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Bistum Erfurt

Beispiel gelebter Barmherzigkeit

Vorbereitung zur Radegundis-Ausstellung in Erfurt

Der Entwurf des Ausstellungsplakates: Symbolisch wird an die Weiblichkeit Radegundes und ihr bewegtes Leben erinnert. Erfurt - Ausstellungen im Erfurter Stadtmuseum greifen immer wieder kirchliche Themen auf. So wird nach Meister Eckhart und dem heiligen Bonifatius nun an einer Ausstellung über die heilige Radegunde gearbeitet.

"In Frankreich ist Radegunde populär bis heute. Leider aber nicht bei uns, hier in ihrer Heimat Thüringen. Aber das wird ab September anders", berichtet Harry Eidam, der Direktor des Erfurter Stadtmuseums "Haus am Stockfisch". Das Team um Harry Eidam arbeitet derzeit an der Vorbereitung einer Ausstellung, die ab 24. September ganz der heiligen Radegunde gewidmet sein wird. Auf zwei Etagen des Museums wird es dann heißen: "Radegunde: Gefangene, Königin, Heilige / Ein Frauenschicksal zwischen Gewalt und Askese".

Radegunde setzte sich in einer Männerwelt durch

Harry Eidam ist mit dem Titel zufrieden. Er ist modern und schlagkräftig und gemeinsam mit einem ausdrucksstarken Poster soll so für die Schau geworben werden. Dabei sind es drei Punkte, an die das Poster erinnert. Zum einen an die Weiblichkeit Radegundes mit dem Strahlenkranz und dem unteren Kreuz. Eine Weiblichkeit, die sich in einer von Gewalt geprägten Männerwelt durchzusetzen wusste. Das Kreuz – im Bild das originale, von Radegunde benutzte – versinnbildlicht die Spiritualität der Heiligen. Und die Ketten im Hintergrund greifen die Brutalität der Zeit auf. Sie erinnern daran, dass Radegunde als Gefangene aus ihrer Heimat Thüringen nach Frankreich verschleppt wurde.

"Woher kommen unsere Werte eigentlich?"

Der Direktor des Erfurter Museums sieht in der großen Heiligen einen Brückenschlag zwischen Deutschland und Frankreich. Zudem lade die Beschäftigung mit ihrem Leben und Wirken dazu ein, wieder neu auf die christlichen Grundlagen Europas zu sehen. "Gerade in einer Zeit, in der so viel über einen Wertekanon gestritten wird, ist es einfach wichtig, zu wissen, woher kommen unsere Werte eigentlich. Und Radegunde ist eine Frau, die ganz am Anfang stand", betont Harry Eidam. Von ihrem Leben, ihrem Beispiel der gelebten Barmherzigkeit könne eine moderne Gesellschaft nur profitieren.

Wie die Ausstellung im Detail aufgebaut wird, ist noch geheim. Es soll, so der Direktor, für alle eine Überraschung werden. Informiert wurde aber bereits über einzelne Ausstellungsobjekte. Harry Ei-dam: "Absolute Highlights werden das Kreuz der Radegunde aus dem Kloster in Poitiers, der Schmuck der Arnegunde aus dem Pariser Louvre und der so genannte Ambrosius-Codex aus sein." Der Codex – ein Katechismus, der auch Radegunde bekannt gewesen sein muss – wird vom Benediktinerstift St. Paul in Österreich zur Verfügung gestellt.

Im März werden die Verantwortlichen für die Ausstellung erneut nach Poitiers reisen. Harry Eidam ist dankbar für die guten Kontakte und die Zusammenarbeit. In der Heimat dankt er besonders der Stadt Erfurt, dem Kultusministerium sowie weiteren Sponsoren aus dem Bereich der Wirtschaft, ohne deren Engagement eine solche Ausstellung einfach nicht möglich wäre.

Und mit Blick auf das im November beginnende Elisabeth- Jahr betont der Museumsleiter: "Ich finde, es tut Thüringen gut, diese beiden großen Frauen neu zu entdecken!"



Stichwort - Die heilige Radegunde

Radegunde (518 bis 587) lebte in einer geistes- und weltgeschichtlich bewegten Zeit. Es war die Epoche, als sich die germanischen Stämme der Völkerwanderungszeit in der Auseinandersetzung mit der Spätantike und unter Mitwirkung des Christentums anschickten, die politische und kulturelle Nachfolge des römischen Reiches anzutreten. In diesem Prozess entwickelten sich die Franken zur politisch bestimmenden Kraft. Prinzessin Radegunde kam nach dem Untergang des Thüringer Reiches und dem Tod ihres Vaters Bertachar als Gefangene nach Frankreich. 540 heiratete sie dort unter Zwang König Chlothar I., einen brutalen Herrscher der Zeit. Als dieser ihren Bruder ermorden ließ, weigerte sich Radegunde, weiter am Hofe zu leben. Sie vollzog mit ihrem Einritt ins Kloster die Trennung vom König. In Poitiers gründete Radegunde das Kloster Sainte-Croix, in dem sie selbst bis zu ihren Tode lebte. Radegunde setzte sich für die Armen ihrer Zeit ein und bildete mit ihrer Gemeinschaft ein Gegenmodell zu Gewalt und Zwang. Bis heute ist sie in Frankreich sehr populär. So beispielweise bei Schulkindern, die sie mit Blick auf schlechte Zeugnisse um ihre Fürsprache bitten. Radegunde ist auch Patronin der Töpfer und Weber.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 7 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 16.02.2006

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