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Bistum Erfurt

Es gibt zwei Rumänien...

Malteser besuchten die Region Braila hinter den Karpaten / Hilfen aus Erfurt kommen an

Lucia Dimitru (Zweite von Links) und Pfarrer Carsten Kämpf (Links) zu Besuch bei Familie Vladila: Das Baby Gianina wächst und gedeiht. Die Familie wird von zwei Thüringerinnen unterstützt. Foto: Malteser-Erfurt

Erfurt (jak) - Vieles konnte die Rumänienhilfe des Erfurter Malteser-Hilfsdienstes bisher bewegen. Und auch in Zukunft sollen die Menschen in Rumänien nicht alleine gelassen werden. Pfarrer Carsten Kämpf und Lucia Dimitru informierten sich vor Ort über die Lage.

Für Uwe Schliwa, Geschäftsführer der Malteser in Erfurt, ist die Zusammenarbeit mit Lucia Dimitru ein Glücksfall. Die in Deutschland lebende Rumänin kennt ihre Heimat genau, weiß wie und wo Hilfe effektiv ankommt und ist vom tiefen Wunsch beseelt, sich ganz für Rumänien und seine Menschen einzusetzen. Das dies nötig ist zeigt ein Blick in die Statistik. Danach leben drei Viertel der Bevölkerung in Armut. Zwanzig Prozent gelten als sehr arm, leben unterhalb des Existenzminimums. Lucia Dimitru spricht von den zwei Rumänien: Eines, das auf dem ersten Blick aufboomt ,und eines der bitteren Armut.

Bekleidung, Winterholz und Lebensmittel

Braila, das Ziel von Lucia Dimitru und Pfarrer Carsten Kämpf, liegt hinter den Karpaten. Anders als in den grenznahen Gebieten zu Ungarn kommt hierhin kaum Hilfe aus dem Ausland. Dabei ist gerade diese Region mit einer extrem hohen Arbeitslosigkeit eine der ärmsten. Darunter leiden besonders die Familien. Lucia Dimitru besuchte mit Pfarrer Kämpf unter anderem die Familie Vladila. Frau Vladila lebt allein mit ihren drei Kindern. Ihr Mann sitzt wegen Totschlags in Untersuchungshaft in Constanta. Unterstützt wird die Familie durch Geldspenden zweier Frauen aus Thüringen, die in Braila angekommen von der Betreuerin der Vladilas verwaltet werden. Die Betreuerin sorgt dafür, dass Lebensmittel, Bekleidung, Winterholz und alles Nötige zur Verfügung stehen. Dazu kommt die Sorge um die beiden älteren Jungen, dass sie regelmäßig zur Schule beziehungsweise in den Kindergarten gehen. Frau Vladila versprach Lucia Dimitru und Pfarrer Kämpf, dass sie sich um ihre Kinder kümmern wird. Dabei muss sie sich auf ein Leben ohne Mann einstellen, denn, so die Erfahrungen von Frau Dimitru, er wird in Zukunft wohl keine Stütze mehr sein.

Für Familien wie den Vladilas haben die Erfurter Malteser Patenschaften entwickelt. So können sich eine oder mehrere Personen ganz konkret einer Familie zuwenden, der in Rumänien eine Betreuerin oder ein Betreuer zugeordnet ist. Inzwischen haben sich vor Ort eigene Strukturen der Malteser gebildet, so in Braila selbst. Carsten Kämpf und Lucia Dimitru konnten bei ihrem Besuch viele dieser engagierten Helfer besuchen.

Nächstenliebe und Gebet gehören zusammen

Ein Beispiel anderer Art ist die Hilfe und die Zusammenarbeit zwischen Kindergärten. So besteht unter anderem eine Partnerschaft zwischen dem Kinderarten Lucia in Chiscani und dem Erfurter Domkindergarten. Als Spende erhielten die rumänischen Kinder und ihre Erzieherinnen neue Tischplatten. Wichtig, so Lucia Dimitru, ist es zudem immer wieder, die rumänischen Erzieherinnen in ihrem Engagement zu bestärken. Der Kindergarten, so sagt sie, ist der Ort, an dem das Soziale gestärkt wird, an dem Kinder lernen, die Schwächeren zu unterstützen.

Lucia Dimitru begleitet als Auslandsbeauftragte der Erfurter Malteser das Hilfsprojekt seit dem Jahr 2000 ehrenamtlich. Besonders faszinierte sie von Anfang an, dass die Malteser ihre Kraft aus dem Glauben beziehen: "Praktizierte Nächtenliebe und das Gebet gehören bei den Maltesern zusammen. Das alles tut mir gut."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 44 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 03.11.2005

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