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Bistum Erfurt

Eigene Entscheidung gefragt

Dingelstädt feierte 150. Jahrestag der Weihe der Pfarrkirche St. Gertrud

Während der Kirchenführung in der renovierten Pfarrkirche St. Gertrud in Dingelstädt: Pfarrer Waldmann, PGR-Vorsitzende Kirchberg und Kaplan Könen (von rechts). Foto: Matthias Holluba

Dingelstädt (mh). Die katholischen Christen in Dingelstädt feierten in diesen Tagen Kirchweih- Jubiläum.

Dass sich für die Kirche im katholischen Eichsfeld nach dem Ende der DDR einiges verändert hat, daraus macht Pfarrer Heiner Waldmann kein Geheimnis. "Während zu DDR-Zeiten die Gegnerschaft zum Staat die Christen zusammengeschweißt hat, ist Kirche heute ein Angebot unter vielen. Das bringt für viele die Versuchung mit sich, sich anders zu orientieren", sagt der Pfarrer, der seit 1988 Seelsorger in Dingelstädt ist. Zwar ist seine Gemeinde mit 4000 Mitgliedern (bei 5000 Einwohnern) noch immer eine der größten in Ostdeutschland. Doch auch hier sind die Kirchenbänke inzwischen leerer als vor 15 Jahren.

Es habe aber keine Zweck zu klagen über diejenigen, die weggegangen sind, sagten sich der Pfarrer und sein Team. Stattdessen haben sie den 150. Jahrestag der Weihe der Pfarrkirche St. Gertrud nicht nur zum Anlass für eine Feier genommen. Die Festwoche bekam sozusagen als thematischen Hintergrund die persönliche Entscheidung des Einzelnen für den Glauben. Pfarrer Waldmann: "Das Volkschristentum trägt zwar vieles und hilft in bestimmten Situationen. Notwendig ist aber die persönliche Stellungnnahme, was mir Jesus Christus bedeutet."

Ein Beispiel, wie diese Idee umgesetzt wurde, waren die Kirchenführungen an drei Sonntagen vor dem Jubiläum. Nach der grundlegenden Sanierung der Kirche waren die Gemeindemitglieder eingeladen, mit Kaplan Markus Könen und der Pfarrgemeinderats- Vorsitzenden Barbara Kirchberg auf Entdeckungstour zu gehen. Dabei ging es nicht nur um das historisch oder kunstgeschichtlich Wertvolle und Interessante. Immer wieder wurden bei der Führung die Anknüpfungspunkte für den persönlichen Glauben aufgezeigt. Taufe, Wort Gottes, Eucharistie, Heilige sind dafür einige Stichworte. "Unsere Kirche ist nicht nur ein gewaltiges Bauwerk, sondern auch ein Fingerzeig Gottes, der uns zum Gespräch einlädt", sagt der Pfarrer.

Höhepunkt des Jubiläums war natürlich der Gottesdienst mit Bischof Joachim Wanke. Auch er ging auf die Veränderungen im Eichsfeld ein, denn er wünschte der Gemeinde, einladende Kirche zu sein, "ein geistiger Raum, der sich öffnet für die Menschen, auch für diejenigen, die nur noch selten in die Kirche gehen". Die ganze Gemeinde habe die Aufgabe dafür zu sorgen, dass die Quellen des Glaubens zugänglich bleiben.



Im Internet
www.kath-kirche-dingelstaedt.de
Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 42 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 20.10.2005

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