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Kirchenschlüssel in Schülerhand

Aktiv in der Kirche: In Cottbuser Propsteigemeinde küstern Jugendliche

Cottbus (kh) - Wofür andernorts Rentner zuständig sind, das erledigen in der Cottbuser Propsteigemeinde Schüler. Ein Dutzend Jungen und Mädchen wechseln sich an den Sonntagen beim Küstern ab. Für Langschläfer ist dieses Ehrenamt nichts, denn die Frühmesse beginnt um acht Uhr. Spätestens eine halbe Stunde vorher muss die Kirche aufgeschlossen werden. "Das Aufstehen ist wirklich schwer", meint der 16-jährige Thomas, "aber dann bin ich doch stolz, dass ich vorne am Altar stehe und mich die Leute sehen."

Schon 1969 wurde der Küsterdienst in der Propsteigemeinde zur Jugendaufgabe. Gerade die Jugendlichen, die sich zu Hause oft von der Mutter bedienen lassen, sollten in der Gemeinde etwas tun, meint der damalige Ortspfarrer Gerold Schneider.

Der 20-jährige Fabian übernimmt gern Verantwortung. Wie schon Daniel Laske, der vor ihm Oberküster war, macht es ihm Spaß, "etwas vorzubereiten und zu sehen, dass es gut funktioniert". Besonders freut er sich, wenn die Küster Anerkennung für ihren Dienst erfahren, zum Beispiel von fremden Priestern, die in der Gemeinde St. Maria Friedenskönigin einen Gottesdienst feiern. "Sogar der Bischof hat uns einmal gelobt", erinnert sich Fabian.

Der jährliche Höhepunkt des Küsterdienstes ist der Sonntag nach Fronleichnam: Schon um sechs Uhr morgens werden die Ministrantengewänder, die Küsterröcke, die Kelche und der Baldachin für die Prozession auf dem ehemaligen Bundesgartenschau-Gelände verladen. An den beiden Tagen zuvor holen die jungen Küster die Tische und Stühle aus dem Kirchturm, putzen die Leuchter und helfen mit, die Altäre aufzustellen.

Feste vorzubereiten, ist für die 17-jährige Katrin überhaupt das Beste am Küstern: "Ich mag den Druck, etwas zu machen und es schön zu machen." Gerne ministrieren die jungen Küster auch bei dem einen oder anderen Gottesdienst. Schließlich waren sie selbst früher Messdiener.

Auch in der Freizeit unternimmt die Gruppe hin und wieder etwas zusammen. Voriges Jahr gab es eine Küsterfahrt nach Blossin, dieses Jahr haben die Jungen und Mädchen an Christi Himmelfahrt gemeinsam gegrillt. Längst Tradition geworden ist das Küsterfrühstück mit Propst Herbert Pollack am Sonntag zwischen der Acht- und der Zehn-Uhr-Messe.

Der religiöse Aspekt ihres Ehrenamts ist den jungen Leuten ebenfalls wichtig. Thomas und Fabian haben das Gefühl, als Küster aktiver an der Messe teilzunehmen als sonst und die Liturgie intensiver zu erleben. Der bewussten Mitfeier soll auch folgende Regelung dienen: Die Jugendlichen sind nur bei einem der drei Sonntagsgottesdienste mit in der Kirche dabei, auch wenn sie bei allen küstern. Die übrige Zeit verbringen sie in der Sakristei - im Winter am liebsten vor dem Heizungsschacht.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 31 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 02.08.2001

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