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Aus der Region

Wie Nikolaus in die Schachtel kommt

Leipziger Behindertenwerkstatt verpackt die Schokoladen-Nikoläuse für den Benno-Verlag

Jede Nikolaus-Geschenkbox ist ein Unikat. Foto: Martin Kliemank

Leipzig (mak) - Die Schokoladen-Nikoläuse des St. Benno-Verlags finden reißenden Absatz. Die behinderten Mitarbeiter der 'Diakonie am Thonberg' haben mit der Verpackung alle Hände voll zu tun.

In einem Flur der Leipziger "Diakonie am Thonberg" stapeln sich auf Paletten verpackte Bücher, versandfertige Briefe und Schokoladen- Nikoläuse. Mehrere behinderte junge Menschen sitzen im Gruppenraum und falten die Schachteln in die ein einzelner Nikolaus hineinkommt oder füllen Geschenkboxen, als eine weitere Verkaufsvariante, die neben dem schokoladigen Nikolaus auch ein Filzsäckchen mit Impulstexten und ein Kinderbuch mit Geschichten und Legenden enthält.

Die Verpackungsabteilung ist ein Bereich des Berufsbildungswerks Leipzig. Diese Einrichtung möchte zur Eingliederung geistig und körperlich Behinderter auf dem Arbeitsmarkt beitragen. Die hier Beschäftigten durchlaufen in einer zweijährigen Ausbildung die angebotenen Arbeitsbereiche um sich für einen Bereich, in dem sie später gern arbeiten möchten, zu entscheiden. Neben handwerklichen Fähigkeiten lernen sie Teamarbeit, Durchsetzungsvermögen, auch Kritikfähigkeit. Die Einrichtung möchte zudem Kontakte zu Firmen knüpfen und so weitere Arbeitsplätze unter dem Dach der Werkstatt schaffen. Denn die Arbeitsmarktchancen für Behinderte stehen schlecht. "Anstatt die für einen Betrieb vorgeschriebene Zahl von Behinderten einzustellen, wird eher eine Abgabe gezahlt", beklagt Angela Trobisch, Abteilungsleiterin für die Verpackung. "Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass Behinderte bestimmte Aufgaben genau so gut bewältigen können, wie ihre unbeeinträchtigten Mitmenschen."

Mit dem Verpacken des Nikolaus beschäftigten sich die jungen Mitarbeiter mit einem Heiligen, der besonders für Solidarität und Hilfsbereitschaft steht - Werte, auf die Behinderte besonders angewiesen sind. "Wir haben in den Andachten über den heiligen Nikolaus gesprochen und ich habe während der Arbeit die Legenden um den Bischof aus Myra vorgelesen", berichtet Angela Trobisch.

"Der Nikolaus ist nicht der Weihnachtsmann," darauf musste sie bei der Verpackung öfters einmal hinweisen. Diese Unterscheidung falle heutzutage zunehmend schwer. Deshalb hat das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken die Aktion "Weihnachtsmannfreie Zone" ins Leben gerufen. Hinter dem Weihnachtsmann der Konsumindustrie soll wieder der wahre Bischof Nikolaus entdeckt werden. Unterstützung erfährt das Hilfswerk dabei von ZDF-Moderator Peter Hahne. "Uneigennützigkeit, Nächstenliebe, Solidarität, Schenken und Teilen – das sind Werte, die ich mit Sankt Nikolaus verbinde. Er ist ein hervorragender Wegbereiter für die Weihnachtsbotschaft", meint der engagierte Christ. Den Weihnachtsmann sieht der Journalist hingegen nur als "Packesel der Konsumgesellschaft", der zu mehr Warenverbrauch animieren soll. "Diese Figur des Kaufrausches", so Hahne, "hat nichts mit Nikolaus zu tun. Der war ein wirklicher Bischof und lehrt uns noch heute: Schenken macht nicht ärmer, sondern reicher."

Das Bonifatiuswerk fühlt sich dem Handeln des Heiligen verpflichtet und verkauft einen Aufkleber zugunsten des Kinder-Hospiz-Dienstes in Halle zur Pflege krebserkrankter Kinder, der auch dem Nikolausbuch des St. Benno- Verlags beiliegt.



Bestellungen

Bestellungen unter Tel. 0341 467 77 11

Mehr Informationen über die Diakonie am Thonberg.
Und hier kann man den Schoko-Nikolaus kaufen.
Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 47 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 24.11.2005

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