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Aus der Region

Ein neues Bewußtsein

Brandenburger Jugend und ihre Werte

Potsdam - Grundwerte wie Familie und Friedfertigkeit sind unter jungen Leuten wieder stärker gefragt. Dies ermittelte die Studie "Jugend in Brandenburg". Die Bedeutung der Religion blieb jedoch außen vor.

Ein Bedeutungszuwachs der Familie, eine größere Motivation zu sozialem Engagement und eine Wertsteigerung der christlichen Grundüberzeugungen von Toleranz, Friedfertigkeit und Zivilcourage – die Studie "Jugend in Brandenburg" stellt eine Trendwende in der Werteorientierung junger Menschen fest. Demnach stuften im Vergleich zu 1999 wieder mehr der knapp 3400 befragten Jugendlichen die Gründung einer Familie und für andere da zu sein als persönlich "sehr bedeutsame" Lebensziele ein. Den ersten Rangplatz belegte indes der Wunsch nach einem erfüllenden Job. Der Wert "Arbeit" rangiert damit weit vor dem Ziel, das Leben ohne Anstrengungen zu genießen.

Für Brandenburgs Jugendminister Holger Rupprecht ist die Studie der Beweis, "dass wir uns auf unsere Jugendlichen verlassen können. Wir müssen den Jugendlichen das Gefühl vermitteln, dass sie einen richtigen Weg gehen, auf dem sie von den Erwachsenen solidarisch begleitet und ernst genommen werden."

Familie hilft über Sinnkrisen hinweg

Das bedeutet auch, junge Menschen mehr an Entscheidungen, die ihre Belange berühren, zu beteiligen. Denn sie empfinden in Brandenburg wieder mehr, dass eigene Anstrengungen helfen, Lebensziele zu verwirklichen. So fördert Leistungsbereitschaft zum Beispiel Zukunftsoptimismus.

Weiterhin zeigt die Untersuchung einen rückläufigen Trend rechtsextremer Orientierungen, eine Abnahme ausländerfeindlicher Einstellungen und eine gestiegene Schulmotivation. Bemerkenswert ist dabei auch der Zuwachs an Jugendlichen, die Gewalt absolut ablehnen. Couragiertes Einschreiten gegen Gewalt gewinnt unter Brandenburgs Jugendlichen mehr und mehr an Bedeutung. Neun Prozent mehr im Vergleich zu 1999 befürworten Friedfertigkeit und bekunden dies auch gegenüber ihren Mitschülern.

"Diesen Mentalitätswandel hat auch das Engagement der Kirchen, insbesondere im Kampf gegen Rassismus und Gewalt mitbewirkt", ist sich Professor Dietmar Sturzbecher, Leiter des Instituts für angewandte Familien-, Kindheits- und Jugendforschung an der Universität Potsdam, sicher. Zudem spricht er sozialen Netzwerken eine bedeutende Rolle zu. Die Familie als geistiges und moralisches Band sei nach dem Ende der DDR immer wichtiger geworden, um Sinnkrisen wie auch Probleme erfolgreich zu bewältigen. So boten Familien zu allen Zeiten emotionale und materielle Absicherung und Gemeinschaft.

Die Bedeutung von Religion wurde nicht erfragt

Die Studie "Jugend in Brandenburg" wurde 1991 mit dem Ziel begründet, um Tendenzen und Ursachen hinsichtlich der Phänomene "Jugendgewalt" und "Politischer Extremismus" zu beschreiben. So bezieht sie sich auf die Politik des Landes Brandenburg, insbesondere im Bereich der Bildung.

Eine Beziehung zu der Aufwertung des Religionsunterrichts in Brandenburg gegenüber dem Schulfach "Lebensgestaltung– Ethik–Religionskunde" (LER) wird allerdings nicht hergestellt. Somit lässt die Studie einen Zusammenhang zwischen dem Bekenntnis zu christlichen Handlungsmotiven und den steigenden Teilnehmerzahlen am Religionsunterricht unbeantwortet.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 7 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 16.02.2006

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