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Auf zwei Minuten

Jesus in Frankfurt

Ein Beitrag von Pater Damian Meyer

Pater Damian

Wenn Jesus heute plötzlich in einer unserer Großstädte auftauchte, wie würde er aussehen? Wie würde er gekleidet sein? Wie damals in Palästina oder modern? An was würde man ihn überhaupt erkennen können? Würde er sich überall selbst vorstellen? Was würde er tun? Würde er auf öffentlichen Plätzen predigen oder einzelne Passanten in der Fußgängerzone ansprechen? Würde er Bibeln oder andere religiöse Schriften verteilen? Die Leute zum Gottesdienst in die nächste Kirche einladen? In die katholische oder die evangelische? Würde er spektakuläre Wunder wirken? Würde er im Fernsehen auftreten und ein sozialpolitisches Reformprogramm verkünden? Ein Text von Gudrun Pausewang gibt eine Antwort, die ich überzeugend und herausfordernd finde. Man lese Matthäus 25,31 bis 45 nach!

"Im vergangenen Jahr tauchte Jesus plötzlich in Frankfurt auf.>Er trug einer alten Frau die schwere Einkaufstasche heim.>Er half einer Türkin, die nicht Deutsch konnte, am Postschalter.>Er schob einen querschnittsgelähmten Mann zwei Stunden lang durch den Palmengarten. Dessen Frau hatte weder Zeit noch Lust gehabt, ihm diesen Wunsch zu erfüllen, obwohl er sich das schon seit Jahren gewünscht hatte.>Er spielte mit einem kleinen Mädchen Ball, das geistig behindert war. Es konnte noch nicht einmal den Ball auffangen.>Er besuchte eine krebskranke Frau im Krankenhaus. Dort lag sie schon ein halbes Jahr, und noch nie hatte sie Besuch bekommen.> Er nahm im Hallenschwimmbad einen ängstlichen Jungen, den die anderen auslachten, an der Hand und sprang mit ihm vom Dreimeterbrett.> Die ganze Nacht schlief er neben einem besoffenen Landstreicher auf einer Parkbank. Er kuschelte sich eng an ihn, damit der Alte nicht fror. Am nächsten Morgen war Jesus wieder verschwunden. Nicht einmal die Reporter der Bildzeitung hatten gemerkt, dass er da gewesen war. Aber die alte Frau, die Türkin, der Querschnittgelähmte, der Junge, die Kranke und der Landstreicher erzählten allen, denen sie begegneten: ,Gestern war ein schöner Tag. Ich bin einem so guten Menschen begegnet.‘ Nur das geistig behinderte Mädchen sagte nichts. Es konnte ja nicht sprechen. Aber es lachte, warf den Ball in die Höhe und fing ihn wieder auf."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 44 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 03.11.2005

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