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Bistum Dresden-Meißen

Wer sucht, der findet

Winterakademie im Bischof-Benno-Haus

'Was Neues' wagt Otfried Matties aus Herford. Foto: Andreas Schuppert Schmochtitz - Schöpferisch zu sein gehört zu den Grunderfahrungen des Menschen, schöpferische Kraft scheint den Kosmos zu durchdringen. Kreativität war das Thema bei der diesjährigen Winterakademie vom 1. bis 5. Februar in Schmochtitz.

"Um Kreativiät mache ich mir keine Gedanken, sie gehört zu meinem Leben", sagt Malgoszata Chodakowska. Die in Dresden lebende polnische Bildhauerin leitete einen der Workshops, bei denen die rund 40 Teilnehmer ihre schöpferischen Fähigkeiten ausprobieren konnten. Kreativität, so Frau Chodakowska, lasse sich nicht in Definitionen eingrenzen, denn sie ist so vielfältig wie der Mensch selbst.

Der Mensch sucht nach dem Sinn des Ganzen

Dennoch versuchten die Frauen und Männer, die auf Einladung der Katholischen Akademie und des Bischof-Benno-Hauses gekommen waren, sich dem Thema theoretisch zu nähern: Aus theologischer, natur- und kulturwissenschaftlicher Sicht. Der Mensch, so die These des Frankfurter Theologen Professor Hans Kessler, frage nach dem Sinn des Ganzen, einem "zureichenden oder absoluten Grund", bei dem man "Halt machen kann und Halt findet." Schöpferische Kräfte zu entfalten sei der Ausdruck der Suche nach diesem "Sinnhorizont", der sich oft nicht in sprachlichen Kategorien fassen lasse.

Ähnlich sieht das Steffi Bartsch aus Dresden, die sich bei den Kreativ- Workshops unter die "Maler" gemischt hat. "Sprache allein ist zu wenig, um mich auszudrücken", meint die Psychologin. Bestimmte Bereiche des Empfindens suchten ihre eigenen kreativen Seiten.

Otfried Matties aus Herford / Westfalen ist bei den "Bildhauern" zu finden. Kreativität bedeutet für den Ruheständler vor allem, neue Wege zu gehen, eigenen Impulsen zu folgen und Vorgegebenes zu verlassen. "Wenn man Neues entdecken will, muss man Gewohntes aufgeben", meint er. Kreativität heiße, "die Neugier auf das Leben nicht zu verlieren".

Dass die schöpferische Kraft in der Kunst nichts Abgeschlossenes, sondern im Fluss und absolut subjektiv sein muss, erläutert Achim von der Nacht, freischaffender Künstler, der im Bautzner Gefängnis sitzt und von den Veranstaltern der Winterakademie ebenfalls eingeladen wurde. "Die Frage ist, was ich selbst will", so Achim von der Nacht. Schöpferisch zu sein heißt, die "Formen", die "nur meine sind", fließen zu lassen.

Der "Supermarkt der Möglichkeiten"

Kreatives Tun hat aber nicht nur etwas mit Kunst oder Gestaltung zu tun, sondern spielt auch bei persönlichen Entscheidungsprozessen eine Rolle, erläutert der Nürnberger Jesuitenpater Stefan Kiechle. Die postmoderne Gesellschaft sei ein "Supermarkt der Möglichkeiten". Unter diesen "1000 Produkten" müsse der Mensch wählen. "Jede Entscheidung ist eine Art Schöpfungsakt, weil der Mensch dadurch seine Identität bildet." Wer sich nicht entscheiden, seine Freiheit nicht aufgeben und sich "alle Optionen offen halten will", bleibe auf sich selbst zurückgeworfen.

Kreativität ist somit Voraussetzung für persönliche Entwicklung überhaupt, ist der Münchener Chemiker Professor Otto Krätz, der einen Gang durch die Wissenschaftsgeschichte unternimmt, überzeugt. "Wenn ich lange Zeit an etwas glaube, finde ich es auch. Der Rest ist Fleiß."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 6 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 15.02.2006

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