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Aus der Region

Folgen für den Umgang mit dem Tod

Leichenpräparator von Hagens und seine Pläne in Guben

Guben - Der Leichenpräparator Gunther von Hagens will in Guben eine Plastinationswerkstatt errichten. Trotzdem die Kirchen Widerstand leisten, stößt sein Projekt in einer wirtschaftlich schwachen Region auf offene Ohren.

"Scheibenplastinate sind so farbenfroh wie Kirchenfenster." Die Beschreibung Gunther von Hagens zu seinen umstrittenen "Objekten" klingt schon fast zynisch gegenüber den Kritikern. Bei einer Informationsveranstaltung in der Sporthalle in Guben, die am 24. Januar rund 700 Menschen besuchten, lief der Anatom allerdings offene Türen ein.

Inzwischen ist jeder Investor willkommen

Denn von Hagens verspricht, mit der Errichtung einer Plastinationswerkstatt (Präparation von Leichenteilen) Arbeitsplätze zu schaffen. Ob es 50 oder 300 neue Stellen sein werden, könne er noch nicht sagen. Sicher sei aber, dass Menschen hier ihr Auskommen finden werden.

Das ist Musik in den Ohren der politisch Verantwortlichen. In einer strukturschwachen Region ist inzwischen jeder Investor willkommen. Gubens Bürgermeister Klaus-Dieter Hübner (FDP) will "eine schnelle Entscheidung". Und die Zustimmung unter den Gubenern zu dem Projekt wächst. Was im polnischen Sieniawa Zarska im letzten Jahr nicht geklappt hat, scheint der Erfinder der Ausstellung "Körperwelten", bei der präparierte Leichenteile zu sehen sind, jetzt in der Lausitz verwirklichen zu können.

"Die Situation ist in der Tat schwierig. Das Hauptargument sind die Arbeitsplätze", sagt der katholische Pfarrer von Guben, Uwe Aschenbrenner. In seiner Gemeinde stoße das Vorhaben deshalb nicht nur auf Ablehnung. Eine spontane Abstimmung in der Gubener Sporthalle, bei der sich ein überwiegender Teil der Anwesenden für die Werkstatt ausgesprochen hat, sei zumindest für die Mittelschicht repräsentativ, so Gemeindeassistent Gregor Freitag. "Sehr einseitig ist jedoch der Informationsfluss." Deshalb habe man der Gemeinde am vergangenen Sonntag den Dokumentarfilm "Der mit den Leichen tanzt" gezeigt, um auch mal einen kritischen Blick auf die Arbeitsweise Gunther von Hagens zu werfen. Dass der Mensch auch im Tod seine Würde behält, hatte die katholische Kirche bereits bei den ersten Ausstellungen von "Körperwelten" dargestellt. In Berlin wurde 2001 sogar ein Requiem für die Seelen der Gestorbenen gefeiert.

Auswirkungen auf die Trauerkultur

Für den Gemeindeassistenten Gregor Freitag könnten von Hagens Auffassungen auch Auswirkungen auf das Trauerverhalten der Menschen haben. "Wenn er sich hinstellt und davon erzählt, dass nur der lebende Mensch eine Würde besitzt und der tote lediglich Objekt ist, kann das nicht ohne Folgen für die Trauerkultur in Deutschland bleiben", ist sich Freitag sicher.

Ein "Aktionsbündnis Menschenwürde", dem die Kirchen angehören, will wie bisher Widerstand leisten. Ein großer Teil der Einwohner stehe den Plänen kritisch gegenüber, sagte der evangelische Pfarrer Michael Domke. Teilnehmer der Veranstaltung in der Sporthalle hätten sogar "Grenzüberschreitungen und Verrohung" im Stil der NS-Zeit kritisiert.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 5 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 01.02.2006

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