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Bistum Erfurt

Die Finsternis durchbrechen

Martini-Tag in Erfurt: Wenn jeder an seinem Platz Licht ist, wird es ein großes Licht für die Welt

Ein Fest für die ganze Familie: Klein und Groß hält es in Erfurt nicht in den Stuben, wenn es wieder heißt, den Martini-Tag ökumenisch zu feiern. Foto: Martin Kliemank

Erfurt (mak) - Seit 1972 wird in Erfurt der Martini-Tag ökumenisch gefeiert. Die evangelischen Christen feiern am 10. November Luthers Geburtstag. Die Katholiken erinnern an Martin von Tours, dessen Fest am 11. November gefeiert wird.

Leuchtende Laternen in den Händen singender Kinder. Eine Schar kostümierter Ministranten tritt in den Lichtkegel, der die Treppenstufen vom Erfurter Dom hinab zur Marienwiese erhellt. Bei einbrechender Dunkelheit führen sie am 10. November, dem traditionellen Erfurter Martini-Tag das Stück "Aus Martin wird ein Heiliger" auf.

In dem Schauspiel deutet sich gleich zu Beginn Martins Werdegang an. Dem Wunsch des Vaters, Martin soll Offizier werden, tritt die Mutter skeptisch gegenüber: "Ich glaube eher, dass er sein letztes Hemd gäbe als sich zu raufen." Diese Vermutung bewahrheitet sich in den nächsten Szenen. Martin steigt vom Pferd und teilt seinen Mantel mit einem Bettler. Dann wendet er sich an die jungen Zuschauer und ruft auf, die zum Ende des Spiels verteilten Martinshörnchen untereinander zu teilen, damit jeder ein Stück bekommt.

Noch das halbe Hörnchen in der Hand ziehen Kinder und Eltern unter dem Glockengeläut der berühmten Gloriosa im Lampionumzug auf den Domplatz. Hier haben sich bereits tausende Menschen zum ökumenischen Gottesdienst versammelt. In Vorbereitung auf den abendlichen Höhepunkt fand bereits ab 10 Uhr der Martinimarkt statt, mit allem was zu Sankt Martin dazugehört: Martinsgänse, -hörnchen, -laternen und vielem mehr. Der Gospel "This little light of mine" stimmt auf das Thema der Feier ein. "Unsere Laternen sind Symbole für das Licht, das wir in die Welt hinaustragen sollen," beginnt Pastorin Bianka Piontek. "Was wäre wenn plötzlich Dunkelheit herrschen würde? Was gäbe uns Orientierung und Halt?" Plötzlich erlischt die Beleuchtung der Domstufen. Noch während man versucht sich die Finsternis zu erklären, treten aus dem Hintergrund zwei Gestalten – Martin Luther und sein Namenspatron Martin von Tours.

Als Zeichen der Lichtblicke, die sie in das Leben anderer Menschen gebracht haben, tragen sie Fackeln in den Händen. Beispielgebend entzünden sie schließlich gemeinsam eine übergroße Kerze. "Wir dürfen unser Licht nicht für uns behalten, sondern sollen für andere Licht sein", meinen die beiden Namensvettern. Die Finsternis zu durchbrechen, sei in erster Linie Jesus gelungen. Darauf weist das gleißend weiß strahlende Kreuz im Mittelpunkt der Szenerie hin. Diakon Matthias Burkert führt in seiner Ansprache aus: "Wer sich selbst in seiner Dunkelheit vergräbt, wird auf dieser Welt nichts verändern. Wer aber selber strahlt, kann andere strahlen lassen. Wenn jeder an seinem Platz Licht ist, wird es ein großes Licht für die Welt."

Dieser Auftrag wurde ernst genommen. So trugen Kinder nach dem Gottesdienst ihr Laternenlicht mit Gesang von Haus zu Haus. Außerdem führten drei große Laternen Gläubige in das Augustinerkloster zum Abendgebet.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 46 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 17.11.2005

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