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Bistum Erfurt

Ausgrabungen geben Rätsel auf

Am Erfurter Domberg wurden romanische Fundamente gefunden

Von Martin Kliemank
Erfurt. Bei Bauarbeiten auf dem Erfurter Domberg wurden jetzt Mauerreste aus dem zwölften Jahrhundert gefunden. Noch gibt der Fund den Fachleuten Rätsel auf.

"Der Erfurter Domberg ist nicht arm an Überraschungen", stellte der kürzlich ernannte Weihbischof Reinhard Hauke vor kurzem wieder fest. Bei Bauarbeiten im neuen Domgarten wurden bedeutende Fundamentreste freigelegt. Noch ist unklar, ob es sich um den Vorgängerbau der heutigen, im 15. Jahrhundert vollendeten St. Severi-Kirche handelt oder um eine eigene Kirche. Auf alle Fälle ist der Fund so wichtig, dass der Leiter des Thüringer Landesamtes für Archäologie Dr. Sven Ostritz seinen Urlaub abgebrochen hat. Durch die Entdeckung müsse möglicherweise sogar ein Stück Erfurter Stadt- und Kirchengeschichte neu geschrieben werden, meinte Ostritz. "Die Interpretation lässt Schlüsse auf die wirtschaftliche und technische Leistungsfähigkeit der damaligen Stadt zu. Der politische Einfluss Erfurts muss bedeutsam gewesen sein."
Entdeckt wurde der Fund während der Bauarbeiten am neuen Domgarten. Auf dem bisher unbeachteten Gelände soll im nächsten Jahr eine gastronomische Einrichtung eröffnet werden. Bei den Bauarbeiten freuten sich die Thüringer Archäologen wieder einmal grabungstechnisch aktiv werden zu dürfen. Bei den Ausgrabungen richteten sie sich nach der acht Meter hohen Stützmauer des Dombergs, die auffällige Auswölbungen aufweist. Auf der 60 Quadratmeter großen Grabungsfläche entdeckten die Archäologen zunächst einen ehemaligen Brunnen. Bald aber tauchten Fundamentreste auf, die die heutige Stützmauer scheinbar berücksichtigt hat. Aufgrund der halbrunden Form des freigelegten Mauerwerks, auf dem teilweise noch ein profilierter Sockelstein thront, ordnet Entdeckerin Dr. Karin Sczech, Gebietsreferentin des Landesamtes für Archäologie in Weimar, die Ausgrabungen als Apsis (halbrunde Altarnische) eines Sakralbaus aus dem zwölften Jahrhundert ein. Folglich muss man auf den Chorbereich einer romanischen Kirche gestoßen sein. Insgesamt drei Apsiden unterschiedlicher Größen wurden freigelegt. So vermutet Dr. Sczech einen dreischiffigen Grundriss. Auf die aufwendige Gestaltung der ehemaligen Kirche deuten ebenfalls entdeckte Stuckreste hin, auf denen noch Farbreste und Profile zu erkennen sind. Skepsis äußerte indes der Leiter des Dombauamtes Andreas Gold. In alten Dokumenten fand sich kein Hinweis auf diese Kirche. Er meint, man müsse eher in Erwägung ziehen, auf die Überreste der damals zu einem Nonnenkloster gehörenden St. Pauls-Kirche gestoßen zu sein. Der Investor des zukünftigen Domgartens zeigte sich jedenfalls begeistert. Er will die Ausgrabungen in die Gestaltung seiner gastronomischen Einrichtung einbeziehen. Die Eröffnung ist für März nächsten Jahres geplant.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 0 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Dienstag, 25.10.2005

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