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Bistum Dresden-Meißen

Klare Sicht

Einstimmung auf die Fastenzeit in der Wüste

Unvergessliche Eindrücke: Claudia Kern machte Exerzitien in einer der schönsten Wüsten der Welt. Foto: Claudia Henzler Dresden - Die Wüste spielt in der christlichen Fastenzeit eine große Rolle, als Sinnbild und historischer Bezugspunkt. Claudia Kern, Pressereferentin des Caritas-Diözesanverbands Dresden–Meißen, hat sich mit einer ganz realen Wüstenwanderung auf die diesjährige Fastenzeit eingestimmt.

"Die äußere Kargheit hat mich zu innerer Klarheit geführt", bringt Claudia Kern (29) aus Heidenau ihre Wüsten-Erfahrung auf den Punkt. Mit einer deutsch-französischen Gruppe, organisiert von der geistlichen Gemeinschaft Emmanuel, durchwanderte sie zehn Tage lang die Wüste Sinai.

Zumeist schweigend lief sie gemeinsam mit den anderen deutschsprachigen Pilgern jeden Tag vier bis sechs Stunden langunter Führung eines Beduinen durch die eindrucksvolle ägyptische Felsenlandschaft. Auf dem Rücken hatte sie nur das Tagesgepäck, den Rest trugen Kamele. Darüber war sie besonders froh auf den Wegstrecken mit Sanduntergrund, auf denen sie das Gefühl hatte, drei Schritte zu machen, bevor sie einen vorwärts kam. Die Nächte verbrachte sie, in warme Schlafsäcke gehüllt, unter freiem Sternenhimmel.

Die Tage begannen mit einem Frühstück aus einfachem, von Beduinen gebackenem Brot. Im Lauf des Vormittags gaben ein geistlicher Impuls zu einem biblischen Thema und eine heilige Messe, die an einem besonders schönen Platz gefeiert wurde, Nahrung für die Seele.

Dass Sinai eine der schönsten Wüsten der Welt ist, wusste Claudia Kern vorher. Diese Schönheit aber mit allen Sinnen zu erleben, versetzte sie so sehr in Staunen, dass sie einige Zeit brauchte, um innerlich zur Ruhe zu kommen. Sie folgte der Empfehlung der geistlichen Leiter, die vor allem in der byzantinischen Kirche verankerte Gebetsform des Herzens- oder Jesusgebets einzuüben und sich einen kurzen, den Tag über immer wiederholten Gebetssatz auszuwählen. "Jesus Christus, ich vertraue dir!", hieß der Satz, für den sich die Heidenauerin entschied. "Diese Erfahrung habe ich mir mit nach Hause genommen", erzählt die junge Frau. Die Wüstentage waren bewusst so gestaltet, dass die Teilnehmer nur wenige Informationen erhielten: Sie wussten weder über den Verlauf der Strecke noch über das geplante Tagesthema Bescheid, und da sie auf ihre Uhren verzichtet hatten, fehlte ihnen auch die gewohnte Zeitorientierung. Auf die eigenen Kräfte und Fähigkeiten zu vertrauen, wäre in dieser Situation ohnehin aussichtslos gewesen. Besonders eindrücklich war für Claudia Kern ein Erlebnis am vorletzten Tag der Reise, als eine Tour auf den Berg Sinai auf dem Programm stand. Während des Abstiegs nach Sonnenuntergang fand sie sich plötzlich ganz allein, in völliger Dunkelheit, ihre Stirnlampe ließ sie nur die nächsten fünf Meter des Weges überblicken. "Ich konnte das gut auf mein geistliches Leben übertragen", erinnert sie sich. "Ich muss nicht wissen, was in einigen Jahren sein wird. Ich darf darauf vertrauen, dass Gott mich die Dinge verstehen lässt, die für mein Leben notwendig sind."

Wüste bedeutete für sie, intensiver als sie das bisher als Teilnehmerin "klassischer" Exerzitien erlebt hatte, immer wieder auf das Wesentliche gestoßen zu werden. Dort, wo es um Leben oder Tod gehe, erscheine manche Schwierigkeit des Alltags kleiner und lösbarer. "Man lernt sich selbst besser kennen, entdeckt dabei allerdings nicht nur Dinge, die man schätzt", sagt sie.

Zur Gemeinschaft Emmanuel, die den "Wüstentrip" organisiert hatte, gehört Claudia Kern seit drei Jahren, bisher als einziges Mitglied aus dem Bistum Dresden–Meißen. Kennen gelernt hatte sie die Gemeinschaft 1997, als sie sich ihrer Reiseguppe zum Weltjugendtag in Paris anschloss. "Früher bin ich an das Christentum eher verkopft herangegangen", beschreibt sie. Emmanuel erschloss sich ihr als Weg, eine persönliche, über die Verstandesebene hinausreichende Beziehung mit Gott zu pfl egen.

Die französischen Mitglieder laden zu der jährlichen Sinai-Tour bereits zum achten Mal ein. Neu in diesem Jahr war, dass sich unter den 120 Pilgern 30 deutschsprachige befanden. Im nächsten Jahr soll es eine Wiederholung geben.



Hintergund - Gemeinschaft Emmanuel

Die Gemeinschaft Emmanuel entstand Anfang der 70er Jahre in Paris und ist seit 1992 päpstlich anerkannt. Zur Gemeinschaft gehören Gläubige aller Lebensstände. Die Spiritualität stützt sich auf drei Säulen: Anbetung, Mitleid mit der Welt und Jesus, Evangelisation. In über 70 Ländern gehören rund 7000 Mitglieder zur Gemeinschaft, davon etwa 300 in Deutschland. In Dresden gestalten Emmanuel- Mitglieder seit mehreren Jahren in einer Gemeinde die "Nacht der offenen Kirchen" mit.



Infos
Interessenten an den Wüstenexerzitien 2007 im Alter von 18 bis 30 Jahren können sich bei Kaplan Andreas Schmidt informieren:
Hörwarthstraße 3
80804 München
Tel. (089) - 3 68 86 54 15
Email: ASchmidt@erzbistum-muenchen.de
Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 9 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 02.03.2006

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