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Aus der Region

Eine Macht ausgeübt, die unglaublich ist

Strafanzeige gegen ehem. Geschäftsführer des Kolping Bildungswerkes Sachsen

Dresden (tdh) - Strafanzeige gegen die ehemaligen Geschäftsführer des Kolping-Bildungswerkes Sachsen - Stephan Mi-chalke und Roland Zimmermann - hat im Zuge des Insolvenzverfahrens dieser Gruppe Verwalter Joachim Voigt bereits am 12. Juni gestellt. Seine Vorwürfe lauten möglicher Betrug und Untreue. Im Rahmen einer Pressekonferenz am 27. Juli stellt Voigt einige Verdachtsmomente vor. So den Verdacht auf doppeltes Leasing - Betrug zu Lasten des Leasinggebers, Untreue zu Lasten der Untergesellschaften, Veruntreuung des Vereinsvermögens durch Beauftragung befreundeter Unternehmen in mehreren Fällen, Kreditbetrug, Vorenthalten und Veruntreuung von Arbeitsentgelt. Dazu komme eine Anzeige wegen des verspäteten Stellens des Insolvenzantrages. Dieser, so Anwalt Voigt, hätte nicht erst im Oktober 2000 sondern spätestens Anfang Juni gestellt werden müssen. Eine weitere Anzeige betreffe die Nichtzahlung von Lohnsteuern in Höhe von zirka 500 000 Mark.

Joachim Voigt wies darauf hin, dass die Geschäftsführer Mi-chalke und Zimmermann die zentralen Figuren innerhalb des Kolping-Bildungswerkes gewesen seien. Beide hätten direkt oder indirekt die Geschäftspolitik jeder einzelnen Gesellschaft beeinflusst. So seien sie zum Teil als Geschäftsführer einiger Enkelgesellschaften tätig gewesen. Stephan Michalke habe innerhalb des Kolping-Bildungswerkes "eine Macht ausgeübt, die unglaublich ist." Stützen konnte er sich dabei nach Voigts Worten auf einen großen Vertrauensvorschuss, der Michalke unter anderem von Seiten der ehrenamtlichen Geschäftsführer sowie von den Geschäftsführern der Untergesellschaften entgegengebracht worden sei. Michalkes Überzeugsgabe habe bewirkt, dass diese ihrer Kontrollpflicht kaum nachkamen. Als warnende Stimmen aus Augsburg und Würzburg kamen - die dortigen Kolping-Bildungswerke hatten in Sachsen Starthilfe geleistet - habe man einheitlich ungefähr mit dem Satz geantwortet: "Wir lassen unseren Michalke nicht demontieren..."

Voigt stellte fest, dass - wenn sich die Verdachtsmomente bestätigen - davon ausgegangen werden könne, dass Michalkes Handeln auch "von einem Stück krimineller Energie" getragen worden sei. Ex-Geschäftsführer Zimmermann bezeichnete Voigt als den mehr "väterlichen und gutmütigen" Typ, der sich nicht immer über die Tragweite seines Handelns im Klaren gewesen sei. Zimmermann sei "wahrscheinlich nicht der Motor" gewesen.

In Bezug auf die Zukunft der Bildungseinrichtung wies der Insolvenzverwalter darauf hin, dass es gelungen sei, sieben Bildungszentren zu erhalten, die in neuen Firmen aufgegangen seien. Derzeit bemühe man sich um den Erhalt des Schulwerkes. Ob diese sieben oder acht Einrichtungen im Zukunft unter der Kolpingflagge arbeiten werden, sei noch offen.

Vom Kolping-Bundesverband in Köln liege ein konkretes Angebot zur Übernahme aller Bildungseinrichtungen vor, teilte Voigt mit. Entschieden werde aber erst zur Jahreswende.

Der Insolvenzverwalter nutzte die Pressekonferenz auch dazu, den Mitarbeitern in den Bildungszentren zu danken. Ihrer guten sozialen Arbeit und ihrem Engagement sei es zu danken, dass diese Teile wieder wirtschaftlich arbeiteten. Zudem wies Voigt darauf hin, dass diese Einrichtungen das Vertrauen öffentlicher und staatlicher Stellen zurückerhalten hätten. Aller-dings hätten nicht alle Arbeitsplätze erhalten werden können, rund 350 Angestellte wurden entlassen.

Die Forderung der Gläubiger beliefen sich inzwischen auf 240 Millionen Mark. Voigt geht aber davon aus, dass sich diese Summe noch verringern könne. Die Forderungen würden sich dann zwischen 180 und 240 Millionen Mark belaufen. Kritik übte Voigt am Bistum Dresden-Meißen. Er zeigte sich enttäuscht darüber, dass sich das Bistum nicht an der Sanierung beteiligen wolle. Das Kolping-Bildungswerk arbeitete zwar unabhängig von der Kirche, die Nähe sei aber immer wieder betont worden - auch von Vertretern der Kirche selbst.

Zur Sprache kam weiter der Schaden, den der Namen Kolping bundesweit erfahren habe. Vergaben Banken Kredite bisher weitestgehend unbürokratisch, so würden sie jetzt wesentlich genauer hinsehen. Betroffen vom Ansehensverlust sei auch das Engagement der Kolpingsfamilien vor Ort.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 31 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 02.08.2001

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