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Bistum Erfurt

Gott und den Menschen dienen

Ordensleute und Gemeinschaften kamen im Erfurter Augustinerkloster zusammen

Die andere Gemeinschaft und ihren Ort kennen lernen: Zum Programm des ökumenischen Treffens gehörte eine Führung durch das Erfurter Augustinerkloster, in das Martin Luther 1505 eintrat. Foto: Holger Jakobi

Erfurt ( jak) - Die Schwestern vom Casteller Ring vom Erfurter Augustinerkloster waren in diesem Jahr Gastgeber eines ökumenischen Treffens von Orden und Gemeinschaften aus den Ländern Mittel- und Nordostdeutschlands.

"Das Lob Gottes, das ist das, was wir problemlos miteinander tun können", betonte Schwester Ruth Meili vom Konvent des Casteller Rings in Erfurt. Zahlreiche Vertreter von evangelischen und katholischen Orden und Gemeinschaften waren ins Erfurter Augustinerkloster gekommen, um eine Tradition der Treffen fortzusetzen, die 1991 begann.

Einer der bereits beim Anfangstreffen dabei war, ist Pfarrer Thomas Bohne vom Oratorium des heiligen Philipp Neri aus Leipzig. Pfarrer Eberhard Thieme – ebenfalls aus Leipzig – informierte über die Zukunft des Oratoriums. Wörtlich sagte er: "Voller Freude kann ich mitteilen, dass es mit unserer Gemeinschaft weitergeht." Thieme wusste, wovon er sprach, hatte er doch das Sterben zweier Oratorien selbst miterlebt. Von den Schwierigkeiten einer Gemeinschaft, um deren Zukunft es aufgrund der Überalterung schlecht steht, musste hingegen Schwester Maria Cansi Kurz aus Berlin berichten. Dennoch ist es für die katholische Ordensfrau kein Grund zum Aufgeben. Heute engagiert sie sich besonders in der Ehe-, Familien- und Lebensberatung.

Den vielleicht weitesten Weg hatte Pater Johannes Henschel zurückzulegen. Zusammen mit einem afrikanischen Mitarbeiter war er nach Erfurt gekommen, um über die Gemeinschaft der Spiritaner zu unterrichten. Im Mai 1994 ließ sich ein "internationales Team" von Spiritanern, einem um 1700 in Frankreich gegründeten Missionsorden, in der Pfarrei St. Josef in Rostock nieder. Ziel war und ist es, den Menschen auf ihrer Suche nach Sinn, Glauben und Werten zu helfen. Und die Internationalität, so Pater Henschel in Erfurt, soll beispielhaft zeigen, dass Menschen verschiedener Nation gemeinsam leben können. Pater Henschel informierte weiter darüber, dass er sich in der Seelsorge an den Urlaubern engagiert. Dabei sind es besonders die christlichen Spuren – unter anderem die alten Klöster – die ihm helfen, mit den Menschen über Gott ins Gespräch zu kommen.

Neben den katholischen Vertretern fanden viele evangelische Gemeinschaften den Weg nach Erfurt. So Schwester Meike Walch von der Kommunität Adelshofen. Schwester Meike ist derzeit Gast im Erfurter Augustinerkloster und lädt jeweils montags von 18.30 bis 20 Uhr zu einem Bibelgrundkurs in die Klosterstube ein. Die Kommunität Adelshofen versteht sich als eine ordensähnliche Gemeinschaft auf evangelischer Grundlage. Ihr gehören gegenwärtig 20 Schwestern und zehn Brüder an. Daneben gibt es die Evangelische Lebensgemeinschaft Leipzig, die mit Adelshofen verbunden ist und ebenfalls eine Vertreterin zum Treffen schickte.

Die Adelshofener Lebensführung bedeutet im Ledigenstand Gott und den Menschen zu dienen. Wörtlich betonen die Adelshofener: "Tragender und bleibender Grund des persönlichen und gemeinsamen Lebens ist die geschenkte Erlösung durch Jesus Christus. Von dort her möchten wir unseren Alltag und unser Miteinander gestalten. Wir sehen die kommunitäre Lebensform nicht als eine höhere geistliche Stufe, sondern als persönliche Führung und als eine in evangelischer Freiheit mögliche Gestalt der Nachfolge. Die klassischen "evangelischen Räte" (Armut, Ehelosigkeit, Gehorsam) versuchen wir in unsere Gegenwart zu übersetzen, beispielsweise im einfachen Lebensstil."

Erfahrungen der aktiven Gestaltung der Gesellschaft konnte auch die Jesusbruderschaft einbringen, die beispielsweise in Hennersdorf im Erzgebirge aktiv ist, wo sie unter anderem neue Arbeitsplätze schaffen konnte.

Der Nachmittag des Tages stand ganz im Zeichen der Geschichte des Augustinerklosters. Neben einer Führung referierte Pfarrer Andreas Lindner über Luthers Stellung zum Ordensleben. Luther, der vor genau 500 Jahren ins Augustinerkloster eintrat, sei nie von seinen im Kloster gemachten Erfahrungen losgekommen, betonte Lindner. Die massive Kritik Luthers am Ordensleben interpretierte Andreas Lindner als Stellungnahmen gegen das Standesdenken oder auch Elitedenken in den Klöstern. Luther habe zudem versucht, die monastische Ordnung und die Evangelischen Räte in den Alltag der christlichen Familie zu integrieren.

Abschließend einigten sich die Vertreter noch auf das Treffen in nächsten Jahr. Es wird am 28. Oktober im Sophienhaus in Weimar stattfinden.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 45 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 14.11.2005

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