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Aus der Region

Seligsprechung Charles de Foucauld

Kleine Schwestern und kleine Brüder aus Ostdeutschland

Kleine Schwester Ulrike, Schwester Monika und Schwester Margarete-Olga leben im Süden von Halle gemeinsam mit vielen Menschen ohne großes Ansehen in einer Plattenbauwohnung. Foto: Eckhard Pohl

Halle - Am Sonntag wird Papst Benedikt XVI. Charles de Foucauld (1858–1916) selig sprechen. Auf den Franzosen gehen 19 geistliche Gemeinschaften zurück, eine davon sind die Kleinen Schwestern Jesu. In einem Plattenbaugebiet in Halle versuchen drei von ihnen nach seinem Vorbild zu leben.

"Bruder Karl war Freundschaft sehr wichtig", sagt Kleine Schwester Monika Barbara Schön (50). "Er hat eine sehr innige Beziehung zu Jesus, aber auch zu ganz verschiedenen Menschen seiner Zeit gepflegt. Dabei hat er sich immer mehr um ein Apostolat der Güte bemüht. Das galt bis hin zu seinem Leben im Volk der Tuareg in Algerien."

"Bruder Karl war immer ein Suchender. Als solcher ist er ein Geschenk für uns heutige Menschen", ergänzt Kleine Schwester Ulrike Hannak (47). "Sein Lebenszeugnis spricht uns an." Dabei habe er immer sehr hohe Ideale gehabt und zu Lebzeiten keine Weggefährten gefunden. "Bruder Karl ist in absichtsloser Weise für die Tuareg dagewesen. Damit fragt er auch uns Christen an, ob wir absichtslos nahe bei den Menschen sind."

Die drei Kleinen Schwestern im Süden Halles jedenfalls versuchen dies. Sie leben wie Charles de Foucauld unter Menschen, die kein großes Ansehen haben. Etliche der Einwohner in ihrem Viertel kommen aus anderen Kulturen, viele haben wenig Geld. Die drei Frauen teilen dieses Leben mit den einfachen Menschen, auch im Broterwerb, wenngleich ihnen bewusst ist, dass sie mit zwei Arbeitsplätzen besser dran sind als manche ihrer Mitmenschen, die keine Anstellung haben. Schwester Ulrike arbeitet als Pflegehilfskraft, Schwester Monika bei einer Reinigungsfirma.

"Wir bemühen uns um freundschaftliche Beziehungen", sagt Margarete-Olga Döring (71). "Wir machen damit gute Erfahrungen: Wir haben zum Beispiel erlebt, dass ein Mann, der mit seinem dreijährigen Kind bei uns Hilfe suchte, als seine 33-jährige Frau starb, diese vom Pfarrer unserer Gemeinde beerdigen ließ, obwohl die Familie vorher keinen Kontakt zur Kirche hatte."

"Wir sind aber nicht mit der Erwartung unterwegs, dass unsere Mitmenschen hier alle christlich werden. Dennoch erleben wir, dass unser Dasein bei ihnen etwas wachruft", fügt Schwester Monika hinzu. "Die Leute spüren: Wenn wir in einer schweren Situation sind, können wir zu den Schwestern gehen." Schwester Ulrike: "Wir erleben Offenheit und Neugier, keinesfalls Abwehr."

Wie Charles de Foucauld pflegen die drei Frauen ihre persönliche Beziehung zu Jesus. Deshalb haben sie sich auch in ihrer Plattenbauwohnung eine kleine Kapelle eingerichet, in der sie durch das Fenster gut in ihr Wohngebiet schauen und auf diese Weise die Welt um sich herum mit vor Christus holen können. Zwei Tage im Monat ziehen sich die Schwestern ganz zu innerer Einkehr zurück.

"Feste Gebetszeiten sind sehr wichtig, weil in unserem Lebensalltag wenig ausdrücklich an Gott erinnert", sagt Schwester Monika. Und: "Mir ist die tägliche Stunde vor der ausgesetzen Eucharistie sehr kostbar. Indem ich mich so Gott aussetze, vertraue ich darauf, dass er mich formt für meinen Alltag. Wie er uns in der Eucharistie Nahrung sein will, so hoffe ich, dass er mein Leben für die Mitmenschen schmackhaft und genießbar werden lässt."



Informationen
Infos: www.charlesdefoucauld.de
Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 45 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 14.11.2005

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