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Aus der Region

Geistlich-kulturelles Zentrum

Die Benediktiner der Huysburg wollen ihren traditionsreichen Klosterort weiterentwickeln

Pater Antonius Pfeil ist neuer Prior der Benediktiner vom Huy.

Huysburg - Seit gut 900 Jahren ist die Huysburg nördlich von Halberstadt ein Ort der Seelsorge und des geistlichen Lebens. Jetzt entsteht hier unter Leitung der Benediktiner ein heutigen Ansprüchen gemäßes geistliches und kulturelles Zentrum.

"Ziel ist es, hier im Auftrag des Bistums Magdeburg und in der Kontinuität der langen Geschichte dieses Ortes ein kirchliches Zentrum zu schaffen", sagt der kürzlich gewählte neue Prior der Benediktiner vom Huy, Pater Antonius Pfeil (54). "Wir möchten uns dafür einsetzen, dass die Huysburg durch ihre Bauten und durch das, was wir Mönche hier leben und tun, ein Ort der Erinnerung an Gott, ein Ort des Gebetes, der Seelsorge und der kirchlichen Erneuerung ist. Zudem bieten die vorhandenen Gebäude, der einstige Klostergarten, die große Wiese und die Lage mitten im Laubwald des Huy gute Voraussetzungen zur Begegnung und Erholung auch für Familien."

"So wollen wir zum Beispiel die Möglichkeiten für Gemeindegruppen erweitern, sich zu Tagen des Gebetes auf der Huysburg zu treffen", erklärt Pater Athanasius Polag (66), der bis zum Sommer Prior war und die derzeit stattfindenden umfangreichen Bauarbeiten auf der Huysburg leitet. Einen guten Rahmen dafür böten allein schon das Stundengebet der Mönche und die tägliche Feier der Eucharistie. Selbstverständlich solle es auch Möglichkeiten der Begegnung kirchlicher Gruppen im Geist der Ökumene geben.

Ein Ort des Gebetes auch für Gemeindegruppen

Aber auch Veranstaltungen zur Fortbildung der haupt- oder ehrenamtlich in der Seelsorge tätigen Frauen und Männer sollen hier verstärkt stattfinden. Jugendgruppen nutzen die Freiflächen sowie den unterhalb der Huysburg gelegenen Jugendhof in Röderhof. Schon lange ist die Huysburg Ort der geistlichen Begleitung und von Exerzitien. Seit Jahren nehmen die Mönche die Pfarrseelsorge in den nördlich des Huy gelegenen Ortschaften wahr. "Weil die Huysburg zur Straße der Romanik gehört und so von zahlreichen auch nicht christlichen Touristen und Wanderern besucht wird, bietet es sich an, den geistesgeschichtlichen Hintergrund durch Führungen und Ausstellungen zu erschließen und so Zugänge zum christlichen Glauben zu eröffnen", sagt Pater Athanasius.

Die Huysburg, auf der seit der Nachkriegszeit regelmäßig die Magdeburger Bistumswallfahrt, aber auch Kinder-, Jugend- und Ordensleutewallfahrten stattfinden, hat eine lange Geschichte. 997 wird der Huy Eigentum des Bischofs von Halberstadt, 1058 wird hier die erste Kirche zu Ehren der Mutter Gottes gebaut. 1080 entsteht ein Männerkloster, dessen erster Abt Ekkehard wird. In romanischer Zeit leben hier 40 bis 60 Mönche.

Im Zuge der Reform des benediktinischen Mönchtums gehört die Huysburg seit 1444 zur Gründungsgruppe der Bursfelder Kongregation, einem Zusammenschluss deutscher Mönchsklöster zur geistlichen Erneuerung und gegenseitigen Stärkung. Während des Bauernkrieges und im Dreißigjährigen Krieg wird das Kloster mehrmals geplündert. Die Mönche halten am katholischen Glauben fest. 1804 wird das Kloster vom preußischen Staat aufgelöst, die Kirche zur Pfarrkirche erklärt. Der letzte Prior Carl van Eß wird erster Pfarrer. Das Kloster mit dem landwirtschaftlichen Gut erhält im Jahr 1823 General Karl Friedrich von dem Knesebeck.

Vier Jahrzehnte beherbergt der Huy ein Priesterseminar

Von 1952 bis 1993 ist auf der Huysburg ein Pastoral-Priesterseminar untergebracht, in dem sich künftige Seelsorger vorwiegend aus den Jurisdiktionsbezirken Magdeburg und Schwerin nach dem Theologiestudium in Erfurt auf ihren Dienst vorbereiten. Seit 1972 entsteht im Schatten des Priesterseminars eine Zelle der Benediktiner, betreut von der polnischen Abtei Tyniec / Krakau.

Zusammenschluss mit der Abtei von Trier

Bald nach der Wende kommen Benediktiner aus Trier dazu. 1992 kann das Bistum Magdeburg den Teil des alten Huy-Klosters, der seit der Säkularisation 1804 nicht in kirchlichem Besitz war und in der DDR als Pflegeheim genutzt wurde, zurück erwerben. Die Mönche werden vom Magdeburger Bischof mit der Neugestaltung der Huysburg als kirchliches und kulturelles Zentrum beauftragt. 2004 schließt sich die Benediktiner- Gemeinschaft auf der Huysburg mit der Abtei in Trier zusammen. Am 23. August dieses Jahres wählen sie erstmals gemeinsam mit Pater Ignatius Maaß (47) einen neuen Abt, der künftig auch zeitweise persönlich auf der Huysburg präsent sein wird. Derzeit leben neun Mönche in dem traditionsreichen Kloster.

Seit Juli 2004 werden umfangreiche Bauarbeiten durchgeführt. Im Mittelpunkt stehen dabei das Ekkehard-Haus mit seinem großen Barock- und dem ehemaligen Wirtschaftsgebäude und ein Teil des heutigen Klostertraktes. Im Wirtschaftsgebäude neben dem Torhaus werden zehn Gästezimmer ausgebaut, zwei Dutzend bestehen bereits, sagt Pater Athanasius. Im barocken einstigen Gästehaus entstehen Küche, Speisesaal und Tagungsräume.

Für den heutigen Klostertrakt wurde in den letzten Monaten zwischen dem romanischen Refektorium in der Mitte des Klosterhofes und der Kirche an der Nordseite des Areals ein Verbindungsbau errichtet. Er bietet einer neuen Klosterpforte, Sprechzimmern und der Sakristei Platz. Das romanische Refektorium im Obergeschoss wird als Museum eingerichtet, im Erdgeschoss entsteht ein Klosterladen.

Doch um all das zu verwirklichen, bedarf es großer finanzieller Mittel. "Neben privaten Zuwendungen, Geldern unseres Ordens und des Bonifatiuswerkes sowie Darlehen müssen wir gemeinsam mit dem Förderverein nach anderen Möglichkeiten Ausschau halten, um die Finanzierung nach und nach zu sichern", sagt Pater Athanasius. "Spenden sind also durchaus willkommen."



Informationen
www.huysburg.de Förderverein: Pfarrer Paetz
Mail: michael-paetz@t-online.de

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 41 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 19.10.2005

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