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Bistum Dresden-Meißen

"Brundibár" gab Kraft zum Weiterleben

Leipziger Kinder gaben in Auschwitz eine Oper, die einst im Ghetto Theresienstadt aufgeführt wurde

Tiere vertreiben den bösen Leierkastenmann Brundibár.

Leipzig / Auschwitz (rp/eb) - Vor hunderten polnischer Schüler hat der Ökumenische Kinder- und Jugendchor der beiden Leipzig-Grünauer Gemeinden Paulus und St. Martin am 7. November im Auschwitzer Kulturzentrum die Kinderoper "Brundibár" aufgeführt. Der internationale Lions Club und die Stadtverwaltung Auschwitz hatte den Chor eingeladen, der diese geschichtsträchtige Oper erstmals vor zwei Jahren in Leipzig aufgeführt hatte.

Berühmt wurde die kleine Oper durch die zahlreichen Aufführungen der inhaftierten Kinder und Musiker im Ghetto Theresienstadt in den Jahren 1943 und 1944. Erzählt wird die Geschichte von Anninka und Pepicek, denen es mit Hilfe ihrer Freunde und mit ihrer eigenen Kreativität gelingt, den bösen Leierkastenmann Brundibár zu besiegen und so die Not ihrer Familie zu wenden. "Brundibár" half damals den Spielern und Zuschauern, ihre Hoffnung und Kraft zum Weiterleben zu bewahren. In Theresienstadt, Durchgangsstation für die zahlreichen Vernichtungslager des NS-Regimes, lebten 15 000 Kinder und Jugendliche. Nur etwa 1 000 erlebten das Kriegsende. Hans Krása, der jüdische Komponist von Brundibár und die meisten der Mitwirkenden starben.

Die Kinder und Jugendlichen hatten sich unter Leitung von Chorleiterin Elke Bestehorn und Grundschullehrerin Katharina Cieslak nicht nur musikalisch auf das Gastspiel vorbereitet, sondern auch inhaltlich. Ein Mitglied von Aktion Sühnezeichen / Friedensdienste hatte mit den Mitwirkenden über die Verbrechen in den Konzentrationslagern Theresienstadt und Auschwitz gesprochen, und auch ein Gottesdienst stand unter diesem Thema.

In Polen bekamen sie überwältigenden Applaus von den Schülern, die zuvor ebenfalls über die Hintergründe der Kinderoper informiert worden waren. "Die Oper ist für uns ein Weg, sich der Geschichte aktiv zu stellen. Auch zu lernen, dass es im Leben darauf ankommt, Wege von Frieden und Versöhnung zu suchen und zu beschreiten", sagte Elke Bestehorn nach ihrer Rückkehr.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 47 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 24.11.2005

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