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Bistum Dresden-Meißen

Demographischer Wandel

Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kirchen sind gefordert

Der zweite Demografiebericht des Landes Brandenburg malt ein eher düsteres Bild der Zukunft: Wenn zehn Deutsche heute noch sechs Kinder aufziehen, werden sie in 30 Jahren nur noch vier Enkel haben.

Mit jeder Generation schrumpft die deutsche Bevölkerung – bei Fortdauer des gegenwärtigen Trends – um mehr als ein Drittel. Die Ursachen dafür sind schnell ausgemacht. Zwischen 1991 und 2003 haben 2,035 Millionen Menschen Ostdeutschland in Richtung Westen verlassen. Lediglich 1,19 Millionen zogen in die entgegengesetzte Richtung. Für den Osten bedeutet dies einen Abwanderungsverlust von 850 000 Menschen. Gleichzeitig werden die Menschen immer älter. Von 1990 bis 2002 hat zum Beispiel die Zahl Brandenburger, die 65 Jahre oder älter waren, um 126 000 auf 440 000 Personen (plus 40 Prozent) zugenommen. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung stieg im gleichen Zeitraum von zwölf auf 17 Prozent. Im Jahr 2020 wird bereits jeder Vierte zu den Senioren zählen. Zudem hat Brandenburg mit einem Geburtendefizit von 40 bis 50 Prozent unter dem Niveau zu kämpfen, das für eine stabile Bevölkerungsentwicklung erforderlich wäre.

Geringere Beiträge in den Rentenkassen

Die Folgen dieser Entwicklung stimmen wenig optimistisch. Der Rückgang der Zahl der Erwerbstätigen führt zu geringeren Beitragszahlungen in die Rentenkassen. Gleichzeitig steigen die Ausgaben durch Erhöhung der Renten und längere Bezugsdauer erheblich.

Die Einwohnerzahl ist zudem Maßstab der Einnahmen im bundesstaatlichen Finanzausgleich. Jeder Einwohner weniger bedeutet für Brandenburg rund 2300 Euro weniger Einnahmen. Der prognostizierte Rückgang der Einwohnerzahl Brandenburgs um 170 000 wird mit deutlichen Mindereinnahmen für das Land einhergehen. Im Länderfinanzausgleich könnten Brandenburg so bis 2019 über 400 Millionen Euro weniger zur Verfügung stehen.

Öffentliche und private Dienstleistungen ziehen sich zurück. Ein Fachkräftemangel ist die Folge. Der massive Wegzug aufgrund fehlender Perspektiven wird sich negativ auf die Infrastruktur auswirken, beispielsweise durch Wohnungsleerstand und höhere Preise in der Ver- und Entsorgungs- Infrastruktur.

Der demografische Wandel birgt aber auch Chancen in sich. Seit zwei Jahrzehnten ist Brandenburg mit der Bewältigung dieser Probleme beschäftigt und hat ein Maßnahmenprogramm erarbeitet, das den Geburtenrückgang stoppen soll. Erklärtes Ziel ist, die Bevölkerung für die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft und den Wert von Kindern zu sensibilisieren. Mehr Familienfreundlichkeit will man unter anderem durch ein Kinder- oder Familienwahlrecht und kinderbezogene Anreize in den Steuer- und Sozialsystemen schaffen. Die Lebensphase vor der Familiengründung soll verkürzt und familiennahe Dienstleistungen geschaffen werden.

Bürgernahe Politik und Entbürokratisierung

Unterstützungssysteme wie die lokalen Bündnisse für die Familien gewinnen an Bedeutung. Die Abwanderung soll gestoppt und Zuwanderer gewonnen werden. Förderungen, Dienstleistungen und Investitionen will man bündeln und die Verwaltung durch einen dezentralen, mobilen Service bürgernah gestalten. Städte sollen an andere Nutzungsansprüche angepasst werden. Wachstumsfesseln will man durch die Entbürokratisierungen lösen und so Innovation in den neuen Bundesländern fördern.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 11 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 16.03.2006

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