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Bistum Magdeburg

Die richtigen Fragen stellen

Gemeindeberatung im Bistum Magdeburg

'Beratung kann Gemeinden helfen, besser ihrem Auftrag gerecht zu werden', sagt Pfarrer Friedrich.

Seit Mitte der 90er Jahre besteht für Gemeinden im Bistum die Möglichkeit, sich beraten zu lassen. Dabei ist die Bitte um Hilfestellung von außen nicht erst angesagt, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, betont Gemeindeberater, Pfarrer Thomas Friedrich aus Halle.

Seit Jahren hat sich in der Gemeinde XY nicht viel geändert. Sonntag für Sonnag findet der Gottesdienst statt. Die Gemeinde feiert Weihnachten und Ostern wie immer. Es gibt einige Kreise, die sich regelmäßig treffen. Kinder gibt es fast keine mehr. Die wenigen Jugendlichen gehen zur Jugendstunde in die Nachbargemeinde. Es geht alles seinen Gang, aber mehr eben auch nicht. Einigen Gemeindemitgliedern jedoch ist das zu wenig, wenn es darum geht, im Sinne des Pastoralen Zukunftsgespräches (PZG) "den Aufbruch zu wagen".

"So eine Gemeinde kann bei uns Hilfe suchen", sagt Pfarrer Thomas Friedrich. Der Seelsorger ist einer von vier Beratern im Bistum; zwei von ihnen sind ausgebildete Gemeindeberater, die beiden anderen haben eine Supervisoren- Ausbildung. Ansprechpartner der kleinen Arbeitsgemeinschaft (AG) Beratung ist Thomas Friedrichs Kollege Pfarrer Magnus Koschig, der ebenfalls in Halle tätig ist.

"In Absprache mit dem verantwortlichen Pfarrer können sich Gemeindevertreter oder Seelsorger an die AG Beratung wenden und um einen Gesprächstermin bitten", sagt Friedrich. Bei einem solchen Vorgespräch werde dann geklärt, ob eine Beratung im konkreten Fall sinnvoll sein kann. "Das kann so sein, wenn Gemeindemitglieder merken: Bei uns geht es nicht mehr vorwärts. Wir treten auf der Stelle. Beratung kann aber auch bei anderen Schwierigkeiten eine Hilfe sein."

"Ein Berater kommt als Unparteiischer von außen und kann deshalb unvoreingenommen und aus einem Abstand heraus den Gemeindevertretern Fragen stellen und so zu Antworten verhelfen", erläutert Friedrich. "Um klar zu sehen, genügt oft schon ein Wechsel der Blickrichtung. Als Berater ermutige ich die Verantwortlichen, sich selbst folgende Fragen zu beantworten: Wo stehen wir als Gemeinde? Was müssen wir anpacken? Wo haben wir Reserven?" Und im Zusammenhang mit der Bildung von Gemeindeverbünden gehe es etwa auch um Fragen wie: "Was können wir allein als Gemeinde, in welchen Bereichen sollten wir uns mit anderen zusammenschließen?" Oder konkreter: "Können wir uns noch ein eigenes Pfarrbüro leisten? Sollten wir die Erstkommunionvorbereitung unserer wenigen Kinder nicht besser mit anderen Gemeinden gemeinsam machen? Was wird aus unseren Gebäuden? Und so weiter.

Kurz gesagt: Gemeindeberatung hilft, die richtigen Fragen zu stellen und gemeinsam nach Antworten zu suchen", so Friedrich. Bevor es zu einer Gemeindeberatung kommt, wird ein Beratungskontrakt (Vereinbarung) aufgesetzt, der zum Beispiel festlegt, welche Themenfelder bearbeitet werden sollen und wer konkret daran teilnimmt. So ein Kontrakt könne verschieden aussehen. Die Gemeindeberatung kann aus einem einzigen Abend bestehen, aber auch ein längerer Prozess sein. Gemeindeberatung könne auch bedeuten, dass ein Berater eine Gemeindeversammlung oder Gemeindeverbundsversammlung moderiert. Möglich ist auch, dass sich Pfarrgemeinderäte und Pfarrer Beratung erbitten. In Einzelfällen kann auch ein Dreieckskontrakt zwischen zwischen Gemeinde beziehungsweise Seelsorgern, Berater (n) und Ordinariat geschlossen werden.

Zieht sich die Beratung über mehrere Termine hin, steht am Ende eine Nachbesprechung und Auswertung der Ergebnisse.



Kontakt

Arbeitsgemeinschaft Beratung im Bistum Magdeburg
Pfarrer Magnus Koschig
Halle
Tel. (0345) - 202 15 29
Fax: (0345) - 290 25 31
E-Mail: Koschig@gmx.de

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 46 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 17.11.2005

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