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Auf zwei Minuten

Die Zehn Gebote

Ein Beitrag von Pater Damian Meyer

Pater Damian

Die Juden erzählen sich seit vielen Jahren mit einem gehörigen Schuss Selbstironie eine Geschichte, wie sie an die Zehn Gebote kamen. Auf dem Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin erzählte eine Jüdin diese Geschichte: "Vor langen Zeiten wollte sich Gott ein Volk erwählen und dem erwählten Volk die Thora mit den Zehn Geboten schenken. Er zog von Volk zu Volk, um einen Bundespartner zu gewinnen. Beim ersten Volk, auf das er traf, wurde er gefragt, was denn in der Thora stehe. Als die Männer hörten, dass sie keine andere Frau neben der eignen haben dürften, lehnten sie sofort ab. Ein solches Leben schien ihnen zu traurig zu sein. Dann kam Gott zum zweiten Volk. Sobald die Leute hörten, dass sie nicht stehlen sollten, wollten sie die Thora nicht haben. Wovon sollten sie denn leben? Auch beim dritten Volk hatte Gott keinen Erfolg, weil sich die Männer nicht darauf einlassen wollten, auf das Töten zu verzichten. Was sollte man sonst mit den Feinden machen? Schließlich kam Gott zu den Juden. Diese fragten nicht, was in der Thora stehe, sondern was sie koste. Als Gott ihnen sagte, sie sei umsonst, wollten sie gleich zwei Exemplare haben. So kamen die Juden an die Zehn Gebote und wurden zum erwählten Volk Gottes. Seitdem ist die Thora ihr wichtigstes Buch."

Die Zehn Gebote sind das große Geschenk Gottes an die ganze Menschheit. Wenn der Einzelne und die Menschheit als ganze sich an diese Weisungen hält, ist ein Leben in Freiheit und Würde möglich. Sie retten den Menschen vor der zerstörerischen Kraft des Egoismus, von Hass und Lüge. Sie sind Wegweiser in Richtung Freiheit. In der Bibel werden sie an zwei Stellen eingeleitet als Weisung Jahwes, der sein Volk aus dem Sklavenhaus befreit hat (Ex 20 und Dtn 5). Oft – so auch in der obigen Erzählung – werden die Gebote als lebensfeindlich und die Freiheit des Menschen einschränkend missverstanden, als ob Gott dem Menschen nicht Freude und Glück und erfülltes Leben gönnen würde. So wie die zynische Redensart nahe legt: "Macht es Spaß? Dann ist es verboten!" Das Gegenteil ist der Fall: Gott ist "Freund des Lebens", wie es im Buch der Weisheit heißt: "Du liebst alles, was ist, und verabscheust nichts von allem, was du gemacht hast" ( Kap. 11).

Die Sünde des Menschen aber ist lebensfeindlich und zerstört seine Beziehung zu Gott, zu sich selbst und zum Mitmenschen. Sie schränkt seine Freiheit ein. Im biblischen Buch Tobit offenbart sich der Reisegefährte und Beschützer des Tobias als der Erzengel Rafael. Er gibt Tobit und seinem Sohn Tobias verschiedene Anweisungen für ein gutes, gottgefälliges Leben. "Wer aber sündigt, ist der Feind seines eigenen Lebens" (Tob 12,10).

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 43 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 28.10.2005

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