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"Die 111": Ein Treffpunkt gegen Gewalt

Offene Jugendarbeit des Bistums Görlitz als Präventivmaßnahme

Im Treff Karten spielen Cottbus (kh) - "Für die bin ich ein zweiter Papa", sagt Michael Branke. Der Diplomsozialpädagoge spricht von den Jugendlichen, die sich regelmäßig in der "111", einem der beiden katholischen Jugendtreffs im Bistum Görlitz, aufhalten. Manche der 16- bis 25-Jährigen haben einen engen Kontakt zu "Micha", wie sie den Leiter der Cottbuser Einrichtung nennen, umarmen ihn zur Begrüßung und besprechen ihre Probleme mit ihm.
25 bis 35 Besucher kommen in der Schulzeit an einem Nachmittag, in den Ferien sind es weniger. Die meisten gehen aufs Gymnasium, helfen sich im Jugendtreff auch mal gegenseitig bei den Hausaufgaben oder fragen Abiturientin Berit, die zurzeit ihr Freiwilliges Soziales Jahr dort macht. Für die Materialsuche vor Referaten soll zudem bald ein Computer mit Internetanschluss zur Verfügung stehen.
Nicht nur für die Schüler, auch für Auszubildende, Zivildienstleistende und junge Arbeitslose ist die "111" zu einem zweiten Zuhause geworden. Hier treffen sie Gleichaltrige, spielen Karten oder Tischtennis, ziehen am Freitagabend gemeinsam zu einer Party los. Beliebt sind auch die Weihnachtsfeier, das Frühlings- und das Sommerfest im Jugendtreff selbst. Darüber hi-naus lässt sich Branke einmal im Monat ein besonderes Angebot für die Jugendlichen einfallen. Die Palette reichte in der Vergangenheit vom Vortrag des Sektenbeauftragten bis zum Fertigen von Fensterbildern. Zurzeit wollten die Jungen und Mädchen aber oft einfach nur abhängen und sich unterhalten, sagt Branke. Dennoch ist er im Moment zufrieden mit seinen Gästen. Schließlich hat er in den neun Jahren seit Bestehen des Treffs schon ganz andere Dinge erlebt. Eine Zeitlang zum Beispiel kamen linke Jugendliche mit Gummiknüppeln, Schreckschusspistolen und Stahlkugeln bewaffnet in die "111". Von dort aus machten sie sich auf den Weg zum Busbahnhof, wo die Auseinandersetzungen mit den Rechten stattfanden. Solche Kämpfe finden jetzt nicht mehr statt. Seine Arbeit hält Branke aber nach wie vor für wichtig, gerade auch, um Gewalt vorzubeugen: "Wenn die uns zumachen", sagt er mit Blick auf die Geldgeber - das Land Brandenburg und die Stadt Cottbus -, "stehen die Jugendlichen auf der Straße".

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 30 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 27.07.2001

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