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Anstoß

Fröhlichkeit gehört zum Christentum

Gedanken zu Fasching und Karneval

Martin Weber

Karneval und der christliche Spaß an der Freude? "Irgendwie ist das mit dem Karneval doch ein komischer Brauch, auf den ich leicht und locker verzichten könnte", sagte mir neulich ein Gemeindemitglied als wir nach der Krankenkommunion noch etwas miteinander plauderten. Ich widersprach in diesem Moment nicht. Vielleicht lag das daran, dass ich nicht unbedingt aus einer Karnevalshochburg komme, und in meiner Familie die närrische Jahreszeit doch eher zurückhaltend aufgenommen wurde. Doch auf meiner Rückfahrt ins Pfarrhaus kam ich dann ins Grübeln. Warum sollen die Menschen nicht einmal im Jahr so richtig ausgelassen und lustig sein können? Sind Freude und Humor nicht eigentlich sehr christliche Tugenden?

In der Bibel, genauer im Buch der Sprichwörter des Alten Testaments, können wir zum Beispiel lesen: "Ein fröhliches Herz tut dem Leib wohl, / ein bedrücktes Gemüt lässt die Glieder verdorren" (Sprüche 17, 22). Und nicht zuletzt dachte ich mir: Du bist ja Priester des Oratoriums des heiligen Philipp Neri, einer Gemeinschaft, dessen Gründer auch der "Spaßvogel Gottes" und der "Mystiker im Narrenkleid" genannt wird.

In den kommenden Tagen nähern wir uns dem Höhepunkt der Karnevalszeit. Die Freude wird in dieser Zeit groß geschrieben. Und damit sie nicht zu kurz kommt, nehmen sogar manche Leute am Rosenmontag und Fastnachtsdienstag Urlaub. Und diesen Menschen wollte unser Gemeindemitglied bestimmt nicht die Stimmung vermiesen. Sein beiläufig dahingesagter Satz vom "komischen Brauch des Karnevals" war sicher seiner momentanen Situation geschuldet, in der der diesjährige Fasching natürlich als reine Nebensächlichkeit erscheinen musste.

Die heute oft beschworene Spaßgesellschaft konnte unser Gemeindemitglied auch nicht im Sinn gehabt haben, da ich ihn bei einem meiner späteren Besuche darauf angesprochen habe. Im Gegenteil: Er wusste sehr genau "Spaß" und "Freude" zu unterscheiden und sagte mir mit dem ihm eigenen trockenen Humor: "Der Spaß geht schnell vorüber, die Freude währt länger und reicht viel tiefer". Damit hatte er den Nagel auf dem Kopf getroffen. Denn die Freude und die Fröhlichkeit sind für das Christentum tatsächlich etwas Zentrales und keine Nebensächlichkeit.

Der berühmte Urwalddoktor, Theologe und Musiker Albert Schweitzer drückte es einmal so aus: "Fröhlichkeit gehört zum Christentum wie der Duft zu einer Blume". Auch der heilige Franz von Assisi legte aus einem ganz bestimmten Grund großen Wert auf die Fröhlichkeit: Das sicherste Mittel gegen die tausend Schlichen und Fallen des Bösen, so versicherte der Heilige, sei nämlich die Fröhlichkeit des Geistes.

Mit dem Aschermittwoch wird also nicht die Freude auf Eis gelegt – sozusagen konserviert bis zum nächsten Mal. Diese Freude soll auch dann noch da sein, wenn Schwierigkeiten und Probleme auftreten, wenn die Tretmühle des Alltags scheinbar alle Freude am Dasein nimmt. Wahrscheinlich ist es sogar richtig, den Begriff der Freude allgemeiner zu sehen. Christliche Freude ist mehr als Fröhlichsein, sie umfasst Hoffnung und Gelassenheit in Bezug auf die Dinge dieser Welt.

Christliche Freude ist in Christus begründet und trägt auch in "schlechten" Zeiten. Eine in den Herausforderungen des Lebens gereifte Freude kann für uns zur bestimmenden Kraft werden, springt auf die anderen Menschen über und schenkt ihnen Zuversicht. Und diese im Herzen wachsende Freude wünschen wir uns als Christen durch das ganz Jahr.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 8 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 22.02.2006

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