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Brotlaiber als Zeichen der Gemeinschaft

Kinderfußwallfahrt von Dresden-Pieschen nach Mariaschein

Dresden / Mariaschein (jak) - Bereits zum zehnten Male findet in diesem Sommer die Kinder-Fußwallfahrt von der katholischen Kirche St. Josef in Dresden-Pieschen nach Mariaschein statt. Eine Wallfahrt, an der nicht nur katholische Kinder teilnehmen können, sondern auch ihre evangelischen oder nicht getauften Freunde. Los ging es nach dem Reisesegen am 27. Juli in Dresden, der Wallfahrtsort in Nordböhmen wird am 2. August erreicht.

Organisiert hat die Wallfahrt wieder Gudrun Schlechte aus Dresden, begleitet wird sie von Theologiestudenten. Kaplan Klaus Michael Tschöpe - Chemnitz St. Josef - kommt später hinzu, um mit den Kindern die heilige Messe feiern zu können. In dieser Messe, der Höhepunkt der Wallfahrt, werden Brotlaiber gesegnet, die die Kinder mit nach Hause nehmen: Ein Zeichen der Gemeinschaft, weit über die Tage der Wallfahrt hinaus. Sie werden aber auch angehalten, andere Andenken, so einen Stein, ein schönes Stück Holz oder vom tschengeld gekaufte Oblaten mitzubringen.

Begonnen hatte alles Anfang der neunziger Jahre bei einem Betriebsausflug der Mitarbeiter der Pfarrei Dresden Pieschen. Der damalige Pfarrer Alexander Ziegert - heute Leiter des Katholischen Büros Sachsen - regte dabei an, eine ähnliche Fahrt mit den Kindern zu machen. Die Idee einer Wallfahrt nach Mariaschein kam Gudrun Schlechte dann beim Beten des Engel des Herrn in der Gemeinschaft der Pieschener. Auch wenn ihr Anfangs Skepsis entgegenschlug macht sie sich an die Vorbereitung. Zunächst galt es, die Strecke ausfindig zu machen und Übernachtungsmöglichkeiten zu finden.

Als alles stand, machten sich 1992 sieben Kinder, Kaplan Tschöpe und Frau Schlechte auf den Weg. In den vergangenen Jahren waren es immer zirka 50 Kinder, in diesem Jahr sind es 40. Die etwas verringerte Zahl bereitet Gudrun Schlechte wenig Kopfzerbrechen, hat sie doch so mehr Zeit auf jedes Kind einzugehen. Diese individuellen Begegnungen liegen ihr von Anfang an am Herzen. "Es ist wichtig für so eine Wallfahrt, dass man Zeit für die Kinder hat und ihnen zuhören kann. Andrerseits bietet sie die Möglichkeit, den Kindern Dinge in der Natur zu zeigen, die sie sonst nicht sehen", betont Gudrun Schlechte. Zugleich nutzen sie und ihre Begleiter die Chance, die Kinder mit der Geschichte ihrer Heimat vertraut zu machen. So besuchen sie beispielsweise die Stadtkirche St. Marien in Pirna und die Bruder-Klaus-Kapelle in Zinnwald.

Viele dieser Sehenswürdigkeiten und Stationen hat Gudrun Schlechte auch in diesem Jahr mit in das Wallfahrtsbuch aufgenommen. Es wurde zusammen mit den Pilgerzeichen an Beginn verteilt und enthält weiter Lieder, Gebete, Gedanken zum Tagesthema, die Anleitung für die Bastelarbeit und viel freien Platz für persönliche Eintragungen und Zeichnungen. In diesem Jahr steht die Wallfahrt unter dem Thema "Christsein im Alltag - Jesus als Leitfigur". Unterteilt wird es nochmals in verschiedene Tagesthemen, so für den dritten Tag "Christsein heißt Leben mit anderen Menschen" oder für den fünften Tag "Christsein heißt Leben mit der Schöpfung". In täglichen Gesprächsrunden werden diese Themen und die Erfahrungen der jungen Wallfahrer nochmals beleuchtet. In den vergangenen Jahren prägten unter anderem der Sonnengesang des heiligen Franziskus oder die Zehn Gebote die gemeinsamen Tage.

Bedeutsam ist weiter das Pilgerzeichen. Im Wallfahrtsbuch heißt es dazu: "Unser Pilgerzeichen ist eine Rose, von Dornen umgeben. Wir wollen wie eine Rose werden. Aufblühen zu Gott hin, uns Gottes Willen bejahend öffnen, anmutig und schön in den Augen der anderen sein und wie Maria werden, für die die Rose ein Sinnbild ist. Mit unseren Dornen wollen wir das Böse anwehren."

Gudrun Schlechte weist da-rauf hin, dass alle Teilnehmer in diesen Tagen sehr einfach leben. So sind die Kinder angehalten, während der gemeinsamen Zeit auf Kaugummi und Süßigkeiten zu verzichten. Und auch sie selbst verzichtet auf manche Annehmlichkeit, beispielsweise auf ein eigenes Zimmer. "Ich will dort schlafen, wo die Kinder sind", betont sie. Und auf die Frage, warum sie diese Mühen auf sich nimmt, meint sie lächelnd: "Jeder Mensch hat seinen Spleen und ich habe eben meinen Wallfahrtsspleen."

Nach dem 2. August wird Gudrun Schlechte die Organisation der Wallfahrt aus Altersgründen in andere Hände legen. Mit Rat und Tat möchte sie aber weiter zur Verfügung stehen.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 30 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 27.07.2001

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