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Auf zwei Minuten

Haben wir Gott nötig?

Ein Beitrag von Pater Damian Meyer

Pater Damian

Bei einer Einladung überreichte ich der Hausfrau einen Blumenstrauß. Sie bedankte sich und sagte: "Das war aber nicht nötig." Ein unnötiges Geschenk? Blumen sind nicht nötig wie das tägliche Brot und wie andere Dinge. Was haben wir schon von Blumen? Sie sind schön, aber sie verwelken schnell und sind relativ teuer. Sie gehören nicht zu den praktischen Dingen, die wir gebrauchen können. Können wir aber deshalb ganz auf sie verzichten? Ich glaube, sie sind sehr wichtig in unserem Leben. Sie verweisen uns auf eine Dimension unseres Lebens hin, die über den reinen Gebrauchswert und über die Kosten-Nutzen- Kalkulation hinausgeht. Blumen sind Ausdruck für das Schöne. Sie gehören zu unserem Leben wie Feiern und Feste, wie Freude und Musik. Und wenn uns Blumen in ehrlicher Absicht geschenkt werden, drücken sie symbolisch die Wertschätzung und Liebe des Schenkenden aus.

Wenn wir fragen "Haben Sie Gott nötig?", werden viele antworten: "Eigentlich nicht." Wenn ich gesund bin und genug Geld habe, um mir das Nötige zu kaufen, was brauche ich dann Gott? Die Natur und der Lauf der Welt scheint auch ohne ihn zu funktionieren. Außerdem scheint der Glaube an Gott beim beruflichen und gesellschaftlichen Fortkommen nicht zu helfen. Was bringt also der Glaube an Gott? Was habe ich davon? Anscheinend nichts handgreiflich Nützliches. Meister Eckhart warnt: "Manche Menschen wollen Gott mit den Augen ansehen, mit denen sie eine Kuh ansehen. Sie wollen Gott lieben, wie sie eine Kuh lieben. Die liebst du wegen der Milch und des Käses und deines eigenen Nutzens. So halten‘s alle jene Leute, die Gott um des äußeren Reichtums oder des inneren Trostes willen lieben. Die aber lieben Gott nicht recht, sondern sie lieben ihren Eigennutz." "Gott lässt sich nicht gebrauchen wie Käse und Milch. Er möchte uns auf einer anderen Ebene begegnen, dort, wo jemand sagt: Ohne dich will ich nicht leben, nicht weil ich etwas von dir haben muss, sondern weil du du bist" (Franz Kamphaus). Mit anderen Worten: Wir haben Gott nötig, wie wir die Liebe nötig haben, die uns sagt: Es ist gut, dass du da bist, es ist schön, dass es dich gibt. Dieses Geschenk seiner schöpferischen Liebe schenkt er einem jeden – ob er es weiß oder nicht – bei der Geburt. Wir haben also Gott nötig, wie wir die Liebe nötig haben. Das Weihnachtsfest erinnert uns an dieses große Geschenk seiner Liebe an uns Menschen.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 48 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 02.12.2005

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