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Bistum Magdeburg

Steinerne Zeugnisse und große Namen erinnern an Vergangenheit

Kirche im Bereich des Bistums Magdeburg (1): Von den Anfängen bis zur Reformation

Die Gründung des Bistums Magdeburg 1994 ist die Frucht einer Entwicklung, die sich über 1200 Jahre mit Höhen und Tiefen in diesem Gebiet vollzogen hat. Es ist interessant, den Wurzeln nachzuspüren, aus denen christlicher Glaube hier gewachsen ist. Das soll mit diesem und drei weiteren Beiträgen in kommenden Ausgaben geschehen. Verfasser ist Pfarrer Peter Zülicke (Staßfurt):

Wir schauen auf das Jahr 777. Karl der Große hatte in Paderborn einen Reichstag einberufen. Unter anderem sollte festgelegt werden, wie die Mission bei den unterworfenen Sachsen vorangetrieben werden könnte. Dabei rechnete Karl mit massiver Unterstützung der westfränkischen Kirche. Für unser Gebiet wurde bestimmt, dass Bischof Chalon sur Marne im Raum Osterwieck tätig werden sollte, während der Abt von Hersfeld vor allem für den Raum Mansfeld-Quedlinburg zuständig wäre. Wir erfahren von einem Mönch Hildegrimm, der am Beginn des neunten Jahrhunderts nördlich des Harzes in Osterwieck tätig war und 802 zum Bischof von Châlon ernannt wurde. Er behielt aber den Missionsauftrag für die Harzregion. Sehr bald verlegte er seinen Sitz nach Halberstadt, das verkehrsmäßig günstiger lag. 804 errichtete Karl der Große hier ein Bistum, das sich über das gesamte Gebiet zwischen Harz und der Elbe-Saale-Grenze erstreckte.

Über die Entfaltung der Missionstätigkeit in den folgenden 130 Jahren wird uns wenig berichtet. Wir erfahren allerdings, dass in Magdeburg als einem wichtigen Handelsstützpunkt an der Grenze zu den Slawen eine Kirche zu Ehren des heiligen Stefan, des Halberstädter Bistumspatrons, gebaut wurde.

In das Rampenlicht der Geschichte rückte das Gebiet mit Kaiser Otto dem Großen, der sich nicht nur als weltlicher Herrscher sah, sondern sich persönlich dem Missionsauftrag Christi wie ein Bischof verpflichtet wusste. Immer deutlicher wurde ihm, dass vor allem im Blick auf die slawischen Völker ein Erzbistum als Zentrum der Mission gegründet werden musste. Das sollte sein Lieblingssitz Magdeburg sein. Schon 937 hatte er dort ein Kloster gegründet, es reichlich ausgestattet und eine prächtige Kirche erbauen lassen. Nach vielen Widerständen gelang ihm die Gründung des Erzbistums im Jahre 968.

Als ersten Bischof berief Otto Adalbert, der aus der benediktinischen Reformbewegung seiner Zeit stammte. Dem Erzbistum wurden die ebenfalls neu gegründeten Bistümer Meißen, Merseburg, Zeitz sowie die schon bestehenden Bistümer Brandenburg und Havelberg zugeordnet. Das Gebiet des Erzbistums war nicht besonders groß. Es erstreckte sich zwischen der Elbe und Mulde im Osten, der Ohre im Norden und der Bode und Saale im Westen. Die Südgrenze verlief etwa zwischen Halle und Eilenburg. Mit aller Kraft sorgte Adalbert dafür, dass in seinem Erzbistum Seelsorgezentren entstanden. Neben Halle fand er schon Calbe an der Saale, Wanzleben und Langenweddingen vor. Unermüdlich war er unterwegs, um für das geistliche und materielle Wohl der Gemeinden zu sorgen. Als er 981 starb, wurde er als Heiliger verehrt.

Unter den zahlreichen Dom- und Klosterschulen erlangte vor allem die Domschule in Magdeburg einen Ruf, der weit über die Grenzen des Erzbistums hinausging. Aus der Schar ihrer Schüler wählte der Kaiser häufig seine geistlichen Begleiter und künftige Bischöfe aus. Besonders bekannt sind der heilige Adalbert von Prag, der heilige Brun von Querfurt und Thietmar von Merseburg.

Die weiteren Erzbischöfe setzten das begonnene Werk fort. Der fünfte Erzbischof Gero ist heute als der Gründer zweier Stiftskirchen zu erwähnen, die bis heute erhalten sind: St. Sebastian, die heutige Kathedrale und das Stift Unserer Lieben Frauen in Magdeburg, heute Konzerthalle.

Einen wichtigen Impuls der geistlichen Erneuerung erhielt das Erzbistum mit dem heiligen Norbert (Erzbischof von 1126 bis 1134). Im Jahre 1129 rief er die Männer seiner Gemeinschaft, der Prämonstratenser, und überließ ihnen das Liebfrauenstift als Zentrum für des Wirken der Gemeinschaft besonders im Blick auf die Missionierung der slawischen Völker.

Ganz neue Möglichkeiten taten sich für seinen Nachfolger Erzbischof Wichmann auf. In das nur noch spärlich von Slawen besiedelte Gebiet östlich der Elbe setzte er um 1160 deutsche Siedler vor allem aus Flandern. Deshalb wird dieses Gebiet bis heute Fläming genannt.

Ein anderer bedeutender Erzbischof war Albrecht II. Kurz nach seiner Einführung im Jahr 1207 richtete ein großer Brand am Dom erhebliche Schäden an. Da ergriff er die Gelegenheit, damals neue Baupläne zu verwirklichen. Er ließ die Brandruine abreißen. Nach einem völlig veränderten Grundriss wurde nun die erste gotische Kathedrale auf deutschem Boden gebaut. 1363 weihte sie Erzbischof Dietrich feierlich ein. Die Westfront und die Türme wurden 1520 vollendet.

Kirche im Mittelalter - das sind auch die zahlreichen Klöster. Vor allem in den Bischofsstädten, aber auch in Halle und Quedlinburg gab es mehrere. Eine besondere Stellung nahmen die Benediktinerklöster Berge bei Magdeburg, Nienburg an der Saale und Huysburg ein. Bedeutend waren auch das Augustiner-Chorherrenstift auf dem Petersberg bei Halle und die Prämonstratenserkonvente in Leitzkau und Jerichow. Als Krone der deutschen Frauenklöster galt Helfta mit den Zisterzienserinnen Gertrud und Mechthild.

Eines der ältesten Zisterzienserklöster entstand in Pforta bei Naumburg. In den Städten ließen sich die Bettelorden der Franziskaner, Dominikaner und Augustiner nieder. Daneben gab es noch viele kleinere Klöster. All diese Orte waren Zentren geistlichen Lebens.

Im 15. Jahrhundert traten aber auch Zerfallserscheinungen auf. Der innere Zusammenhalt ließ nach. Die Ordensregeln fanden kaum mehr Beachtung. Manchmal wurden Ansätze zur Erneuerung aufgegriffen. Höhepunkt war der mehrwöchige Besuch des Kardinals Nikolaus von Cues im Jahr 1451, der in Magdeburg eine Synode einberief, um die Reformanliegen des Papstes umzusetzen. Leider ist das in der Folgezeit nicht geschehen. So wurde eine Entwicklung vorangetrieben, die wenige Jahrzehnte später in der Reformation die Einheit der Kirche zerbrechen ließ. Dieses Geschehen nahm von unserm Gebiet, von Wittenberg, seinen Ausgang.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 30 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 27.07.2001

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