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Bistum Görlitz

Wichtige Stimme verloren

Das Görlitzer Büro des Familienbundes der Katholiken in Sachsen hat seine Arbeit eingestellt

Christoph Kilian leitete über zehn Jahre das sächsiche Büro des Familienbundes der Katholiken in Görlitz. Foto: Andreas Schuppert Görlitz - Nach über zehn Jahren hat das Büro des Familienbundes in Görlitz zum 1. Februar seine Arbeit beendet. Die Finanzierung war langfristig nicht mehr gesichert.

Die Telefonleitungen sind gekappt, auf dem Fußboden stehen die letzten Aktenordner. Christoph Kilian sichert noch ein paar Dateien im Büro des Familienbundes der Katholiken auf dem Görlitzer Mühlweg. Rund zehn Jahre hat er die Geschäfte des sächsischen Landesverbandes hier geführt. Seit dem 1. Februar ist damit offiziell Schluss. "Es herrscht Aufbruchsstimmung", sagt Kilian. Positiv ist das nicht gemeint. Denn mit der Schließung des Büros geht nach Auffassung des gelernten Musikers eine wichtige christliche Stimme für die Familien in der Region verloren.

Was der Familienbund in Görlitz geleistet hat, zeigt ein Blick in den Geschäftsbericht des vergangenen Jahres. Der Verband habe nicht nur die 58 Mitgliedsfamilien in Sachsen betreut, sondern auch wichtige politische Arbeit geleistet, meint Kilian. Angefangen von Initiativen zur Vorbereitung des Kita-Gesetzes, des Landeserziehungsgeldes sowie bildungspolitische Einflussnahme bis hin zur Mitarbeit in den verschiedensten Gremien. "Eine wichtige Lobbyarbeit für die Familien, die jetzt ersatzlos wegbricht", wie sich Kilian ausdrückt. Zwar gebe es im Verband Wiederbelebungsversuche. Sehr optimistisch, dass es klappt, ist der frühere Geschäftsführer allerdings nicht.

Immer weniger Mittel geflossen

Die Arbeit des Familienbundes scheiterte an der Finanzierung. Die Reduzierung von Landesmitteln und die Erhöhung der notwendigen Eigenmittel auf 20 Prozent sind die Hauptursachen für die Finanzkrise, erklärt Kilian. Zudem würden die Einnahmen aus der Familienferienförderung (Bearbeitungspauschalen) nicht mehr als Eigenmittel bei staatlichen Stellen akzeptiert. Bereits im Juni vergangenen Jahres habe man beide Arbeitsstellen kündigen müssen, um die Fristen einzuhalten und um eine drohende Insolvenz zu vermeiden. Obwohl der Verband für ganz Sachsen arbeitete und auch für die Familien in Dresden, Chemnitz, Leipzig und dem Zittauer Land zuständig war, habe lediglich das Bistum Görlitz den Familienbund kontinuierlich unterstützt. Aus dem Bistum Dresden- Meißen hat es eine einmalige Zahlung gegeben.

Versuche, das Görlitzer Büro des Familienbundes zu retten, gab es genug, waren am Ende sogar Chefsache. Sowohl die Präsidentin des Bundesverbandes, Elisabeth Bußmann, als auch der Vize-Präsident, der Görlitzer Michael Hannich, haben sich bei politischen und kirchlichen Stellen für den Erhalt stark gemacht. Manche Briefe blieben allerdings unbeantwortet.

So musste sich der Vorstand schweren Herzens entscheiden, das Büro aufzugeben. Für Christoph Kilian geht es dabei um mehr als um seinen Arbeitsplatz. Mit Lippenbekenntnissen für die Familien sei man heute schnell. "Die Realität sieht aber oft anders aus." Dass die Arbeit seines Büros in dieser Weise beendet werden musste, sei ein herber Rückschlag für die christliche Familienarbeit.

Ausbaden müssen das vor allem die sächsischen Mitglieder, die im Bundesland nicht mal mehr einen verlässlichen Ansprechpartner haben, denn die Koordination der Verbandsarbeit und die Betreuung der Mitglieder gehörte zu den Aufgaben des Görlitzer Büros.

Ferienförderung übernimmt die Caritas

Einen schwachen Trost gibt es aber. Die bisherige Mitarbeiterin des Familienbundes, Regina Liepert, die sich unter anderem um die Ferienförderung von sozial schwachen Familien in Sachsen und Brandenburg kümmerte, kann in geringfügiger Beschäftigung diese Arbeit bei der Caritas in Görlitz weiterführen. Der Bedarf ist auch hier enorm: Rund 600 Anträge auf Ferienförderung sind im letzten Jahr beim Familienbund gestellt worden. Christoph Kilian ist froh, dass das nicht auch noch zu Ende ist.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 7 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 16.02.2006

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