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Aus der Region

Modernes Medium erschließt Bibel

Eindrücke von der Leipziger Buchmesse

Leipzig (jak) - "Ich schreibe nicht um zur Kenntnis genommen, sondern um verstanden zu werden", mit diesen Worten umriss der bulgarische Lyriker Boris Paskov bei seiner Lesung im Gohliser Schlösschen im Rahmen der diesjährigen Leipziger Buchmesse sein Anliegen. Zusammen mit seiner Übersetzerin Andrea Uhlig stellte Paskov den im Biblion-Verlag Marburg erschienenen Lyrikband "Zehn Traumgespanne" vor. Er ist Teil der Bulgarischen Bibliothek, die 1916 von Gustav Weigand in Leipzig begründet wurde und seit 1996 in neuer Folge bei Biblion erscheint. Paskov lebt in Plovdiv und arbeitet als Lehrer. Sein erster Gedichtband erschien 1997, zuvor hatte er in verschiedenen Zeitungen veröffentlicht.

Die Leipziger Buchmesse, die in diesem Jahr vom 22. bis 25. März stattfand, bietet seit Jahren gerade für kleine Verlage wie Biblion eine Chance, sich einem breiten Publikum vorzustellen. Neben den großen Verlagshäusern prägen sie das Bild dieser Messe mit, die nach den Worten von Ingrid Dlugos, Verlagsleiterin des mittelständigen Leipziger St. Benno-Verlag eine Publikumsmesse ist. Sie zeigte sich zufrieden mit der Resonanz, die der Verlag erfuhr. Das Leipziger katholische Verlagshaus kam mit zwei Spitzentitel ins Messegelände: "Katholisch und trotzdem okay - Was sie schon immer über Katholiken wissen wollten" sowie "Nu, ma lacht - Jiddische Witze und Anekdoten". "Katholisch und trotzdem okay" erschien kürzlich bereits in der zweiten Auflage. "Das Buch ist sehr gefragt", berichtet Ingrid Dlugos, "weil es auf unterhaltsame Weise den Glauben für Christen und Nichtchristen erklärt". Im Rahmen der Lesereihe Jüdische Lebenswelten wurde das von Andreas Martin und Robert Rothmann zusammengestellte Buch "Nu, ma lacht!" vorgestellt. Die darin gesammelten Witze geben die Menschlichkeit und die Weisheit der zumeist vernichteten Kultur des Ostjudentums wieder. Das erklärende Vorwort stammt von Salomon Almekias-Siegl, Landesrabbiner in Sachsen.

Wie schon in den zurückliegenden Jahren spielte das Hörbuch eine große Rolle auf der diesjährigen Messe. In der evangelischen Deutschen Bibelgesellschaft erschien mit dem Neuen Testament der erste Teil der Hamburger Hörbibel. Nach Auskunft des Verlages bietet das auf DVD - ein neues, äußerlich einer CD ähnliches elektronisches Speichermedium - erschienene Neue Testament rund 24 Stunden Spielzeit. Im Gegensatz zur CD - mit zirka 80 Minuten Spielzeit - bietet die DVD ein Vielfaches an Speicherkapazität und ist zudem in der Nutzung vielseitiger und variabler. Die Deutsche Hauptbibelbesellschaft betonte, dass die DVD das Medium der Zukunft sei. Überzeugend sei auch der Preis: Das Neue Testament kostet 38 Mark. Und was nunmehr bald zum Preis von nur vier herkömmlichen CDs erhältlich sei, hätte vorher den Gegenwert von 125 CDs gehabt. Über 700 Tracks erlauben den gezielten Zugriff auf jedes Kapitel und jeden Absatz. Gelesen wurde der revidierte Luthertext während der Expo 2000 in verschiedenen Gemeinden der Hansestadt, in evangelischen wie in katholischen. Nach dem Neuen Testament sollen ab Herbst alle Teile des Alten Testamentes auf DVD erscheinen.

Eine eigener Bereich der Buchmesse war Kindern und Jugendlichen vorbehalten. In einer der beiden Lesearenen stellte Christian Schneider sein im Bautzner Domowina-Verlag erschienenes Buch "Meine Lausitz" vor. Scheider betonte, dass es sein Anliegen war, den Kindern und allen anderen Interssierten ein Buch in die Hand zu geben, das die gesamte Lausitz von ihrer geologischen Entstehung bis heute vorstellt - bisher habe es nur einzelne Darstellungen von Orten gegeben. Einen besonderen Bezug stellt Schneider zur sorbischen Geschichte, Lebensweise und Kultur her.

Zwar gibt es auf der Buchmesse keine Länderschwerpunkte mehr, die einst vorgestellten osteuropäischen Länder waren dennoch präsent. So besonders Tschechien, das mit einem eigenen Stand für seine Literatur warb. Auf Einladung ihres Verlages Volk und Welt kam Ljudmila Ulitzkaja zur Buchmesse um ihren Roman "Reise in den siebten Himmel" vorzustellen. Die in Moskau lebende Ulitzkaja - Jahrgang 1943 - gehört zu den führenden Vertreterinnen der modernen russischen Literatur. Ihr neuer Roman widmet sich den ewig menschlichen Themen wie Glück und Verzweiflung stets aufs Neue und ist dabei zugleich eng mit den ethischen Fragen unserer Zeit verbunden.

Insgesamt nahmen an der diesjährigen Buchmesse fast 2000 Aussteller aus 27 Ländern teil. Die Besucherzahl erreichte mit zirka 65 000 einen Rekord.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 13 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 29.03.2001

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