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Aus der Region

Raus aus den Kirchenmauern

Fragen an den Vertreter der katholischen Kirche im Präsidium des Tages der Sachsen, Ulrich Clausen

Straßenfeste sind eine gute Gelegenheit für Christen, in die Öffentlichkeit zu gehen. Foto: Holger Jakobi

Wie können Christen in die Öffentlichkeit gehen? Eine Möglichkeit sind die verschiedenen Feste, die im Laufe des Jahres in den Dörfern und Städten gefeiert werden. Der Tag des Herrn sprach darüber mit Ulrich Clausen, der die katholische Kirche im Präsidium des Tages der Sachsen vertritt.

Herr Clausen, in wenigen Wochen geht es wieder los: Straßen- und Stadtfeste, Gartenschau und Tag der Sachsen. Viele Pfarrgemeinden sind eingeladen, sich zu beteiligen. Sollen sie mitmachen?

    Ja, denn es ist wichtig, dass wir als Kirche nicht nur für uns selbst da sind, sondern dass wir eine Kirche für diese Welt sind. Wir sollen eine missionarische Kirche sein. Wie soll das gehen, wenn wir uns hinter Kirchenmauern zurückziehen. Um ein konkretes Beispiel zu nennen: Wir wollen in diesem Jahr zum 900. Todestag des heiligen Benno den Bennotag am 10. Juni in Meißen feiern. Dieser Tag soll nicht nur ein Fest für uns Katholiken sein, sondern für alle Menschen in Meißen und Umgebung.

Welche Chancen sind mit solchem Engagement verbunden?

    Die erste Chance ist, dass die Kirche überhaupt wahrgenommen wird und dass solches Engagement auch eine Möglichkeit ist, etwas von unseren eigentlichen Inhalten, von unseren Lebenszielen und Vorstellungen, von unserer Botschaft zu vermitteln. Eine zweite Chance sehe ich darin, dass wir als Christen am gesellschaftlichen Leben um uns herum nicht nur passiv als Zuschauer oder Besucher teilnehmen, sondern dass wir es aus christlicher Sicht mitgestalten.

Welche konkreten Angebote kann eine Gemeinde zu solchen Anlässen machen?

    Da gibt es eine breite Palette. Am besten ist es dort anzuknüpfen, wo es in der Gemeinde konkretes Engagement gibt. Mancherorts können das Dritte-Welt- oder Osteuropa- Gruppen sein. Andernorts gibt es soziales Engagement, beispielsweise als Träger eines Kindergartens. Solche konkreten Dinge sind besser als irgendwelche künstlichen Erfindungen. Ein Vorteil dabei ist außerdem, dass man so meist auch schon ein paar Engagierte hat: Kindergartengruppen etwa können etwas singen oder spielen. Ein anderer Anknüpfungspunkt sind kulturelle und künstlerische Schätze, die eine Gemeinde hat – von der Kirchenmusik bis zu sakralen Kunstwerken. Ein Nachteil dabei ist, dass unsere katholischen Kirchen oft nicht im Stadtzentrum liegen und man sich gut überlegen muss, ob man zu Veranstaltungen an den Stadtrand einlädt. Hier helfen gute ökumenische Kontakte weiter. Bei vielen Gelegenheiten könnte es sowieso eine gemeinsame Kirchenmeile geben. Bedenken sollte man, wenn es sich um ein Fest im Freien handelt, nicht zu viele Veranstaltungen in Häusern und Kirchen anzubieten. Die Menschen wollen bei solchen Anlässen auf der Straße unter freiem Himmel feiern, nicht hinter dicken Mauern.

Wie ist es mit Gottesdiensten zu solchen Anlässen?

    Die sind natürlich ganz wichtig. Solche Tage sollten nie ohne einen öffentlichen Gottesdienst sein – am besten auf dem Marktplatz. Unser zentraler Gottesdienst als katholische Christen ist natürlich die Eucharistiefeier. Eine solche Liturgie ist den Nichtchristen – und das sind bei solchen Anlässen 85 Prozent der Teilnehmer – schwer zu vermitteln. Man sollte deshalb nach Formen suchen, die auch die anderen Menschen ansprechen. Das kann eine Andacht sein oder eine Meditation. Alles was man hier plant, sollte man sich einmal durch die Brille von Nichtchristen, manchmal sogar mit den Augen der evangelischen Christen ansehen. Wir müssen uns nicht anbiedern, aber wir müssen unsere Gottesdienste in einer Sprache und mit Themen und Bildern gestalten, mit denen andere etwas anfangen können, auch wenn sie noch nie zu einem Gottesdienst in einer Kirche waren.

Wie sollte einen Gemeinde sich auf ein solches Fest vorbereiten und wo gibt es Hilfe?

    Zuerst muss man Menschen in der Gemeinde finden, die die Vorbereitung gerne in die Hand nehmen. Die gibt es in fast jeder Gemeinde. Manchmal muss man sie nur entdecken. Und die müssen dann einen Plan machen, wie sie vorgehen wollen, und dabei mit möglichst vielen anderen in der Gemeinde ins Gespräch kommen. Sie müssen auch überlegen, welche Hilfen sie brauchen. Ist finanzielle Unterstützung nötig? Da sind die Möglichkeiten des Bistums begrenzt, aber vielleicht finden sich andere Sponsoren. Helfen kann das Bistum aber mit Schautafeln, die das kirchliche Leben in unserer Region darstellen, und mit Ständen, die für die Katholikentage entworfen wurden. Entsprechende Anfragen bitte an mich oder die Pressestelle unseres Ordinariates richten. Außerdem bin ich gerne bereit, einmal zu einer Pfarrgemeinderatssitzung zu kommen und die Planungen mit zu besprechen, um das, was andernorts erfolgreich war, weiterzugeben, und Fehler, die schon gemacht wurden, zu vermeiden.

Sind Sie zufrieden mit dem Engagement der Pfarrgemeinden in Ihrem Bistum?

    Das ist nicht einfach zu beantworten. Die Gemeinden und katholischen Vereine engagieren sich sehr unterschiedlich, aber ich denke, wir haben das Potential, das in solchen Möglichkeiten liegt, noch nicht ganz ausgeschöpft. Vielleicht können wir hier etwas von unseren evangelischen Schwestern und Brüdern lernen, die sind nämlich manchmal ein kleines bisschen forscher und offener als wir, wenn es um solche Gelegenheiten geht.

Fragen: Matthias Holluba



Kontakt
Ulrich Clausen
Tel. (0351) - 3 36 47 05
E-Mail: dresden.missio@t-online.de
Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 6 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 15.02.2006

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