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Bistum Dresden-Meißen

Eine kleine Schar der Treuen

Akademieveranstaltung über die Situation der Katholiken in Ostdeutschland und Tschechien

Der Prager Weihbischof Vaclav Maly und der Dresdner Bischof Joachim Reinelt sprachen in einer Veranstaltung der Katholischen Akademie Dresden über die Situation der Katholiken in ihren Bistümern.

"Es gibt keine Region in der Welt, in der es so wenig Glaubensbindung gibt", sagt Joachim Reinelt, Bischof des Bistums Dresden Meißen. Dies eine den Osten Deutschlands mit der Tschechischen Republik. Um Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei der Situation der Katholiken in beiden Ländern ging es jetzt bei einer Veranstaltung der Katholischen Akademie Dresden.

"Wir als Katholiken sind eine Minderheit", konstatiert Maly. Rund 2,7 Millionen Katholiken gibt es seinen Angaben zufolge in der Tschechischen Republik, in der etwa zehn Millionen Einwohner leben. "Wir sind eine Kirche der Städte", fügt er hinzu. In den Dörfern sterbe der katholische Glaube allmählich aus. Zudem fehlten ganze soziale Schichten wie Arbeiter und Bauern. Am meisten verbreitet sei der Katholizismus unter der Intelligenz. Was die Generationen anbetrifft, entstehe ein Vakuum, so Maly: "Die mittlere Generation fehlt, die ältere stirbt aus." Von den jüngeren Leuten suchten zumindest einige nach Erfahrungen mit Spiritualität. Hier liege eine Chance für die katholische Kirche: In kleinen Kommunitäten, wo man miteinander kommunizieren könne.

Maly sieht die Zukunft seiner Kirche darin, mit Einzelnen zu arbeiten, nicht mehr mit der großen Menge. Vor allem darin, in Grenzsituationen wie etwa Krankheit oder Arbeitslosigkeit an der Seite der Menschen am Rande zu sein. Und Kirchen als einen Raum zu etablieren, zu dem alle sozialen Schichten Zugang haben.

Die kleine Zahl – das sei auch die größte Schwierigkeit der katholischen Kirche in Sachsen, sagt Bischof Reinelt. Katholiken sind nach offiziellen Angaben rund 150 000 der reichlich vier Millionen Einwohner des Freistaates. Zugleich aber sieht Reinelt darin eine besondere Stärke: "Die, die durch die schwere Zeit in der DDR in Treue durchgehalten haben, sind eine kostbare Schar." Aber sie habe sich 40 Jahre in geschlossenen Kreisen bewegt. Jetzt sei es höchste Zeit da herauszugehen. Katholische Christen müssten andere Menschen einladen, besser noch: zu ihnen gehen. "Wir haben ein riesiges Arbeitsprogramm vor uns."

Er als Bischof beispielsweise werde oft von der jungen Intelligenz eingeladen. Dort spüre er große Offenheit, "zumindest für den christlichen Grundwasserspiegel". "Da werden tiefe Fragen gestellt, da erwartet man Antworten." Man begegne ihm freundlich, manchmal etwas schüchtern. Aber das seien die Katholiken ja früher auch gewesen. "Jetzt sollten wir mit positiver Frischheit, mit Selbstbewusstsein, gepaart mit ein bisschen katholischer Frechheit auftreten – das würde uns Türen öffnen."

Wichtig sei es vor allem, die Kinder in den Kindertagesstätten zu erreichen. Unzufrieden ist Reinelt mit dem Religionsunterricht. "Die Aufspaltung der wenigen Kinder in verschiedene Unterrichtsgruppen wirkt sich mancherorts katastrophal aus: Die einen gehen in die Gemeinde, die anderen zu diesem oder jenem Lehrer oder sogar in Ethik. Hier machen es sich viele Eltern zu leicht. Das ist doch nicht nach Belieben zu entscheiden."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 49 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 08.12.2005

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