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Sie wollen Mönch und Ritter sein

Jenseits von Jerusalem / Dritter Teil: Die Templerkapelle in Mücheln bei Halle

Foto: Holger Jakobi

Bis heute sind die Templer von Geheimnisse umwittert. Ihr rascher Aufstieg und Fall regen die Fantasie an. In Mücheln bei Wettin hat sich eine Spur des Ordens erhalten, die Kapelle "Unser Lieben Frauen".

Eigentlich sagt das Patrozinium der Müchelner Kapelle, das in besondere Weise die Liebe zur Gottesmutter ausdrückt, schon so einiges über die Templer aus, die nach dem ersten Kreuzzug in Jerusalem gegründet wurden. Neun Ritter – die alle aus französischen Adelsfamilen stammen und tief religiös geprägt sind – bilden um Hugo von Payens und Gottfried von Saint-Omer 1118 zusammen mit ihren Knappen eine Miliz zum Schutz der Pilger im Heiligen Land. Immer wieder kommt es in dieser Zeit in Palästina zu blutigen Konflikten, Pilgerzüge werden überfallen und ausgeraubt. Viele Pilger werden Europa nicht wiedersehen. Die Franzosen wollen sich damit nicht abfinden. Aber sie wollen nicht nur Ritter sein, sondern Mönche – die sich ganz für Christus einsetzen.

Als Quartier bekommen die Ritter und Knappen ein Gebäude direkt am Tempelberg neben der Al-Aksa-Moschee zugewiesen, daher der Name Templer. Offiziell nennt sich die Gemeinschaft "Arme Ritterschaft Christi vom Salomonischen Tempel". Sie verpflichtet sich, die Pilger vom Mittelmeer bis zu den heiligen Stätten zu schützen. Eine Aufgabe, die mehr als nur neun Ritter bedarf. Hugo von Payens macht sich auf, um in Europa erfolgreich für den neuen Orden zu werben. Unterstützt wird er dabei von Bernhard von Clairvaux, der hart mit einer Ritterschaft ins Gericht geht, die nur dem Vergnügen lebt. Unterstützt wird die Werbung zudem durch ein Konzil, welches im Jahr 1128 in Troyes zusammentritt. Das Ergebnis ist die kirchliche Bestätigung der Verbindung von Ritter- und Mönchtum.

In den folgenden zwei Jahrhunderten breitet sich der Templerorden in Europa aus, gewinnt an Macht und Einfluss. Zahlreiche Niederlassungen entstehen. So 1240 in Mücheln bei Wettin, wo noch heute die Kapelle von der Kunstfertigkeit und der Theologie des Ordens zeugt. Doch der enorme Einfluss ist vielen ein Dorn im Auge. So kommt es zu Gerüchten um ein Götzenbild, um Unsittlichkeit und Trunksucht. Der Orden macht den Fehler, diese Vorwürfe zu ignorieren. Aus Gerüchten werden bald Anklagen. Schließlich steht der Orden fast überall in Europa vor Gericht. Ausnahmen bilden einige deutsche Regionen, Portugal und sicher auch Schottland. Besonders hart ist die Verfolgung in Frankreich unter Philipp dem Schönen. Die Zeit der Drangsal endet für die Templer mit ihrer Auflösung im Jahr 1312, die Papst Clemens V. unter Druck und "mit Trauer im Herzen" vollzieht.

Einige Templer finden Zuflucht beim Deutschen Orden und in anderen Gemeinschaften. Manche sehen sie auch in Schottland an der Seite von Robert Bruce für die Freiheit kämpfen. Doch kommen die Templer weder in schottischen noch in englischen Quellen vor, was allerdings durchaus auch nachvollziehbare Gründe haben könnte..


Informationen

Achim Lipp, Telefon (0173) - 373 42 96.
Die Kapelle ist in der Regel bei Tageslicht geöffnet.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 46 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 17.11.2005

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