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Hinwendung zu jedem Kind notwendig

Referentin für Kinderseelsorge Rost bekommt neue Aufgabe in Freiberg

Zehn Jahre im Bischöflichen Ordinariat: Ursula Rost Dresden (jak) - Mit der kommenden Kinderwallfahrt am 4. August nach Wechselburg endet für Ursula Rost ihre Tätigkeit als Referentin für die Kinderseelsorge. In den vergangenen zehn Jahren hatte sie dieses Amt inne und konnte manches in Bewegung bringen. Nun wird sie Gemeindereferentin in Freiberg, ihre Nachfolge im Bischöflichen Ordinariat tritt Annette Kanzler, bisher Gemeindereferentin in Bischofswerda an.
Im Laufe ihrer Tätigkeit in der Kinderpastoral waren ihr die gemeinsamen Tage mit den Mädchen und Jungen, die Familientage und die verschiedenen Fortbildungen für Eltern und Mitarbeiter in den Gemeinden besonders wichtig. Doch der Reihe nach. Ein Beispiel ihrer Tätigkeit waren die Religiösen Kinderwochen im Schmiedeberger Winfriedhaus. Sie wurden für Kinder durchgeführt, die in ihren Heimatgemeinden keine Möglichkeit hatten an einer RKW teilzunehmen. Ursula Rost machte dabei und bei anderen Fahrten die Erfahrung, dass es wichtig ist, mit den Kindern in den einzelnen Stationen eines Tages zu leben. Die Chance des Verreisens wird inzwischen auch von zahlreichen Pfarrgemeinden genutzt. Das, so Ursula Rost, ist gut so, auch wenn es nur für ein verlängertes Wochenende ist. Sie selbst leitet unter anderem Schülerfreizeiten, Ministrantentage und Angebote für die siebenten und achten Klassen.
Als durchaus positiv bezeichnet sie auch die Familientage- und -kurse, die sie zusammen mit Ordinariatsrätin Barbara Köhler im Bischof-Benno-Haus Schmochtitz oder mit anderen in den Gemeinden und Dekanaten durchführte. Dabei gab es ein Programm für die Erwachsenen und eines für die Kinder. Ursula Rost betont an dieser Stelle: "Wir stürzen uns viel zu sehr auf die Kinder und vergessen dabei oft die Eltern. Elternarbeit halte ich aber für besonders wichtig." Mit den Familientagen sollte hier ein Ausgleich hergestellt werden. Aus ihrer Erfahrung weiß sie, dass die Eltern dankbar sind für Hilfen. Andererseits ist es schwer, sie allein für Themen des Glaubens und der religiösen Weiterbildung zu begeistern. Finden die Tage aber mit den Kindern statt, dann ist vieles leichter. Ursula Rost berichtet, dass sich viele Eltern mit der Glaubensweitergabe überfordert fühlen. Alltägliche Rituale - wie das Beten bei Tisch - sind längst keine Selbstverständlichkeit mehr, ja viele Familien essen gar nicht mehr gemeinsam. Gerade diesen Eltern , die oft in ihre berufliche Tätigkeit eingespannt sind, wollte sie Hilfen anbieten. So beim Finden von Ritualen, die die Weitergabe des Glaubens erleichtern. Zugleich machte sie immer die Erfahrung, dass die Sehnsucht nach Kontakten und Gemeinschaft groß ist. Vor allem Eltern aus kleinen Gemeinden sind froh, auf Dekanatsebene mit anderen Müttern und Vätern in Berührung zu kommen. Ohne ein gemeinsames Tun hätten sie sich jedoch nie kennengelernt. Viel konnte inwischen in Bewegung gebracht werden, wobei die Initiativen oft vor Ort entstanden. So war Meißen das erste Dekanat, das mit einem Kreis von Eltern angefangen hatte, die sich in der Kinderpastoral engagierten. Ein anderes Beispiel ist Chemnitz, auch dort gibt es einen Kreis, der sich regelmäßig trifft.

