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Bistum Magdeburg

Immer Block und Stift bereit

Im Naumburger Luisenhaus gibt es einen Kreis "Schreibender Senioren"

Der Kreis 'Schreibender Senioren' im Naumburger Luisenhaus mit dessen Geschäftsführer Wolfgang Plehn (links). Foto: Kirsten Anders Naumburg - Seit zehn Jahren treffen sich die "Schreibenden Senioren" im Naumburger Luisenhaus, einer Einrichtung der Caritas.

"Auf meinem Nachttisch liegen immer Block und Stift bereit", erzählt Charlotte Kellner. So können alle Gedanken gleich festgehalten werden. "Das Schreiben brauch’ ich einfach", sagt sie. Um ein Forum zu haben, in dem die eigenen Schreibversuche ausgetauscht werden können, schloss sie sich vor zehn Jahren mit einigen Gleichgesinnten zusammen. Die "Schreibenden Senioren" waren geboren. Alle zwei Wochen treffen sie sich im Naumburger Luisenhaus, einem Caritas-Pflegeheim mit angegliederten Begegnungsund Bildungsangeboten für Senioren.

Schnell entstand eine harmonische Gruppe

Auch nach zehn Jahren hat sich an der Schreibbegeisterung Charlotte Kellners nichts geändert. Insgesamt sieben der neun Mitglieder der "Schreibenden Senioren" sitzen an diesem Nachmittag im Luisenhaus zusammen, als Gisela Winkler, ebenfalls Gründungsmitglied, alle zum 215. Treffen begrüßt. Sie erinnert sich noch gut an die erste Zusammenkunft. "Die anderen können sicher mehr, dachte sich so mancher damals", erzählt sie heute. Doch alle Befürchtungen waren unbegründet. Schnell entstand eine harmonische Gruppe. "Hier kann man auch sein Herz ausschütten und ins Private gehen", berichtet Gisela Winkler.

Winkler. Vielen hat das Schreiben schon über persönliche Schicksalsschläge hinweggeholfen. Auch andere Erlebnisse können schreibend verarbeitet werden. "Wir sind ja aus einer Generation, die viel Schlimmes erlebt hat, Kriegserlebnisse oder in der Nachkriegszeit. Das zu Papier zu bringen ist schon eine Befreiung", erzählt Ursula von Behr.

Die Motive für das Schreiben sind so unterschiedlich wie die Gedanken selbst: "Ich schreibe für mich, möchte aber auch anderen damit eine Freude bereiten", sagt Hannelore Ackermann, die sich gerade erstmals an einem Krimi versucht. Vielen ist es vor allem ein Anliegen, ihre Eindrücke und Erlebnisse der eigenen Familie, den Kindern und Enkelkindern weiterzugeben. Doch nicht nur Erinnerungen werden aufgeschrieben. Den Stoffen und literarischen Formen sind bei den "Schreibenden Senioren" keine Grenzen gesetzt. So entstehen Gedichte, Erzählungen zu den unterschiedlichsten Themen, Bildbetrachtungen oder Briefe. "Die Schreibweisen sind dabei sehr unterschiedlich, doch das ist gerade das Interessante", meint Ursula von Behr.

Geschichten und Gedichte im Buchhandel

Mittlerweile schreiben die Senioren schon lange nicht mehr nur für die Schublade. Viele bunte professionell gebundene Hefte bedecken heute den Tisch, ob mit Liebesgeschichten, heiteren Geschichten oder Gedanken zum "Unterwegs-Sein". Die Burgenlandgeschichten und Gedichte sind heute sogar im Buchhandel erhältlich. Auch eine Chronik der "Schreibenden Senioren" existiert. Und als Gisela Winkler die Seiten der Aufzeichnungen durchblättert, werden viele Erinnerungen wach: ob die Lesung zusammen mit Schülern der Georgenschule oder der literarische Nachmittag auf dem Max-Klinger-Weinberg.

Vieles haben die "Schreibenden Senioren" in den vergangenen zehn Jahren erlebt und über viele Themen haben sie schon geschrieben, doch die Ideen gehen ihnen nicht aus: "Wir schreiben weiter", sind sich alle einig.

Wer die "Schreibenden Senioren" bei einer Lesung erleben will, hat dazu bald Gelegenheit. Am 6. März um 19 Uhr lesen sie Burgenlandgeschichten in der Stadtbibliothek in Naumburg. Das nächste Treffen findet am 27. Februar statt. Interessierte und Gäste sind willkommen.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 7 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 16.02.2006

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