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Das Gefühl nicht vernachlässigen

Dresdnerin bietet Beratung für Blumenschmuck in Kirchen an

Dresden (jak) - Mit wenigen Mitteln viel erreichen, das ist es, was Petra Warkus aus Dresden Frauen und Männern vermitteln will, die sich beim Herstellen des Blumenschmucks in ihren Pfarrkirchen engagieren. Begonnen hatte alles mit dem Dresdner Dekanatstag in Moritzburg, zu dem Frau Warkus die Blumen zusammenstellte. Damals kamen die ersten Anfragen, ob sie nicht ihr Fachwissen auch Anderen vermitteln könne. So hat sie bisher zwei Seminare für Interessierte gehalten, ein weiteres in Dresden-Plauen ist geplant. Aus eigener Erfahrung weiß sie, dass das Buget für die Blumen eher oft klein ist. Doch das bedeutet nicht, dass es ärmlich aussehen muss.

Beispielsweise in der Zeit vor Ostern. Aus Zweigen oder Ästen läßt sich ein kreuzförmiges Grundgerüst gestalten, welches dann immer wieder nur neu bestückt werden muss. So am Palmsonntag mit kleinen Palmwedeln und zu Ostern mit vielen bunten Blumen. In ihrer Heimatgemeinde Dresden-Pieschen findet sich ein großes Stahlkreuz, das aus dem Sockel herausgezogen werden kann. Einmal wurde es durch solch ein natürliches Kreuz ersetzt, ein andermal selbst in die Gestaltung einbezogen. Petra Warkus ließ zu Aschermittwoch rund um das Kreuz aus vielen trockenen Zweigen ein dorniges Geäst entstehen. Ein Zeichen dafür, dass das Kreuz als zentrales Glaubenszeichen oft verstellt ist und nicht mehr wahrgenommen wird. Zum Karfreitag schließlich verhüllte Frau Warkus das Kreuz mit durchsichtigem Mull. Später schrieb sie dazu die Worte: "Verhüllt bist du Christus, mit den Schatten des Todes an diesem Tag. Verborgen wie immer dann, wenn ich vorgebe, dich nicht zu brauchen, weil ich die Mitte meines Lebens in anderen Richtungen zu finden glaube. Verhüllt und verborgen durch meine eigenen Gedanken."

Am Ostersonntag schließlich waren die Dornen und der Mull verschwunden, sie wurden niedergerissen. Vor dem Kreuz breitete sich prachtvoller weißer Blumenschmuck aus. Dieser, so Petra Warkus, eignet sich an Ostern genauso wie ein Blumenmeer aus zarten Farben. Rot aber wäre weniger günstig, dies passe mit dem typischen Grün jedoch in die Advents- und Weihnachtszeit und natürlich - allerdings ohne Tannengrün - zu Pfingsten. Zur Erstkommunion, die auf Ostern folgt, schlägt die Dresdner Floristin ebenfalls weiße oder bunte Blumen vor. Wichtig ist zudem die Berücksichtigung des Kirchenraumes. In modernen Kirchen gehe fast alles. In anderen Gotteshäusern wie beispielsweise die Schlosskapellen in Moritzburg und Wermsdorf müsse darauf geachtet werden, dass der Blumenschmuck den Besucher nicht erschlägt. Dieser solle vielmehr im Einklang mit der schon vorhandenen Ausstattung stehen - je prächtiger der Raum, desto zurückhaltender die floristische Gestaltung. Bei ihren Seminaren ist sie sicher, dass fast alle der Teilnehmenden schon über Erfahrungen in Sachen Blumenschmuck verfügen. "Oft sind es nur kleine Anregungen, die den Leuten weiterhelfen", berichtet Petra Warkus. Wichtig ist ihr aber auch zu vermitteln, dass alle unter dem Aspekt herangehen sollte, dass es sich nicht nur um Dekoration handelt.

Zuhause ist Petra Warkus in Dresden-Pieschen, wo sie mit einer Freundin einen Blumenladen in der Leipziger Straße 157 betreibt. Eine Aufgabe, die sie erfüllt und die Spaß macht. Auch hier kommt es zunehmend darauf an, durch Kreativität und Ideen den Kunden ansprechend Neues zu bieten. Blumen im Bündel können sie auch woanders kaufen.