Für Ursula Rost war klar, dass auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter nicht allein gelassen werden dürfen. Neben zentralen Angeboten in Schmochtitz fuhr sie immer wieder vor Ort - Gemeinde- oder Dekanatsebene - ,um an einem Tag oder an einem Abend Wissen und Möglichkeiten weiterzugeben. Die regionalen Angebote machten sich notwendig, da es vielen nicht möglich ist, sich für ein ganzes Wochenende frei zu nehmen.

Als schwierig empfindet es die scheidende Referentin, dass sich die Kinder verändert haben. Sie macht die Erfahrung, dass sie oft roher und individualistischer ausgeprägt sind.

Ursula Rost: "Ein Stück des Miteinanders ist weg. Früher kamen die Großen oft auf den Gedanken, die Kleinen zu tragen, das ist heute nicht mehr so." In Schmiedeberg machte sie die Erfahrung, dass längst nicht mehr alle Kinder bereit sind, nach Tisch beim Abräumen zu helfen. Ein Junge sagte: "Die werden ja dafür bezahlt." Eine Chance, dem entgegen zu wirken, sieht Ursula Rost in der Erfahrung der Kinder, dass es auch anders gehen kann. Zugleich betont sie: "Was verstärkt wichtiger wird, ist die Hinwendung zu jedem einzelnen Kind." Weiter regt sie an, in den Gemeinden Räume zu schaffen, in denen Kinder einfach sie selbst sein können, in denen sie nichts beweisen müssen. Zudem müssen sich die Eltern bewusst sein, dass die ersten Jahre die entscheidenden sind. Kritisch merkt die Referentin an, dass heute schon die Kinder unter einem enormen Leistungsdruck stehen: "Kinder dürfen heutzutage nicht Kind sein, sondern sie sollen kleine Erwachsene sein."

Im Laufe ihrer Tätigkeit war Ursula Rost auch für die Materialien für die Religiösen Kinderwochen 1996 und 2001 verantwortlich. Mitte der 90er Jahre ging es um das Thema "Wozu der Glaube uns bewegt", vermittelt wurden Tugenden, die ein gemeinsames Leben möglich machen. Und in diesem Jahr lautet das Thema "Wir machen uns zum Leuchtturm auf". Einerseits bedeuteten die RKW-Themen für die Referentin eine zusätzliche Belastung, andererseits machte ihr die Teamarbeit und die Annäherung an das Thema viel Spaß. Sechs bis acht Leute standen Ursula Rost dabei zur Seite. Darunter Gemeindereferentinnen, Kapläne sowie immer Leute aus den Gemeinden. So machte in diesem Jahr ein Familienvater mit, der in seiner Gemeinde den Kinderchor leitet. Ursula Rost legte immer Wert darauf, dass in den vorbereitenden Gremien aller Art auch die Stimme der Eltern zu Wort kommt, "sie haben einen ganz eigenen Blickwinkel." Dies gilt auch bei der Erarbeitung der Handreichungen für die Kinderpastoral, die auf Wunsch von Bischof Joachim Reinelt enstanden sind und einen katechetischen Nachmittag anbieten.

Ab dem 1. September wird sich nun Annette Kanzler um die Belange der Kinderseelsorge kümmern. Ursula Rost wünscht ihr: "Mut und Fantasie, und dass sie so angenommen wird, wie ich selbst angenommen wurde." Für sich selbst erhofft sie in Freiberg etwas mehr Beständigkeit in ihrer Arbeit. "In der Kinderseelsorge war es so, dass ich immer mit anderen Leuten zu tun hatte und oft nicht gesehen habe, wie sich die Dinge konkret vor Ort entwickeln. In meiner neuen Tätigkeit wird dies anders sein, ich kann mit der Gemeinde leben. Weiter freue ich mich auf die Arbeit mit anderen Altersgruppen", betont Ursula Rost. Etwas unruhig ist sie allerdings doch, denn es wird das erste Mal sein, dass sie nach der Wende wieder in einer normalen Gemeinde tätig ist.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 31 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 02.08.2001

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