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Auf zwei Minuten

Erhebt eure Häupter

Ein Beitrag von Pater Damian Meyer

Pater Damian

Am Ende des Kirchenjahres und am ersten Adventssonntag richten die Texte der Liturgie unseren Blick auf das Kommen des erhöhten Herrn in Macht und Herrlichkeit am Ende der Zeiten. Können wir da voll zustimmen, wenn der Priester nach der Verkündigung des Evangeliums sagt: "Frohbotschaft unseres Herrn Jesus Christus"? Ist das wirklich eine gute Nachricht, wenn doch die Rede ist vom Ende der Welt, dass die Sonne sich verfinstern und der Mond nicht mehr scheinen wird, dass die Sterne vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels erschüttert werden? Gewiss, die apokalyptischen Beschreibungen und Visionen von der kosmischen Katastrophe des Weltendes gehören zur Sprache der Bilder. Sie wollen keine Information über die definitive Zukunft der Erde und der Menschheit geben. Aber die Frage bleibt: Lösen diese Vorstellungen in uns Angst oder Zuversicht aus?

Sie können nicht frohe Botschaft sein, wenn wir dabei die wichtige und eigentliche Aussage vergessen: Jesus Christus kommt zum Gericht! Was heißt das? Wenn wir uns das Richten Christi nach dem Modell eines menschlichen Richters vorstellen, werden wir sein Kommen wohl kaum freudig erwarten können. Gottes Richten durch Jesus Christus aber ist kein Hin- Richten, sondern ein Her- Richten, ein Zurechtrücken und Wieder-in-Ordnung- Bringen. Den Geschändeten und Zukurzgekommenen wird er Recht verschaffen. Alle, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, werden endlich Erfüllung finden. Der erhöhte Jesus wird nicht nur als Richter wiederkommen, sondern wird auch unser Fürsprecher sein. So zeigt sich Gottes Gerechtigkeit in seiner Barmherzigkeit. Im Gericht wird "die verschüttete Wahrheit des Menschen mit der offenen Wahrheit Gottes konfrontiert" (H. U. v. Balthasar). Wir dürfen hoffen, dass unsere schmerzhafte Selbsteinsicht bei der Begegnung mit Gott in seine Liebe hinein aufgehoben wird. Das ist die frohe Botschaft: Erhebt eure Häupter, denn eure Erlösung ist nahe" (Lk 21,28)

Die Botschaft vom Gericht ist gleichzeitig ein Aufruf zur Umkehr, zur Wachsamkeit und zum Gebet. Die Bibel spricht auch von der Gefahr des ewigen Verderbens. Wir dürfen nicht von vornherein mit einer Versöhnung und Entsühnung für alles rechnen. So greift die Botschaft vom Letzten Gericht verändernd in unser Leben ein und erinnert uns an unsere geschichtliche Verantwortung. Dem Leichtfertigen, der seine persönliche Verantwortung nicht ernst nimmt, gilt die Botschaft: Dein Heil ist nicht von vornherein garantiert. Dem Überängstlichen und an seiner Verantwortung Verzweifelnden wird gesagt: Der Macht der gewinnenden Liebe Gottes sind keine Grenzen gesetzt.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 46 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 17.11.2005

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