Über dem Laden wohnt Petra Warkus mit ihre Familie. In behaglicher Atmosphäre gibt es Tee und Plätzchen. So ist der Raum vorhanden, dass die Dresdner Christin auch über ihren Weg zum Glauben spricht. Sah es doch zunächst gar nicht danach aus, dass dieser jemals irgendeine Bedeutung für Petra Warkus haben könnte. Mit 18 trat sie in die Partei ein, damals voll und ganz von der Richtigkeit dieses Schrittes überzeugt. Aber schon in ihre Lehre zur Porzellanmalerin in Meißen kam sie mit der Bibel in Kontakt. "Ich wollte einfach etwas darüber wissen und so kaufte ich mir ein Neues Testament", erinnert sie sich heute. Es nervte einfach, beispielsweise in der Dresdner Gemäldegalerie mit christlichen Themen konfrontiert zu werden, ohne diese einordnen zu können. "Ich habe dann versucht, das Neue Testament so zu lesen, wie man halt ein Buch liest, stellte aber bald fest, dass es anders als andere Bücher ist." Schließlich kam irgendwann der Punkt, an dem sich Petra Warkus entscheiden musste. Längst suchte sie immer wieder Gottesdienste in der Pieschener Pfarrkirche oder in der Hofkirche auf und so wagte sie es, den damaligen Pieschener Kaplan Hans-Joachim Paschke (heute Pfarrer in St. Joseph / Chemnitz) anzusprechen. In ihm fand sie einfach einen Seelsorger, von dem sie heute sagt, er ist der richtige gewesen. Petra Warkus trat aus der Partei aus und wurde 1986 getauft. Sofort engagierte sie sich in der Pieschener Gemeinde - wie sie heute weiß - an zu vielen Stellen. Ihr Glaube verbrauchte sich im Aktionismus, füllte sich nicht nach. So kam der Punkt, an dem sie der Gemeinde wieder fern blieb. Dies änderte sich vor einigen Jahren, unter anderem nach einem Aufenthalt im Karmel Birkenwerder. Jetzt ist sie überzeugt, einen Weg gefunden zu haben, der trägt.

"Manchmal bin ich froh, erst als Erwachsener zum Glauben gekommen zu sein, weil sich an Selbstverständlichkeiten manches abschleifen kann", meint Petra Warkus. Andererseits vermisst sie etwas, dass sie nie diesen selbstverständlichen Glauben gehabt hatte, so bedingungslos und ungezwungen wie es Kinder tun. All diese Fragen beschäftigen sie oft. Eine Hilfe sind ihr dabei die eigenen Texte, die sie zuerst für sich selbst schreibt. Auskunft über dieses Ringen gibt eine Stelle eines Gedichtes, das in Birkenwerder entstand: "Als ich die Gewissheit, dass es dich gibt Herr, festhalten will, umfängt mich wieder nur die Stille der nächtlichen Kirche."

Aus eigener Lebenserfahrung äußert sie den Wunsch, dass bei Feiern im kirchlichen Raum stärker das Gefühl angesprochen wird. Etwa so, wie es vor einiger Zeit mit den Firmlingen in Dresden-Pieschen versucht wurde. Ihnen und ihren Eltern wurde ein Abend angeboten, der sie meditaiv auf den Tag der Firmung vorbereiten sollte. Jeder der Mädchen und Jungen legte dabei in den Altarraum symbolisch einen kahlen Ast nieder, zurück gingen sei mit einem kleinen Topf mit einem Setzling. Die Ruhe und meditative Stille dieser Feier wirkten noch lange nach, viele blieben sitzen, andere gingen nachdenklich nach Hause. "Solche Sachen sprechen die Jugendlichen vom Gefühl her an und das ist genau das, was sich die Sekten auf die Fahnen geschrieben haben und denen sollten wir nicht das Feld überlassen", meint Petra Warkus. Kirche soll nicht der Ort sein, wo man weiß, wo abends Tischtennis gespielt wird, sondern wo Glaube und Erfahrung über das Gefühl vermittelt werden. Das dies so sein kann ist nicht zuletzt Menschen wie Petra Warkus zu danken, die mit dem scheinbar kleinen Schritt des Blumenschmuckes und vieler anderer kreativer Ideen das Gemeindeleben schöner und intensiver machen.

Kontakt: Petra Warkus, Leipziger Str. 157, 01139 Dresden, Telefon (03 51) 8 48 04 32

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 13 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 29.03.2001

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