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Bistum Magdeburg

Christliche Prägung

Interview mit dem scheidenden Diözesan-Caritasdirektor von Dresden-Meißen

Verabschiedet: Diözesan-Caritasdirektor Horst Kutschke. Wie können wir das christliches Profil stärken? Wie gehen wir dabei mit unseren ungetauften Mitarbeitern um? Das sind brennende Fragen bei der ostdeutschen Diakonie. Dem scheidenden Dresdner Diözesan- Caritasdirektor Horst Kutschke, war das christliche Profil seines Verbands ebenfalls stets ein großes Anliegen.

In Ihrem Verband sind über 40 Prozent der Mitarbeiter keine Christen. Welche Strategie verfolgen Sie im Umgang mit diesen Mitarbeitern?

    Auf jeden Fall versuchen wir, den konfessionslosen Mitarbeitern den christlichen Glauben etwas näher zu bringen. Schließlich erwarten die meisten Menschen, die bei uns Hilfe suchen, dass unsere Dienste und Einrichtungen christlich geprägt sind. Wie genau das geschieht, ist in jeder Einrichtung oder Beratungsstelle anders. Erste Voraussetzung ist das Vorbild der katholischen Mitarbeiter. Vieles hängt auch davon ab, ob ein Priester sich in besonderer Weise für dieses Anliegen engagieren kann.
    Neue Mitarbeiter laden wir in jedem Fall einmal zu einem Tag in den Diözesan-Caritasverband ein, damit sie die Strukturen der Caritas kennen lernen. Gleichzeitig werden sie dabei auch über Ziele unserer Arbeit, die im Leitbild des Caritasverbandes festgeschrieben sind, informiert. Bei dieser Gelegenheit ist es auch möglich, Fragen nach katholischer Kirche und unserem Glauben zu stellen. Davon wird gern Gebrauch gemacht. In der Dienststelle beten wir täglich den "Engel des Herrn" und feiern häufig die heilige Messe. Hier und auch bei der regelmäßigen Mitarbeiter-Wallfahrt in Wechselburg haben auch nicht getaufte Mitarbeiter die Gelegenheit, mitzuerleben, was für uns Christen im Mittelpunkt steht.

Empfinden Sie die Anstellung von nicht christlichen Mitarbeitern eher als "Notlösung" oder als Bereicherung?

    Auf jeden Fall sind sie keine Notlösung, sondern für uns Christen in mancherlei Hinsicht eine große Bereicherung. Manchmal denkt man ja, wenn man katholisch ist, hat man schon alles ... Das große Interesse, das unsere ungetauften Kollegen in vielen Fragen zeigen, bringt uns oft zum Nachdenken. Wenn wir ihnen erklären müssen, warum wir beten oder was für uns Ostern bedeutet, vertiefen wir damit auch unseren eigenen Glauben.

Sie haben einige Einrichtungen und Dienste übernommen, die zuvor in staatlicher Trägerschaft waren. Wie kann es dort gelingen, das christliche Profil der Caritas zu verankern?

    Wir haben uns jedesmal, wenn eine entsprechende Anfrage kam, überlegt: "Ist es überhaupt möglich, die Einrichtung in unserem Sinne mit Leben zu füllen oder überheben wir uns damit?" Wenn etwa in der Leitungsebene niemand katholisch war oder wenn in der Satzung weltanschauliche Unabhängigkeit festgeschrieben war, schien es uns unmöglich, die Trägerschaft oder Mitgliedschaft zu übernehmen.
    Wenn hierzulande nur drei Prozent der Bevölkerung katholisch sind, können wir nun einmal nicht überall sein. Es geht uns nicht darum, dass wir um jeden Preis bestimmte Dienstleistungen flächendeckend erbringen. Wichtiger ist es uns, dort, wo wir Not sehen, auch zu handeln, entsprechend dem Wort Jesu nachzukommen "was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt ..."
Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 3 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 19.01.2006

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