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Aus der Region

Hilfe für Demenzkranke

In Eilenburg entsteht ein Altenpflegeheim der vierten Generation

Der geistliche Direktor der Caritas, Domkapitular Brozek, und ctm-Geschäftsführer Stockhausen (beide links im Bild) bei der Grundsteinlegung einer Einrichtung für Demenzkranke in Eilenburg. Foto: Kirsten Anders

Eilenburg - Eine Million Menschen leiden in Deutschland an Demenz. Ihre Zahl wächst. Jetzt entsteht auf dem Gelände des Caritas Hilfeverbundes St. Martin ein neues Zentrum für Demenzkranke, in dem die Bewohner in Hausgemeinschaften zusammenleben.

Mit steigender Lebenserwartung erhöht sich das Risiko, an Demenz zu erkranken. Die bisherige Konzeption von Alten- und Pflegeheimen wird den Bedürfnissen der Betroffenen oft nicht gerecht. Es braucht spezielle Einrichtungen. Ein solches Zentrum für Demenzkranke baut nun die Caritasträgergesellschaft St. Mauritius (ctm) auf dem Gelände des Caritas Hilfeverbundes St. Martin in Eilenburg. Kurz vor Weihnachten wurde der Grundstein gelegt.

Zunächst war seitens des Hilfeverbundes, zu dem bereits ein Kinder- und Jugendheim, eine ökumenisch getragene Kindertagesstätte sowie eine Privatschule gehören, gar nicht geplant, ein solches Zentrum zu schaffen. "Die Idee wurde aus der Not geboren", sagt ctm-Geschäftsführer Hans- Georg Stockhausen. Als 2002 das Altenpflegeheim des Deutschen Roten Kreuzes wegen des Hochwassers evakuiert werden musste, wurden dessen Bewohner auf dem Gelände des Hilfeverbundes einquartiert. Zwei Jahre dienten die vorhandenen Räumlichkeiten als Provisorium. "Wir haben in dieser Zeit erlebt, dass sich die verschiedenen Generationen im Guten ergänzen", berichtet Stockhausen.

Doch nicht nur die Nähe von Jung und Alt soll einen Gewinn bringen. Auch mit dem Zentrum für Demenzkranke selbst will man den Bedürfnissen der alten Menschen in besonderer Weise gerecht werden. Insgesamt entstehen vier einstöckige Gebäude, in denen jeweils zwölf beziehungsweise dreizehn Demenzerkrankte zusammenleben. Neben Einzelzimmern, die Rückzug und Individualität ermöglichen sollen, bildet eine zentrale Wohnküche den Mittelpunkt des alltäglichen Lebens.

"Kleinräumigkeit, eine konstante Bezugsperson, Vertrautheit und Normalität sind für eine angemessene Lebensqualität von Demenzerkrankten besonders wichtig", erläutert Marcus Waselewski, Leiter der Abteilung Inhalte und Entwicklung der ctm. Dabei werden die Mitarbeiter zum Partner der Bewohner. "Die alten Menschen werden betreut und gefördert. Die Pflege tritt in den Hintergrund." Auch die Lage außerhalb der Stadt inmitten eines großen Außengeländes hat Vorzüge. "Die Menschen sollen nicht eingesperrt werden, sondern nach ihren Möglichkeiten Freiheit erfahren."

Das neue Zentrum folgt dem Konzept der so genannten "vierten Generation" des Altenpflegeheimbaus, der sich am Leitbild der Familie orientiert. Rund 3,7 Millionen Euro kostet der Bau, davon werden 500 000 Euro vom Deutschen Hilfswerk getragen, der Rest wird von der ctm zum Teil über Kredite finanziert. Das Angebot ist zukunftsweisend. Denn während durch die demographische Entwicklung und die steigende Lebenserwartung die Zahl an Demenzkranken weiter steigt, sinkt gleichzeitig die Zahl der möglichen Unterstützer, auch durch veränderte Familienstrukturen. Noch 2006 hofft man, in Eilenburg Einweihung feiern zu können.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 1 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Dienstag, 10.01.2006

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