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Aus der Region

Entscheidung für die Freiheit

Pater Aurelius Arkenau, ein bodenständiger Katholik im Leipziger Widerstand

Prior Pater Damian Meyer freute sich über den Besuch der Schülerinnen und Schüler, die sich über den Widerstand von Pater Aurelius Arkenau informierten. Foto: H. Jakobi Leipzig - An ihn erinnern eine Gedenktafel, ein Platz und das Gästehaus der Dominikaner: Pater Aurelius Arkenau war ein Mann, der sich in schwerer Zeit auf die Seite der Freiheit und Menschenwürde stellte. Entscheidungen, die ihn Vorbild sein lassen.

"Ziel unseres Projektes ist es, die Schülerinnen und Schüler zu befähigen, selbst Zivilcourage zu entwickeln und im Alltag zu zeigen", betont Frank Kimmerle vom Erich-Zeigner-Haus in Leipzig. Zusammen mit einer Gruppe von Achtklässlern der 20. Mittelschule besuchte er kürzlich den Leipziger Dominikaner-Konvent, um sich hier mit Prior Pater Damian Meyer auf die Spuren von Pater Aurelius Arkenau zu begeben.

Aurelius Arkenau war ein Mann, dessen kompromisslose Entscheidung für das Leben über 100 Verfolgten in der Nazizeit das Leben rettete. Sie wurden versteckt, mit falschen Papieren und Lebensmitteln versorgt und möglichst sicher weitergeleitet. Dabei stand er nicht alleine. Pater Aurelius brauchte und suchte Hilfe. So die der Gemeindeschwester Hildegard Kühnel, die des Sozialdemokraten Erich Zeigner, die des Kommunisten und Arztes Dr. Karl Gelbke … Geholfen wurde ohne Ansehen der Person, Weltanschauung und Religion spielten keine Rolle.

Einer, der die Hilfe von Pater Arkenau erfahren hatte, ist Richard Leibel. Zusammen mit seiner jüdischen Mutter Käthe fand er zunächst im Pfarrhaus Unterschlupf, wo er von Pater Arkenau übrigens auf Wunsch der Mutter getauft wurde. Taufpate war Erich Zeigner. Richard und Käthe Leibel haben mit der Hilfe Pater Arkenaus überlebt.

Das Hauptmotiv für seinen Widerstand war nicht ein unmittelbar religiöses, sondern ein sehr menschliches. Pater Aurelius sagte einmal: "Ich habe die Nazis gehasst; etwas Wagemut und Abenteuerlust waren gewiss auch dabei." Dabei war der bodenständigen Priester mit seinen oldenburgischen Wurzeln kein Widerstandskämpfer der ersten Stunde. Seine tiefe konservative Haltung ließ ihn nach 1933 zuerst hoffen, dass mit Hitler in Deutschland einiges besser würde. Doch in Berlin musste Arkenau mit ansehen, wie sich das wahre Gesicht des Regimes zeigte: Verfolgung von Juden und Andersdenkenden, Verhaftungen, Folter, Konzentrationslager, die Programnacht … Und schließlich beobachtete der Dominikaner 1941 auf dem Magdeburger Bahnhof, wie jüdische Mitbürger in den Deportationszug gefercht wurden. All dies veränderte Arkenau und er entschied sich, für die Menschenwürde, für das Recht des Menschen auf Leben und Freiheit. Seine oldenburgische Art kam ihm dabei zu Hilfe, er fragte nicht viel sondern handelte.

Und obwohl Pater Aurelius über 20 Mal von der Gestapo verhört und auch geschlagen wurde, gelang es ihm immer, sich selbst und seine Mitstreiter zu schützen. Wie durch ein Wunder wurde keiner aus der Leipziger Gruppe verhaftet. Alle überlebten. Pater Arkenau, der nach dem Zweiten Weltkrieg die Leipziger CDU mitbegründete, verstarb im Jahr 1991.

Pater Aurelius Arkenau gehört zu den Menschen, die in ihrer geradlinigen und humanen Art Vorbilder für die Zukunft sind. Seit 1996 steht sein Name auf der Memorial-Wall im "Garten der Gerechten" in Yad Vashem (Jerusalem).

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 10 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 09.03.2006

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