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Aus der Region

Sinnvolles Engagement

Das Ehrenamt

Dr. Norbert Schenke - einer von über 20 Ehrenamtlichen in der Akademiearbeit des Bistums Dresden-Meißen.

Dresden - Dr. Norbert Schenke ist einer von mehr als 20 ehrenamtlichen Helfern in der Katholischen Akademie des Bistums Dresden–Meißen. Seit drei Jahren engagiert er sich in der Akademie, die Foren in Dresden, Leipzig, Freiberg und Chemnitz eröffnet hat.

Nach dem Eintritt ins Rentenalter wollte Norbert Schenke weiter einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen, in die er seine Erfahrungen einbringen kann. Deshalb kam Schenke mit dem Direktor der Katholischen Akademie des Bistums Dresden–Meißen, Dr. Joachim Klose, ins Gespräch. "Ich habe mich angeboten, weil Unterstützung gebraucht wurde und das Betätigungsfeld mir gefiel."

Schenke, der in Dessau geboren wurde, lebt seit 1957 in Dresden. Hier studierte er Physik. Nach der Promotion 1968 war er bis 2002 in der Industrie tätig. Die letzten zwölf Jahre war er Betriebsleiter einer Firma aus dem produzierenden Gewerbe mit etwa 150 Mitarbeitern. Seit 1990 ist er zudem aktives Mitglied in der CDU.

Als Ehrenamtlicher ist Schenke heute in der Katholischen Akademie für wirtschaftliche Themen zuständig und unterstützt die Arbeit der hauptamtlichen Mitarbeiter. Er hilft bei der Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltungen. Ein Schwerpunkt sind die Ringvorlesungen, die in Kooperation vor allem mit der Technischen Universität Dresden angeboten werden.

Übertragen wurde ihm auch die Verantwortung für das Leibniz- Forum in Leipzig. Er begleitet die Referenten und stellt die Verbindung zwischen dem Forum und der Akademie in Dresden her.

Schenke nimmt regelmäßig an der wöchentlichen Teamsitzung der Akademie teil, bei denen Haupt- und Ehrenamtliche die Arbeit der Akademie koordinieren. Die Zeit, die Schenke für die Akademie investiert, sumiert sich auf monatlich mehr als 35 Stunden. "Mittlerweile hat die Akademie einen guten Ruf. Für viele Referenten ist es eine Ehre bei uns ein Vortrag zu halten", sagt Schenke. Dies sei auch ein Verdienst der vielen ehrenamtlichen Helfer. "Ohne sie ist diese Menge von Veranstaltungen nicht möglich."

Dass Schenke sich in der Katholischen Akademie engagiert, hat vor allem damit zu tun, dass der promovierte Physiker den christlichen Glauben ins Gespräch bringen und naturwissenschaftliche Erkenntnisse unter diesem Blickwinkel beleuchten will. Die Akademie versucht zu aktuellen wissenschaftlichen, gesellschaftlichen, kulturellen und allgemeinen Fragen alternative Lösungsansätze anzubieten. Schenke: "Die Naturwissenschaften können nur die Frage nach dem Wie stellen. Wie ist eine Beobachtung zu deuten? Wie ist ein Vorgang, ein Phänomen zu erklären? Naturwissenschaftler können nicht die Frage nach dem Warum beantworten. Hier kann nur der Glaube überzeugende Anworten geben." Die Arbeit der Katholischen Akademie begreift er in diesem Sinn als "moderne Mission" und zitiert Albert Einstein, der einmal gesagt hat: "Aus der vollkommenen Erkenntnis kann kein Ziel für unser menschliches Streben abgeleitet werden. Die objektive Erkenntnis liefere Werkzeuge für das Erreichen von Zielen. Aber das Ziel selbst und die Sehnsucht, es zu erreichen, müsse aus einer anderen Quelle kommen."

Bestätigung für sein Engagement erfährt Norbert Schenke in den kleinen persönlichen Erfolgserlebnissen nach einer gelungenen Veranstaltung. "Mich motiviert immer aufs Neue zu sehen, dass mein Engagement fruchtbar und sinnvoll ist." Damit sich auch in Zukunft Menschen ehrenamtlich engagieren, sei es wichtig mit gutem Beispiel voranzugehen. Die Bereitschaft vieler Menschen ein Ehrenamt zu übernehmen, sei da. "Jedoch kümmern sich viele selten selbst um eine passende Aufgabe", sagt Schenke. Seiner Meinung nach könne man Menschen am besten zur Übernahme einer ehrenamtlichen Tätigkeit gewinnen, indem man sie anspricht und konkret um Mithilfe bittet.



