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Anstoß

Der Tag der Erstkommunion

Machen Kleider wirklich Leute?

Martin Weber

Jetzt in den Wochen nach Ostern stehen Kleiderfragen wieder ganz oben auf der Tagesordnung. In unseren Gemeinden werden die Kinder zur ersten heiligen Kommunion geführt. Nach langer und guter Vorbereitung, intensiven Übungsstunden und Proben ist dann für die Jungen und Mädchen der große Tag gekommen und wir können sie dann bestaunen: Die Mädchen ganz in Weiß, die Jungen in einem dunklen Anzug, zumeist dunkelblau oder schwarz. Man bemerkt bei manchen Kindern eine regelrechte Anspannung in ihren Gesichtern, dass bloß die Kerze nicht kleckert.

Die Kleiderfrage ist nicht wichtig, da reden sich die Pfarrer jahraus, jahrein den Mund fusselig und stehen doch irgendwie auf verlorenem Posten. Und: Die Kleiderfrage wird sich wiederholen. Bei der Firmung. Da sind dann es nicht mehr die schönen Kleidchen und hübsche Anzüge, sondern die "tollen Klamotten" und das "gestylte outfit", das den Jugendlichen schlaflose Nächte bereitet.

Leider lässt sich nicht immer ausschließen, dass den Beteiligten die Ausstattung wichtiger ist als der Festanlass. Wenn das dann wirklich vorkommt, denke ich an Gottfried Kellers hübsches und immer wieder lesenswertes Büchlein "Kleider machen Leute". Dort geht es um einen armen Schneider, Wenzel Strapinski, der wegen seines einzigen Besitzes, einem sehr kostbaren Mantel, für einen Grafen gehalten wird. Zuerst will er alles aufklären, jedoch lernt er später ein nettes Mädchen aus gutem Hause kennen und zieht es daher vor den Schwindel weiter zuführen.

Der Autor wollte mit seinem Buch kritisieren, dass man Menschen oft nur nach ihrem Äußeren beurteilt und nicht nach ihrem Charakter und ihrer inneren Haltung, um die es ja auch bei der Erstkommunion geht. Es geht in diesem Buch nicht zuletzt um die berühmte Frage von Schein und Sein.

Für uns Christen hat die Kleiderfrage keine besondere Bedeutung. Der Evangelist Matthäus lässt Jesus sagen, dass wir uns nicht um unsere Kleidung sorgen sollen, und dass die Lilien auf dem Feld die Pracht und den höfischen Glanz des Königs Salomo bei weitem übertreffen (vgl. Mt 6, 28 f). Für uns als Christen gibt es kein Kleidungsstück, an dem man uns eindeutig erkennen könnte. In anderen Religionen ist das anders, denken wir nur an die Diskussionen um das Kopftuch im Islam. Das Zeugnis für unseren christlichen Glauben kann ich nicht einfach anziehen und durch die Gegend tragen. Unser Glaube soll in seinem Reden und Tun und in seinem Schweigen und Lassen offenbar werden. Der Apostel Paulus schreibt im Galaterbrief: "Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus (als Gewand) angelegt" (Gal 3, 27). Zugespitzt formuliert heißt das: Ich gehe meinen Weg mit Christus bekleidet. Drücken wir es noch drastischer aus, dann müssen wir sagen, dass die Menschen in meiner Person Christus selbst erkennen sollten. Ein sicherlich hehrer Wunsch! Daran, dass sich die Jungen und Mädchen zu ihrer "großen" Feier schön machen, gibt es nichts zu bekritteln. Wenn sie nur das Wort des Apostels Paulus aus dem Galaterbrief nicht vergessen.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 16 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 21.04.2006

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