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Aus der Region

Vorwürfe entbehren jeder Grundlage

Interview mit Winfried Weinrich zum Verdi-Vorstoß

Winfried Weinrich Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) in Thüringen hat nach eigenen Angaben als erster Landesbezirk ein Projekt "Kirchen, Diakonie und Caritas" gestartet. Damit sollen die Beschäftigten im kirchlichen Bereich "unterstützt" werden, heißt es in einer Pressemitteilung. Darin wirft Verdi den kirchlichen Arbeitgebern "gravierende Lohnkürzungen" vor. Mitarbeitervertretungen seien längst keine Selbstverständlichkeit. Der Leiter des Katholischen Büros in Thüringen, Winfried Weinrich, hat auf diesen Vorstoß mit Befremden reagiert. Die Vorwürfe seien haltlos und völlig aus der Luft gegriffen. Der Tag des Herrn sprach mit ihm.

Verdi hat ein stärkeres Engagement im Raum der Kirchen angekündigt. Wie ist dieser Vorstoß zu beurteilen?
Die Motive der Bemühungen sind ja, dass es gravierende Lohnkürzungen geben soll. Weiterhin steht in der von der Gewerkschaft verbreiteten Pressemitteilung, dass Mitarbeitervertretungen keine Selbstverständlichkeit seien. Das alles ist nicht nachvollziehbar, weil es nicht der Realität entspricht. Der Vorwurf gravierender Lohnkürzungen ist völlig aus der Luft gegriffen und entbehrt jeder Grundlage. Auch die Gewerkschaften müssen das verfassungsgemäße Selbstbestimmungsrecht der Kirchen zur Gestaltung der sozialen Ordnung ihres Dienstes respektieren.
Was kritisieren Sie im Einzelnen?
Hintergrund dieses Vorstoßes ist möglicherweise ein Gutachten über Arbeitskämpfe in kirchlichen Einrichtungen, das noch von der alten Gewerkschaft ÖTV in Auftrag gegeben wurde. Offenbar wird das Ergebnis dieses Gutachtens von den Gewerkschaften unkritisch übernommen, um in den kirchlichen Bereich hineinzuwirken. Das Gutachten stellt den so genannten dritten Weg der Kirchen in Frage und kommt zu dem Schluss, dass ein Arbeitskampf zur Erzwingung eines Tarifabschlusses auch im Bereich kirchlicher Einrichtungen geführt werden darf. Dies aber widerspricht dem Leitbild der kirchlichen Dienstgemeinschaft.
Wie soll es weitergehen?
: Wir haben von den ver.di-Bemühungen erst durch die schon erwähnte Pressemitteilung erfahren. Davor war bereits ein Gespräch der Kirchen mit der Gewerkschaft über das Gutachten vorgesehen. An diesem Gespräch halten wir trotz dieser Initiation fest. Es soll nach der Sommerpause stattfinden und zur Klärung der Standpunkte beitragen.
Die Gewerkschaft teilte außerdem mit, dass für das Projekt eigens eine neue Stelle eingerichtet wurde. Gibt es da schon Kontakte?
Natürlich habe ich mit der neuen Mitarbeiterin Kontakt aufgenommen und auch meine Verwunderung über die Verfahrensweise geäußert. Es bleibt aber dabei: Wir sind zu Gesprächen bereit und wollen auch die Fortführung der guten Beziehungen, die wir in der Vergangenheit hatten. Natürlich unter der Bedingung des sachlichen Umgangs miteinander.

Interview: Andreas Schuppert

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 31 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 02.08.2001

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