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Bistum Görlitz

Einsicht, die von innen kommt

Der Cottbuser Bildhauer Hans-Georg Wagner fertigt aus jahrhundertealtem Holz Heiligenfiguren

Hans-Georg Wagner in der Cottbusser Ausstellung. Foto: Klaus Schirmer

Cottbus - Er ist Atheist und immer auf der Spurensuche. Der Cottbuser Bildhauer Hans-Georg Wagner stellt Madonnen und Heiligenfiguren her. Aus Materialien, die schon hunderte Jahre alt sind.

"Jeder Stamm, jedes Stück Holz das ich bearbeite, ist viel älter als ich, hat seine Geschichte, die sich in Narben, Verästelungen, Vernetzungen widerspiegelt", erzählt er mit ruhiger Stimme. Auf diese Weise "erspürte" und gestaltete er aus einem fast 800 Jahre alten Stamm die "Cottbuser Madonna".

Sie beherrscht den Raum, steht majestätisch vor dem Betrachter. Aus einer Astgabel hat Wagner das Gesicht geschnitzt. Was morsch an dem alten Stamm war, hatte Wagner entfernt. Um diese Madonna gruppiert: ein Bischof, eine Stifterfigur und eine Zweiergruppe "Judas vor Kaiphas".

Durch Zufall kam der Bildhauer an das alte Rohmaterial. Archäologen fanden am Cottbuser Altmarkt vor einigen Jahren bei Ausgrabungen einen Knüppeldamm aus den Jahren 1265/66. Kiefernstämme von etwa 15 bis 20 Zentimeter Durchmesser, größtenteils verrottet. Sie sollten entsorgt werden, zu nichts mehr nütze. Nicht so für Hans-Georg Wagner. Er holte sich die ersten Stämme, grub weiter, lagerte und konservierte was ihm brauchbar erschien.

"Ich war selbst überrascht zu welchen Ergebnissen ich kam, als ich mich mit der Geschichte der Stadt um das Jahr 1260 beschäftigte", erzählt er. "Ich kam ins Träumen und wie von selbst versuchte ich mich in die Darstellungen damaliger Zeit zu versetzen". So entstand diese Gruppe, die er "Vorfahren" nennt. Auf die Frage, wo er geistig angesiedelt sei, antwortet er mit einem freundlichen Lächeln: "Ich bin Atheist! Aber wenn es um unsere Geschichte geht, kann man sich nicht drum herum mogeln."

Das erklärt auch die Inhalte weiterer Arbeiten dieser Ausstellung. Nur 30 Zentimeter groß ist ein Entwurf in Holz-Wachstechnik als Vorarbeit für einen Bronzeguss: Eine Pieta, gewidmet den Soldatenmüttern. Oder eine Kreidezeichnung: Baumgestalten, darunter unverkennbar eine Gabelung als Kreuzesdarstellung. "Allgemein verständliche Dinge lassen sich auch auf eine zweite Betrachtungsweise hin deuten. Auf eine christliche oder eben eine humanistische" , beschreibt Wagner das Anliegen seiner Arbeit.

Eine "Collage in Mischtechnik" zeigt hoch aufragend einen Baumstamm, eine stilisierte Kreuzesdarstellung. Unter dem Kreuz stehen Menschen, skizzenhaft ohne Gesicht angedeutet. Kommen sie? Gehen oder stehen sie? Wieder zwei Sichtweisen: Menschen unter dem Kreuz Christi.

Ähnlich geformt ist eine kleine Frauengestalt: Die heilige Barbara in Wachs vor einem Hintergrund aus Eiche. Ein Modell, mit dem Wagner bei einer Ausschreibung der Firma Vattenfall "nur" den zweiten Preis errang. Das Bild erzählt eine eigene Geschichte: Im Vordergrund die Figur, in der zweiten Ebene ist der Hungerturm der Heiligen sowie ein Kreis angedeutet. Beim richtigen Standpunkt des Betrachters: Der Heiligenschein. Da bleiben Fragen offen: "Ich suche nicht das Heilige! Christen machen für ihre Haltung Gott oder Göttliches verantwortlich. Für mich ist das Humanität, Rücksicht, Einsicht, die von innen heraus kommt", so Wagner. Die Galerie lädt zum Betrachten und Meditieren ein, Ansichten eines Menschen, der eine Botschaft vermittelt.



Informationen

Die Ausstellung ist noch bis zum 28 Oktober in der Galerie von H.-G. Wagner in der Lieberoser Straße zu sehen. Anmeldung erwünscht unter (0355) - 252 76.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 42 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 20.10.2005

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