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Aus der Region

Zum Nabel der Welt

Austellung "Saladin und die Kreuzfahrer" in Halle

Im Museum für Vorgeschichte in Halle ist die Ausstellung "Saladin und die Kreuzfahrer" zu sehen. Sie beleuchtet unter anderem die islamische Sicht und lädt ein, sich mit dem Thema zu beschäftigen – sei es im Museum selbst oder auf Tour durch Mitteldeutschland.

"Mit den Kreuzfahrern wurde das Leben in Europa erst richtig süß", weist Regine Maraszek auf eine Folge der mittelalterlichen Kreuzzüge hin. "Der Johanniter-Orden übernahm das orientalische Wissen über die Herstellung von Zucker, baute im Heiligen Land Produktionsstätten auf, sicherte sich das Handelsmonopol und machte so ein Vermögen", berichtet die Archäologin des Museums für Vorgeschichte in Halle an der Saale.

Dort ist die große Ausstellung "Saladin und die Kreuzfahrer" zu sehen. Neben der militärischen Auseinandersetzung nimmt sie auch den kulturellen Austausch zwischen Abend- und Morgenland in der Zeit von 1099 bis 1291 in den Blick. Protagonisten sind der christliche König Richard Löwenherz und der muslimische Heerführer Sultan Saladin, an denen das Aufeinandertreffen der beiden so unterschiedlichen Kulturkreise erzählt wird. "Zwar haben sich Kreuzfahrer und muslimische Heere bekämpft, doch bei Belagerungen gab es immer wieder gemeinsame Essengelage und Spiele", erklärt Landesarchäologe Harald Meller und zeigt auf eine Handschrift mit einem Bild: Ein blonder Europäer und ein bewaffneter Turbanträger sitzen sich beim friedlichen Schachspiel in einem Zelt gegenüber.

Diese Szene leuchtet den Besuchern vielfach vergrößert aus einer überdimensionalen Buchinstallation im Hallenser Museum entgegen. Auf der Rückseite des Buches erinnern Flammen an die Kriege, darunter zeigt in einem Wasserbecken ein Mosaik einen jahrhundertealten Stadtplan von Jerusalem. Die Stadt mit der Grabeskirche Christi war und ist den Christen "Nabel der Welt". Aber auch für das Judentum und den Islam ist Jerusalem eine heilige Stadt.

Kapellen und Kirchen in Mitteldeutschland

Handschriften, Waffen und Kunsthandwerk aus 39 Sammlungen in sieben Ländern sind in 130 Stationen in der Ausstellung zu sehen. "Wir hätten auch Exponate aus Syrien bekommen können, aber das hätte die Beziehungen zu Israel belastet", berichtet Meller über Schwierigkeiten und die Vorgeschichte der Ausstellung.

Eigentlich sollte eine bereits in Mainz gezeigte Kreuzfahrer-Ausstellung in Mannheim mit einem Schwerpunkt zum Orient fortgesetzt werden. "Die Terroranschläge des 11. September 2001 aber haben die politische Situation geändert", so Meller. Schwierigkeiten bei Leihgaben und ein Umbau in Mannheim führten daher dazu, dass die neue Ausstellung nun in Halle startet.

Dort sind kostbare arabische Vasen ebenso zu sehen wie Reliquienschreine aus dem Domschatz von Halberstadt. "Dieser Schatz wurde in seinen Anfängen direkt von mitteldeutschen Kreuzfahrern zusammengetragen", verdeutlicht Meller. So ist den Kreuzrittern aus der Region zwischen Harz und Elbe eine der drei Etagen der Ausstellung gewidmet. Dazu erschein ein Begleitbuch, das erstmals Kirchen, Burgen und Kapellen im Kontext der Kreuzfahrerzeit vorstellt. Damit werden Entdeckungsreisen von der ersten Johanniterkomturei in Werben an der Elbe über eher unbekannte Ordenskapellen bis hin zum Nachbau des "Heiligen Grabes" in Gernrode am Harz möglich.



Informationen

Die Ausstellung "Saladin und die Kreuzfahrer" ist bis zum 12. Februar dienstags bis sonntags von 9 bis 19 Uhr im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle (Richard-Wagner-Straße 9) zu sehen. Danach wird die Ausstellung mit zusätzlichen Schwerpunkten zur Kultur des Orients im Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg und im Reiss-Engelhorn-Museem Mannheim gezeigt.

Zur Ausstellung wurde ein Rahmenprogramm entwickelt, das alle Altersgruppen anspricht. Informationen dazu und zu den thematischen Führungen gibt es im Internet unter www.archlsa.de/saladin. Der nächste Familiennachmittag – eine Märchenstunde mit arabischen Geschichten – findet am 17. November von 15 bis 17 Uhr im Museum statt. Bitte bis 11. November unter der Telefon (0341) - 524 73 61 anmelden.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 44 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 03.11.2005

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