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Bistum Magdeburg

Ein lebenslanger Prozess

Katholische und evangelische Christen dachten über Verständnis und Umgang mit der Taufe nach

Evangelische und katholische Christen aus Mitteldeutschland denken gemeinsam über die Taufe und ihre vielfältigen Aspekte nach. Rechts im Bild Dorothea Laser-Merker und Franz Schneider. Foto: Eckhard Pohl Halle - In den letzten Jahren wächst die Zahl der Erwachsenentaufen. Bewerber werden im Bistum sehr bewusst begleitet. Die evangelische Kirche in der Region hat 2006 ein Jahr der Taufe ausgerufen. Entwicklungen, die zum ökumenischen Nachdenken über die Taufe angeregt haben.

Die Taufe ist nicht nur ein Sakrament, das am Anfang eines christlichen Lebens steht. Die Taufe ist ein lebenslanger Prozess. Sie ist ein Geschehen, auf dass es sich als Erwachsener oder bei der Kindertaufe als Eltern vorzubereiten und das es mit Leben zu füllen gilt. Dies wurde bei einer ökumenischen Tagung deutlich, die vergangenen Samstag in Halle stattfand. Unter dem Thema "Taufen – wen, wie, wann? Christliche Kirchen feiern die Taufe" kamen dazu Ökumene- Beauftragte, Multiplikatoren und weitere Interessierte aus evangelischen und katholischen Gemeinden zusammen.

Der Erfurter emeritierte Liturgiefachmann Franz Schneider erinnerte daran, dass in den ersten Jahrhunderten die Erwachsenentaufe der Normalfall war und Bewerber sich oft erst taufen ließen, wenn sie bereits viele Jahre im christlichen Geist lebten. Hier müsse man von einem "Christwerden auf die Taufe hin" sprechen, so Schneider. In den letzten Jahrhunderten sei in Europa jedoch vorwiegend die Kindertaufe praktiziert worden. Heute aber gelinge "Christwerden von der Kindertaufe her" fast nur noch im Glücksfall, weil das dafür notwendige christliche Milieu nicht mehr existiert, so Schneider. Insofern werde der Weg Erwachsener in die Kirche künftig "mindestens genauso wichtig wie der über die Kindertaufe".

Neuchristen haben es oft schwer, Anschluss zu finden

Schneider machte schlaglichtartig mit der alten und neuen Praxis des Erwachsenenen-Katechumenats bekannt. Heute dauert diese Vorbereitung auf die Taufe meist ein Jahr. Der Referent kam auch auf die große Bedeutung der Begleitung der Taufbewerber durch erprobte Christen zu sprechen. "Glaube wächst durch gemeinsames Suchen, nicht durch Indoktrination", so Schneider. Leider hätten Neuchristen nicht selten Probleme, in einer Gemeinde Anschluss zu finden. Notwendig seien nicht abgeschlossene Gemeindegruppen, sondern ein Geist des Austauschs und Netzwerkdenkens. Auch Eltern und ihre Neugetauften seien darauf angewiesen, von Mitchristen mitgetragen zu werden.

Pastorin Dorothea Laser-Merker von der Magdeburger Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen stellte die Handreichung "Impulse" vor, die für das Jahr der Taufe 2006 für die Gemeinden entwickelt wurde. Diese "Taufmappe" bietet viele Anregungen, Vorschläge und Materialien, darunter Erfahrungsberichte erwachsener Getaufter, Antworten auf häufig gestellte Fragen und ein Faltblatt "Willkommen zum Leben, willkommen zur Taufe", das zum Beispiel in Kinderarztpraxen ausgelegt werden kann. Den Gemeinden wird empfohlen, regelmäßig Taufgedächtnis zu feiern. Auch dafür gibt es Anregungen.

Es gelte, die Taufe "als lebenslangen Prozess" zu verstehen, "der von der Kirchenmitgliedschaft hin zu einer Taufidentität und zum Bewusstsein führt, in den Leib Christi hinein getauft" worden zu sein, so die Pastorin. Damit der Satz "Ich bin getauft" in Krisenzeiten Halt geben könne, müsse die Taufe emotional, sozial, spirituell, aber auch öffentlich kulturell tiefer verankert werden.

Diskutiert wurde von den Teilnehmern die Bedeutung der Taufe als ein Geschehen in der Gemeinde, das möglichst auch mit der Gemeinde vollzogen werden soll. Der Beauftragte des Bistums Magdeburg für die Erwachsenentaufen und Dessauer Propst Gerhard Nachtwei berichtete, dass in seiner Gemeinde bei jeder Taufe ein Gemeindevertreter einen Gruß der Gemeinde übergibt. Zugleich wies er darauf hin, dass Menschen, weil sie heute meist nicht lebenslang in einer Ortsgemeinde bleiben, ganz besonders bewusst in die weltweite Gemeinschaft der Christen hinein getauft werden sollten.

Dass die Taufe von Zeitgenossen auch als Event verstanden und deshalb an exponierter Stelle, etwa auf der Burg Falkenstein stattfinden soll, berichtete die Ermslebener Pastorin Gabriele Lättig.

Taufe ist heilsnotwendig für den, der dies erkennt

Heilsnotwendig ist die Taufe für alle, die "zur Erkenntnis kommen, dass Taufe die Not des Menschen wendet", sagte Ökumene-Beauftragter Hans-Joachim Marchio. Er versuchte damit eine Antwort, wie zusammenpasst, dass einerseits von der Heilsnotwendigkeit der Taufe die Rede ist, Menschen nach heutigem Verständnis aber auch ohne Taufe zum ewigen Leben finden können.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 5 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 01.02.2006

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