Hintergrund: Von einer Krise keine Spur

23 Millionen Ehrenamtliche: Freudestrahlend lacht seit Anfang November die Heutejournal-Moderatorin Marietta Slomka von 10 000 Plakaten in Deutschland. Endlich eine gute Nachricht: "In Deutschland engagieren sich 23 Millionen Menschen freiwillig." Die Plakataktion ist Teil einer Imagekampagne des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement, das der Meinung ist, dass diese Arbeit viel stärker in der Öffentlichkeit anerkannt werden muss. 34 Prozent aller Bundesbürger über 14 Jahren engagieren sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich, ergab der zweite so genannte Freiwilligensurvey, eine Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Besonders aktiv sind die 14- bis 29-Jährigen. Von einer Krise des freiwilligen Engagements und der Bürgerbeteiligung, die oft herbei geredet wird, gibt es keine Spur.

Das Ehrenamt ist im Wandel

"Bürgerschaftliches Engagement wirkt in alle Bereiche unseres Lebens hinein und ist für das Gemeinwohl, für das Bestehen unserer Gesellschaft unentbehrlich geworden. Es ist eine Chance für jeden Einzelnen, unsere Gesellschaft aktiv mitzugestalten", so Helma Orosz, Sächsische Staatsministerin für Soziales.

Dabei wird die Selbstverwirklichung laut Isidor Baumgartner, Professor für Caritaswissenschaften an der Universität Passau, zunehmend zum Motiv für eine ehrenamtliche Tätigkeit. Für Freiwillige sei es wichtig, Spaß an der Tätigkeit zu haben und neue Leute kennen zu lernen. Zudem wollen die Bürger vermehrt Verantwortung im sozialen Bereich in ihrer Umgebung wahrnehmen, die der Staat nicht mehr leisten kann, so Baumgartner. Aufgrund größerer Mobilität und dem damit verbundenen häufigen Wechsel der Lebenssituation ist es aber schwieriger geworden, sich langzeitig ehrenamtlich zu engagieren.

Engagement aus christlicher Tradition

Jeder fünfte aller ehrenamtlich Aktiven engagiert sich in katholischen Verbänden, Aktionen und Initiativen, so die Umfrage. Die Möglichkeiten, sich in die Kirche einzubringen, haben an Vielfalt in den letzten Jahren zugenommen. Denn auch in der Kirche verändert sich die Form des Ehrenamtes. Langfristiges, zeitintensives Engagement lässt sich im Zeitalter der Globalisierung immer schwerer mit Beruf und Familie vereinbaren. Daher gibt es auch in der Kirche verstärkt ein auf kurzfristige Projektarbeit ausgerichtetes Ehrenamt. Auf der Grundlage des Gebotes der Nächstenliebe gibt es eine christliche Tradition mit einer stark spirituellen Motivation des Ehrenamtes: Laut Studie sind 41 Prozent aller Christen zu einer ehrenamtlichen Tätigkeit bereit, wobei sich bei den Konfessionslosen dies nur 31 Prozent vorstellen können.

Der Weg zum Ehrenamt

Es gibt viele Menschen, die an bürgerschaftlichem Engagement interessiert sind und zugleich eine Vielzahl von Vereinen, Organisationen und Initiativen, die Engagierte suchen. Die Unkenntnis darüber, an welcher Stelle Engagement gebraucht wird oder wer als Ansprechpartner zur Verfügung steht, erschwert das Zusammenfinden beider Gruppen. Diese Kommunikationslücke zu schließen, bemühen sich seit Mitte der 90er Jahre etwa 180 Freiwilligenagenturen in Deutschland. Sie informieren und beraten, entwickeln Projekte oder qualifizieren für freiwilliges Engagement vor Ort. Auch die Caritas hat deutschlandweit 40 Freiwilligenzentren. (mak)

Informationen unter www.engagement-macht-stark.de oder www.bagfa.de

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 46 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 17.11.2005

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