Angeboten für Kinder gab es in Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche, dem Bistum Dresden-Meißen und dem Deutschen Hygienemuseum zudem Gesprächsinseln, auf denen sich die Besucher informieren und ihre Erfahrungen austauschen konnten.

Wenn Kinder ein Segen sein sollen, setzt dies die Bereitschaft voraus, sie anzunehmen. Die Entscheidung gegen oder für ein Kind ist heute von den unterschiedlichsten Faktoren abhängig. Von der wirtschaftlichen Lage der Familien, dem Familien- und Geschlechterverständnis der Partner, den ständig wechselnden ökonomischen Bedingungen. Aber, so Ludmilla Leider von der Ehe- Familien- und Lebensberatung des Bistums Dresden-Meißen, mit dem Nachwuchs wandeln sich auch die Beziehungen der Partner. "Für viele Paare ist ein Kind mit großen Schwierigkeiten verbunden". Ein Kind verändere den gesamten Lebensbereich: Arbeit, Wohnung, Freizeit. Gerade junge Eltern seien nicht immer auf diese neue Situation vorbereitet. Zudem nehme der Perfektionsdruck heute ausschließlich das Kind in den Blick. "Konflikte zwischen den Eheleuten brechen dann erst nach Jahren auf." Ludmilla Leider rät den Partnern deshalb nicht nur zu einer gewissen "Autonomie" in der Ehe, sondern auch zu "Inseln zweckloser Zweisamkeit", auf denen die Partner sich "ohne Kinder" erholen und im Gespräch lernen können, Konflikte zu meistern.

Eine Lösung des "Kinderproblems" sieht Yvonne Wilke von der Evangelischen Aktionsgemeinschaft für Familienfragen in dem Familiengeld, das es ab 2007 geben und auch die Väter stärker in die Familienarbeit einbinden soll. Wichtig sei es, sowohl den Kinderwunsch als auch die berufliche Karriere, vor allem von Frauen, zu fördern. Dass im Westen Deutschlands 43 Prozent der Akademikerinnen keine Kinder bekämen, läge besonders daran, dass die Entscheidung für ein Kind mit einem Karriereknick verbunden sei.

"Der Ausbau von Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren sei deswegen genauso wichtig", sagt Frau Wilke. Wenn das Familiengeld in dieser Form umgesetzt werde, könnte sich der Wunsch zum Kind positiv verändern. Dennoch werde der Kindersegen auf sich warten lassen: "Die ersten Veränderungen werden wir vielleicht in 15 Jahren spüren", vermutet sie.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 18 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 04.05.2006

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