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Bistum Magdeburg

Jeder soll Liebe erfahren können

Neujahrsempfang des Forum Norbertinum / Bischof Feige und Moraltheologe Schallenberg zu Gast

Der Fuldaer Moraltheologe Peter Schallenberg hielt den Festvortrag. Magdeburg (khy/tdh) - Auch in diesem Jahr lud die Katholische Akademie des Bistums in Magdeburg zu einer Neujahrsbegegnung mit Bischof Gerhard Feige ein. Referent war der Fuldaer Professor für Moraltheologie und christliche Sozialwissenschaft Peter Schallenberg.

Das neue Jahr sei eine gute Gelegenheit, sich auf die bleibende Aktualität des Evangeliums Jesu zu besinnen, betonte Bischof Gerhard Feige bei einer heiligen Messe anlässlich der Neujahrsbegegnung am 10. Januar in Magdeburg. Professor Schallenberg knüpfte direkt an die Predigt an, indem er seinen rund 40 Zuhörern die jüdisch-christlichen Wurzeln des demokratischen Rechtsstaates aufzeigte. "Im Paradies lebte der Mensch von der Zuwendung einer anderen Person und von der absoluten Liebe Gottes", erläuterte er. Laut Augustinus hätte sich die Notwendigkeit des Staates aus dem Brudermord Kains an Abel ergeben und damit aus dem Zweifel jedes Menschen an seinem eigenen Wert.

Der Staat soll einen "Zustand der Gerechtigkeit" herstellen. Schallenberg: "Sie werden von keinem Finanzamt der Welt geliebt, aber sie werden gerecht behandelt." Die Gerechtigkeit des Erdenstaates sei ein Echo der unbedingten Liebe des Gottesstaates. Mit Bezug auf den verstorbenen Papst Johannes Paul II. fügte der Hochschullehrer hinzu: "Eigentlich ist es die einzige Aufgabe eines Staates, jedem unbedingte Liebe zukommen zu lassen, und dies geschieht in Ehe und Familie und auch in der Treue und Verlässlichkeit einer Freundschaft." Die zwei Hauptpfeiler eines Staates sollten daher Subsidiarität und Personalität sein, um Ehe, Familie und andere kleine Einheiten von Menschen zu fördern sowie einen Lebensschutz von der Verschmelzung von Samen und Eizelle bis "mindestens zum Hirntod" zu garantieren.

In der anschließenden Diskussion wurde die Frage gestellt, ob Grundrechte mit Ewigkeitscharakter – wie etwa die Unantastbarkeit der Menschenwürde oder Religionsfreiheit – in Europa nicht verloren gingen. "Die Gefahr besteht", so Schallenberg. "Es könnten nicht mehr genügend Bürger da sein, die solchen Grundwerten zustimmen, sodass diese dann verblassen." Als wünschenswert würden diese Werte durchaus angesehen, aber niemand wolle mehr darin investieren, also Vorbild sein. Eine solche "Schweigespirale" gelte es zu verhindern.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 3 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 19.01.2006

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