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Bistum Erfurt

Alles begann im Wohnzimmer

Katholiken in Greußen feiern goldenes Jubiläum

Am Festtag: Weihbischof em. Hans-Reinhard Koch, Pfarrer Günther Albrecht und Pfarrer Franz Wokittel – ein Kind der Gemeinde – beim Einzug in die Kirche. Greußen (kat/tdh) - Die katholische Kirchgemeinde St. Marien in Greußen feierte am 26. März zusammen mit Weihbischof em. Hans-Reinhard Koch ihr goldenes Kirchweihjubiläum.

Zur Freude vieler Christen weisen Schilder am Eingang vieler Orte auf die vorhandenen Kirchen und ihre Gottesdienstzeiten hin. Hätte es vor über 50 Jahren schon solche Informationen gegeben, hätte man an Greußens Zufahrtsstraßen die Abbildung der katholischen Kirche vergebens gesucht. Das änderte sich erst im Jahr 1956 mit der Weihe der Marienkirche.

Neues katholisches Leben ist in Greußen seit dem Jahr 1900 nachweisbar. Damals zog das junge Ehepaar Josef und Pauline Hoffmeister von Küllstedt (Eichsfeld) nach Clingen bei Greußen, ab 1906 lebten die Hoffmeisters dann in Greußen selbst. Ihr Wohnzimmer war in der Folge eine Art Keimzelle der wachsenden Gemeinde, die zum Gottesdienst allerdings weiter nach Sondershausen fahren musste. Eine große Ausnahme bildete die Zeit vom September 1939 bis zum Sommer 1940 als zirka 1500 katholische Saarländer in Greußen und Umgebung zwangsweise angesiedelt wurden. In der Diele der Hoffmeisterschen Wohnung feierte Kaplan Theodor Stammer in dieser Zeit täglich die heilige Messe, zu der bis zu 60 Leute kamen. Nach der Heimkehr der Saarländer schrumpfte die Gemeinde wieder auf die Vorkriegsniveau.

Die Situation änderte sich nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Zuzug von heimatvertriebenen katholischen Christen aus Schlesien, Ostpreußen und dem Sudetenland grundlegend. Ihnen allen war der sonntägliche Kirchgang eine Herzensangelegenheit und so sehnten sich die Heimatlosen von Anfang an nach einer eigenen Kirche. Wiederum spielte sich in den ersten Jahren zunächst alles im Haus der Familie Hoffmeister ab. Dort wurden Gottesdienste und Andachten gefeiert, Religionsunterricht erteilt … Seelsorger in dieser Zeit war Pfarrer Reinhold Barth, der aus dem Sudetenland kam. Der Gemeinde ist er als ein herzensguter Mensch in Erinnerung geblieben, der das Letzte mit den Armen teilte, ohne zu fragen, welcher Konfession sie angehören. Unter Pfarrer Barth bemühte sich die Gemeinde seit 1947 um ein Baugrundstück für den Kirchbau. Nach Überwindung zahlreicher Schwierigkeiten war es dann am 23. März 1956 soweit, die Greußener katholische Kirche konnte geweiht werden.

Heute zählt die Gemeinde, die seit kurzem wieder vom Pfarrer in Sondershausen betreut wird, zirka 600 Mitglieder, die sich auf 27 Ortschaften verteilen. Viele Pfarrmitglieder engagieren sich aktiv in der Gemeindearbeit, sei es im Kirchen- oder Pfarrgemeinderat, bei der Kirchenreinigung oder der Ausgestaltung von Feiern und Veranstaltungen. Die Seelsorge wird von zwei Diakonatshelfern unterstützt, die in Abwesenheit des Pfarrers Wortgottesdienste halten dürfen. Wichtig ist in Greußen und Umgebung zudem die Kinder- und Jugendarbeit sowie die gelebte Ökumene: Ein ökumenischer Gesprächskreis, eine Wandergruppe oder gemeinsame Meditationen sind in den zurückliegenden 50 Jahren entstanden und gewachsen.

Für das Jubiläumsjahr plant die Greußener Gemeinde verschiedene Veranstaltungen, darunter das Patronatsfest am 9. September, zu dem Gäste aus der Partnergemeinde des Saarlandes erwartet werden.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 14 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 06.04.2006

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