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Bistum Erfurt

Mehrheit für Volksentscheid

Studie über politische Kultur in Thüringen vorgestellt

Weimar (tj / tdh) - "Bevor man etwas therapieren kann, muss man eine Diagnose stellen", sagt Professor Karl Schmitt zu Beginn seines Vortrages im Weimarer Goethe-Institut, der auf Einladung des Katholischen Forums und des Goethe-Instituts stattfand. Gemeinsam mit Professor Klaus Dicke und Michael Edinger veröffentlichte er eine Studie über die Politische Kultur im Freistaat Thüringen. Die Thüringer Landesregierung hatte sie beauftragt das Meinungsklima im Bundesland zu erforschen. Eine Telefonumfrage unter 1001 Thüringer Bürgern lieferte Stimmungen und Haltungen über Demokratiezufriedenheit, Bewertung der deutschen Einheit und grundsätzliche Einstellungen zur Politik. Sehr deutlich zeigt die Studie, dass alle die durch die deutsche Einheit an Lebensqualität gewonnen haben auch mit den politischen Verhältnissen zufrieden sind.

Eine große Mehrheit bekannte sich zur Möglichkeit von Volksentscheiden als Mittel der Demokratie. Aber auch viel Widersprüchliches zeigen die Statistiken: Neben stark verbreiteter Politikverdrossenheit gibt es ein positives Empfinden für die Thüringer Landesregierung. Das Thema Rechtsradikalismus erhielt ein besonderes Gewicht. Dazu wurde eine Momentaufnahme zum Verbreitungsgrad rechtsextremer Einstellungen vorgelegt. So hielten 30 Prozent der Befragten Deutschland für gefährlich überfremdet, 19 Prozent meinten Ausländer kommen hierher, um den Sozialstaat auszunutzen und 20 Prozent fordern die Rückkehr von Ausländern bei knappen Arbeitsplätzen. 7 Prozent sind gegen eine Durchsetzung von Menschenrechten für Ausländer. Bei der Analyse des Bildungsniveaus wurde deutlich: Je höher der Bildungsgrad, also Abitur oder Studium, desto geringer ist die Ausländerfeindlichkeit.

Erschreckend war außerdem, dass 22 Prozent aller Befragten für eine Unterscheidung von "wertem" und "unwertem Leben" eintreten. Allerdings sind 52 Prozent strikt gegen solche Unterscheidungen. Nach Angaben des Geschäftsführers des Katholischen Forums im Bistum Erfurt, Hubertus Staudacher, werden diese Studien fortgeführt. Das Gesamtprojekt sei auf mehrere Jahre angelegt. Das Thema der nächsten Untersuchung sei "Jugend und Bildung".

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 30 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 27.07.2001

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