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Bistum Erfurt

Kritische Begleiterin

Albertus-Magnus-Fest in Erfurt

Traditionell nahmen am Patronatsfest der Theologischen Fakultät auch die Bischöfe der Region teil, unter ihnen der Berliner Kardinal Georg Sterzinsky (rechts im Bild). 42 neue Studierende wurden begrüßt. Foto: Eckhard Pohl

Erfurt - Die Rolle der Theologie an der kulturwissenschaftlich orientierten Erfurter Universität stand im Mittelpunkt der Festakademie zum Patronatstag der Theologischen Fakultät. Der Görlitzer Bischof Rudolf Müller rief im Festgottesdienst dazu auf, den Menschen evangeliumsgemäße Perspektiven aufzuzuzeigen.

Erfreut über die große Zahl der Neuimmatrikulierten an der Theologischen Fakultät in Erfurt hat sich ihr Dekan Benedikt Kranemann gezeigt. Mit 42 Neuankömmlingen davon 17 im ersten Semester, einigen Promovenden und Habilitanden und Studierenden aus dem europäischen Ausland, habe die Fakultät reichen Zuwachs bekommen, stellte der Liturgiewissenschaftler beim Patronatsfest Albertus Magnus am 15. November in Erfurt fest. Unter den Neuen sind (nur) drei Priesteramtskandidaten.

Diplom-Theologie nach wie vor gefragt

Am stärksten gefragt sei noch immer der Diplomstudiengang Theologie, die Gruppe der Lehramtsstudierenden hingegen bedauerlich gering. Hier müsse an der Außendarstellung, aber auch im Blick auf die Qualität gearbeitet werden. Wer für das Lehramt an Gymnasien studiere, müsse zwischen Erfurt und Jena pendeln und werde gleichsam zerrissen. Dekan Kranemann: "Dringend wünschen wir uns Abhilfe auch seitens der Landespolitik, was eine entsprechende Stärkung des Studienortes Erfurt betrifft."

Neben den neuen Studierenden begrüßte der Dekan zwei neue Kolleginnen. Professorin Maria Widl hat den Lehrstuhl für Pastoraltheologie und Religionspädagogik übernommen, Professorin Myriam Wijlens ist Nachfolgerin von Kirchenrechtlicher Konrad Hartelt (Tag des Herrn berichtete), den Dekan Kranemann verabschiedete. Vier Aufbaustudierende haben 2004 / 05 promoviert. Die Absolventen Sebastian Berndt und Steffen Riechelmann wurden für ihre herausragenden Diplomarbeiten vom Förderverein der Fakultät mit je einem Preis von 250 Euro geehrt.

Moraltheologe Josef Römelt ging in seinem Festvortrag der im Erfurter Wissenschaftsalltag diskutierten Frage nach, welche Rolle der Theologie an einer kulturwissenschaftlich orientierten Universität zukommt. Die Kulturwissenschaft versuche eine Zusammenführung des sich immer mehr differenzierenden Wissens. Der Theologie als einer Wissenschaft, die mit der Wirklichkeit Gottes rechnet, komme dabei eine Integrationsfunktion zu. In der modernen Welt gebe es ein Bedürfnis nach "verbindender und verbindlicher Deutung des Lebens". Insofern stelle sich die Frage, "ob die Theologie überhaupt am kulturwissenschaftlichen Ansatz vorbei gehen darf, ohne ihren Auftrag zu verleugnen".

Bischof Wanke: "Eine Fakultät für die Ortskirche

Römelt führte am Beispiel des Begriffs der universalen Menschenwürde vor, wie die Theologie zunächst mühsam von der modernen Welt die Bedeutung des Begriffs gelernt habe. Heute hingegen sei sie es, die die säkularen Wissenschaften daran erinnert, da etwa in den Biowissenschaften die Menschenwürde in ihrer grundlegenden Bedeutung zugunsten eines Rechts auf Forschung und Gesundheit zunehmend "weicher interpretiert und relativiert" werde. In diesem Sinne sei es Aufgabe der Theologie, "kritischer Teilnehmer der Suchbewegungen freiheitlicher, demokratischer und differenzierter Kultur" zu sein. Um dies zu leisten, müsse die Theologie "in den Kreis der Kulturwissenschaften eintreten".

"Eine Ortskirche ist arm, in der theologisch nicht mehr nachgedacht wird", sagte der für die Ausbildung verantwortliche Erfurter Bischof Joachim Wanke. In den letzten Jahren habe es in Erfurt große Veränderungen in der Theologenausbildung gegeben. "Wir haben keine kirchliche Fakultät mehr, aber eine Fakultät für die Ortskirche in unserem mitteldeutschen Raum in dieser historischen Stunde." Es gelte, den Glauben der Kirche und die konkrete gesellschaftliche Stunde miteinander in Beziehung zu bringen. Ähnlich hatte es am Morgen bereits der Görlitzer Bischof Rudolf Müller beim Festgottesdienst im Dom ausgedrückt.

Kritik an der Qualität der neuen sechssemestrigen Bachelor-Ausbildung übte Fachschaftssprecherin Elisa Eichberg. "Wir fühlen uns wie Versuchskan../../inchen", wenn sich etwa zu Beginn dieses Semesters Pflichtfächer im Stundenplan überschneiden. Eine Verbesserung des Studienganges sei dringend nötig.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 47 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 24.11.2005

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